Promi-Investoren im englischen Fußball

Villen, Yachten – und nun Fußballklubs

05. Sep. 2025, 16:09 Uhr

Claudia Schiffer verfolgt im Trikot des FC Brentford ein Spiel des Klubs auf der Tribüne. Eine Werbekampagne? Nein, Schiffer ist neue Anteilseignerin des Klubs. (Foto: Andrew Parsons / Shutterstock / Imago Images)
Claudia Schiffer verfolgt im Trikot des FC Brentford ein Spiel des Klubs auf der Tribüne. Eine Werbekampagne? Nein, Schiffer ist neue Anteilseignerin des Klubs. (Foto: Andrew Parsons / Shutterstock / Imago Images)

Supermodel Claudia Schiffer wird Anteilseignerin beim FC Brentford und setzt damit den Hype von prominenten, superreichen Investoren im englischen Fußball fort. Die Liste an Celebrities reicht von Sportstars bis Hollywood-Schauspielern. Es geht um Geld, Einfluss und Reichweite.

Von Sven Haist, London

Claudia Schiffer hat kürzlich mit einem Instagram-Beitrag überraschend für Aufsehen gesorgt – in der Fussballwelt: Sie posierte in einem Fan-Shirt des Premier-League-Klubs Brentford FC. Auf den ersten Blick wirkte der Post wie Teil einer Werbekampagne des Londoner Vereins, mit dem deutschen Supermodel als prominente Markenbotschafterin. Tatsächlich jedoch verkündete Schiffer auf diese Weise, dass sie zusammen mit ihrem Ehemann, dem Regisseur Matthew Vaughn, eine kleine Beteiligung an einer Holdinggesellschaft erworben habe, zu deren Portfolio auch der Brentford FC gehört. Anlässlich der Vereinbarung frohlockte Schiffer, sie freue sich darauf, die «Schönheit des Klubs» nun selbst zu erleben – nachdem ihr einst Pelé, mit dem sie beim Eröffnungsspiel der WM 2006 in Deutschland den Pokal präsentiert hatte, gesagt habe, Fussball sei ein schönes Spiel.

Der Einstieg von Claudia Schiffer in die Fussballwelt, die sie bislang nur als gelegentliche Zuschauerin gestreift hatte, folgte einem klar erkennbaren Trend: Fussballklubs sind zur neuen Luxusbegehrlichkeit für weltbekannte, glamouröse, wohlhabende und anderweitig privilegierte Persönlichkeiten geworden. Sie gelten inzwischen ebenso als Statussymbole der «beautiful people» wie Villen, Jachten, Privatjets und andere Ausdrucksformen demonstrativen Reichtums. Insbesondere der englische Fussball ist zu einem zentralen Schauplatz dieser Entwicklung geworden – zu einem Hotspot für neofussballaffine Prominente verschiedenster Branchen.

Fünf von zwanzig Premier-League-Klubs haben prominente Investoren

In der Premier League sind derzeit in fünf der zwanzig Klubs prominente Millionäre engagiert: die Basketball-Legende LeBron James hält Anteile am Liverpool FC; der Schauspieler Michael B. Jordan ist beim AFC Bournemouth involviert; bei Leeds United sind über den Investmentarm der American-Football-Franchise San Francisco 49ers mehrere amerikanische Sportgrössen wie die Schwimm-Ikone Michael Phelps oder der Golfprofi Jordan Spieth beteiligt; der Football-Star J. J. Watt hat in den Burnley FC investiert; und Schiffer eben in Brentford.

Die Liste an Celebrities setzt sich in den unteren englischen Ligen fort, sie reicht inzwischen bis in den Amateurfussball: Tom Brady, siebenfacher Super-Bowl-Champion, ist bei Birmingham City aktiv; der Schmusesänger Ed Sheeran unterstützt seinen Lieblingsklub Ipswich Town; den Rapper Snoop Dogg verschlug es mit dem Fussballer Luka Modric zu Swansea City – und die Hollywood-Schauspieler Ryan Reynolds und Rob McElhenney übernahmen schon vor viereinhalb Jahren den Wrexham AFC, den sie seither aus der fünften bis in die zweite Liga führten.

