Conference-League-Finale
Reif für einen Spitzenverein
27. Mai 2026, 14:12 Uhr

Oliver Glasner verlässt Crystal Palace nach zwei erfolgreichen Jahren und will zum Abschied den ersten internationalen Titel für den Verein gewinnen. Seine Arbeitsweise scheint besser zu Spitzenvereinen zu passen als für Projekte im Mittelmaß.
Die Trainerlaufbahn von Oliver Glasner ist nicht nur von Erfolgen, sondern ebenso von konfliktreichen Abschieden geprägt. Sowohl beim VfL Wolfsburg als auch bei Eintracht Frankfurt endete seine Tätigkeit vorzeitig. Nach jeweils zwei Jahren verließ er die Klubs, obwohl die Zusammenarbeit ursprünglich noch auf eine weitere Saison vorgesehen gewesen wäre.
In Wolfsburg führte der Oberösterreicher die Mannschaft zwischen 2019 und 2021 in die Champions League. Hinter den Kulissen kam es jedoch zu Differenzen mit Sportmanager Jörg Schmadtke, insbesondere im Hinblick auf die künftige Transferpolitik. Ähnlich verlief seine Zeit in Frankfurt: Dort gewann Glasner auf Anhieb die Europa League 2022 und erreichte ein Jahr später auch das Finale im DFB-Pokal. Dennoch verschlechterte sich das Verhältnis zur Klubspitze zunehmend, weil erneut unterschiedliche Vorstellungen über die strategische Entwicklung aufeinandertrafen. Dieses Muster hat sich nun bei Crystal Palace fortgesetzt – in nochmals verschärfter Form.
Seit seiner Amtsübernahme im Februar 2024 hat Glasner, 51, den vor 101 Jahren gegründeten Londoner Vorstadtverein erstmals zu Titeln geführt. Mit den Eagles gewann er am Ende der Vorsaison den FA Cup, zu Beginn dieser Spielzeit folgte der Community Shield, Englands Supercup. Am Mittwoch könnte sogar der erste internationale Triumph hinzukommen: Im Finale der Conference League trifft Crystal Palace in Leipzig auf Rayo Vallecano. Es wird Glasners letztes Spiel für die Londoner sein. Bereits im Herbst hatte er Chairman Steve Parish darüber informiert, seinen auslaufenden Vertrag nicht zu verlängern; Mitte Januar machte er die Entscheidung öffentlich.
Beim Abschied von den eigenen Fans im Selhurst Park am vergangenen Sonntag würdigte Parish Glasner „aus tiefstem Herzen“ in einer emotionalen Ansprache und überreichte ihm eine Miniatur der FA-Cup-Trophäe. Glasner habe eine unsichtbare Barriere durchbrochen und „allen hier einen der schönsten Tage geschenkt“, sagte der Mitbesitzer des Vereins. Daraufhin widersprach Glasner pointiert – und bezeichnend für die selten reibungslose Beziehung der beiden –, man müsse Parish „fast immer zustimmen“. Diesmal jedoch nicht. Anders als sein Vorgesetzter sei er überzeugt, das beste Erlebnis stehe erst noch bevor: ein möglicher Europapokalsieg.
Diese Aussage steht sinnbildlich für Glasner als Trainer: Ehrgeiz und Ungeduld sind seine größten Stärken, zugleich aber auch seine größten Schwächen. Er selbst beschreibt sich als „rastlos, fast getrieben“ und sagt: „Erfolg macht süchtig.“ Mit dieser kompromisslosen Haltung hat er das lange behäbig wirkende Crystal Palace aus seiner Komfortzone geholt. Der Klassenerhalt war seit dem Aufstieg 2013 stets das zentrale Ziel. Als Glasner kam, etablierte er ein neues Anspruchsdenken und untermauerte dies mit seiner Mannschaft auf dem Platz.
Immer wieder verließen Leistungsträger wie Eberechi Eze (FC Arsenal), Michael Olise (FC Bayern) oder zuletzt Kapitän Marc Guéhi (Manchester City) den Verein. Dennoch gelang es Glasner, die Abgänge zu kompensieren. Zwischenzeitlich blieben die Eagles saisonübergreifend 19 Pflichtspiele ungeschlagen – ein neuer Vereinsrekord. Nach 15 Spieltagen belegte Palace in der vergangenen Hinrunde Platz vier, die beste Zwischenplatzierung zu diesem Zeitpunkt in der eigenen Premier-League-Historie.
Allerdings machten sich mit dem Jahreswechsel Substanzverlust und Kräfteverschleiß bemerkbar. Palace blieb zwölf Pflichtspiele sieglos, darunter das blamable Aus im FA Cup als Titelverteidiger gegen einen Sechstligisten. Glasners Frust entlud sich schließlich in einer öffentlichen Schimpftirade an der eigenen Vereinsführung. Bislang habe er „stets den Mund gehalten“, sagte er, nun sein es an der Zeit, die Spieler zu schützen. Man werde „völlig im Stich gelassen“ und erhalten „keinen Rückhalt“, monierte er mit Blick auf das Transferverhalten.
Während die Einnahmen aus Spielerverkäufen laut Parish für die wirtschaftliche Stabilität notwendig sind, störte sich Glasner am Zeitpunkt der Wechsel kurz vor Transferschluss und am fehlenden gleichwertigen Ersatz. Trotz der vehementen Kritik hielt die Klubführung nach einem klärenden Gespräch an Glasner fest – auch, weil kurzfristig nahezu kein adäquater Nachfolger verfügbar gewesen wäre. Um die Wogen zu glätten, verpflichtete Palace noch Stürmer Jorgen Strand Larsen im Winter für die vereinsinterne Rekordsumme von 56 Millionen Euro. Vier der fünf teuersten Transfers fallen in Glasners Amtszeit. Der Verein reagierte damit auf die gestiegenen Erwartungen – doch die Vorstellungen blieben zu weit auseinander.
Zu seiner Zukunft hat sich Glasner bislang nicht konkret geäußert. „Ich lasse es auf mich zukommen“, sagt er. Klar ist jedoch: Glasner gehört zu den begehrtesten Trainern, die ab Sommer noch bei keinem Verein unter Vertrag stehen. Seine Arbeitsweise scheint weniger für Projekte im Mittelmaß als für ambitionierte Klubs geeignet zu sein. Diese dürften sich auch von Glasners Anspruchsdenken kaum abschrecken lassen. Die Station bei Crystal Palace hat bewiesen, dass Oliver Glasner reif für die Insel ist – und auch für einen Spitzenklub.
Erste Titelmesse im Kristallpalast
Crystal Palace schlägt Manchester City im FA-Cup-Finale - weil Trainer Oliver Glasner seinen Kollegen Pep Guardiola austrickst, dessen Wut sich am Ende in einem Disput mit dem gegnerischen Torwart entlädt. Für Palace ist es der erste Titel in 120 Jahren.