Der Trend begann mit dem Erfolg von zwei Hollywood-Schauspielern im Fußball

Der Erfolg von Reynolds und McElhenney hat das Interesse an Fussballvereinen merklich befeuert, vor allem unter Prominenten aus dem sonst fussballfernen amerikanischen Entertainment-Sektor. Zwar existieren Verbindungen zwischen Showbusiness und Fussball irgendwie immer schon, und auch ehemalige Spieler kauften sich nach ihren Karrieren als Investoren ein: In den 1970er und 1980er Jahren etwa führte Elton John als Vorsitzender und Eigentümer den Watford FC von der vierten bis in die erste Liga; in der Spielzeit 1982/83 erreichte der Klub sogar den zweiten Tabellenplatz hinter Liverpool. Und 2014 stieg eine Gruppe ehemaliger Manchester-United-Spieler (Gary Neville, Phil Neville, Ryan Giggs, Paul Scholes, Nicky Butt und später auch David Beckham) beim damaligen Achtligisten Salford City FC aus dem Grossraum Manchester ein. Doch Reynolds und McElhenney haben solche Investments professionalisiert – und flächendeckend populär gemacht.

Die beiden Amerikaner demonstrierten eindrucksvoll, dass sich mit einem klug platzierten Investment in einen Fussballverein die eigene Bekanntheit und der persönliche Einfluss steigern lassen und sich damit auch noch Geld verdienen lässt. Und das alles, wie sie selbst betonen, mit einer gehörigen Portion Spass. Den meisten prominenten Neueinsteigern im Fussballgeschäft geht es um all das: Über den global populären englischen Fussball versuchen sie, Sichtbarkeit, Reichweite und Markenpräsenz zu erhalten oder sogar auszubauen – ein entsprechendes Image inbegriffen. Die Premier League gilt als meistgesehene Sportliga der Welt. Laut Schätzungen verfolgen rund vier Milliarden Menschen das Geschehen.

Die finanziellen Hürden für geringe Minderheitsanteile ist vergleichsweise gering

Zudem sind die Einstiegshürden für prominente Investoren vergleichsweise niedrig. Obwohl die Bewertungen von Premier-League-Klubs mindestens eine halbe Milliarde Euro erreichen und Topvereine inzwischen auf mittlere einstellige Milliardenbeträge taxiert werden, sind geringe Beteiligungen häufig bereits im unteren Millionenbereich zu haben, gerade bei Vereinen aus tieferen Ligen. Zwar sind die unmittelbaren Renditechancen begrenzt, dennoch gelten solche Engagements, trotz dem sportlich bedingten Verlustrisiko, als solide Anlageformen. Denn der Gesamtwert professioneller Fussballvereine ist in den vergangenen Jahren, nicht zuletzt durch die globale Expansion des Sports, kontinuierlich gestiegen.

Ein anschauliches Beispiel liefert LeBron James: Gemeinsam mit Geschäftspartnern erwarb er 2011 zwei Prozent am Liverpool FC für fünfeinhalb Millionen Euro. Zehn Jahre später wandelte er diese Beteiligung in einen einprozentigen Anteil an der Muttergesellschaft Fenway Sports Group um, deren Marktwert mittlerweile auf etwa zwölf Milliarden Euro geschätzt wird. Auch der zeitliche Aufwand bleibt für die Prominenten überschaubar. Sie sind in aller Regel nicht in das operative Geschäft eingebunden, werden bei Besuchen von den Fans enthusiastisch empfangen und haben freien Zugang zu den wichtigsten Spielen. Selbst Reynolds betonte jüngst bei Sky, er und McElhenney träfen «keine fussballerischen Entscheidungen», ihre Rolle bestehe darin, «Clowns zu sein, zu unterstützen und Geschichten zu erzählen».

Die Klubs profitieren von der Strahlkraft der Promis

Andererseits profitieren die Klubs als Gegenleistung für die Anteilsverkäufe vom Glanz und Glamour der Stars – und hoffen, über deren mediale Strahlkraft neue Fangruppen zu generieren, lukrativere Sponsoringverträge abzuschliessen und die eigene Marke attraktiver zu positionieren. Gerade im Merchandising und Marketing zahlt sich die Prominenz der Investoren derart aus, so dass sich Klubs ohne prominente Namen an der Spitze in den unteren Spielklassen und im Amateurfussball zunehmend schwertun, finanziell mitzuhalten.

Als Tom Brady im August 2023 bei Birmingham City startete, sei der Klub «für zehn Tage zum meistdiskutierten Fussballklub der Welt» geworden und habe 17 Milliarden positive öffentliche Aufrufe generiert, behauptete der Mehrheitsbesitzer Tom Wagner seinerzeit in einem offenen Brief. Ein ähnlicher Effekt ist auch beim Brentford FC zu beobachten. Der Klub ist auf einmal nicht mehr nur einer von sieben Premier-League-Vereinen aus London – sondern er ist der Klub von Claudia Schiffer.

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