Ausschluss aus Europa League

Europapokal ohne englischen Pokalsieger

12. Aug. 2025, 12:05 Uhr

Getrübte Freude: Zwar gewann Crystal Palace am Sonntag mit dem Supercup den zweiten Pokal in Serie, doch einen Tag später wurde die Klage des Klubs auf Teilnahme an der Europa League abgewiesen. (Foto: Graham Hunt / Imago Images)
Getrübte Freude: Zwar gewann Crystal Palace am Sonntag mit dem Supercup den zweiten Pokal in Serie, doch einen Tag später wurde die Klage des Klubs auf Teilnahme an der Europa League abgewiesen. (Foto: Graham Hunt / Imago Images)

Der Cas bestätigt den Ausschluss von Crystal Palace aus der Europa League wegen Missachtung der Multi-Club-Ownership-Regeln. In der Begründung heißt es, dass die Statuten „keine Flexibilität“ für Klubs bieten, die „zum Bewertungszeitpunkt“ nicht regelkonform sind. Palace ist trotzdem empört – nicht ganz zu Unrecht.

Von Sven Haist, London

Crystal Palace ist mit der Rolle des Außenseiters gut vertraut. Am Sonntag überraschte der Klub mit dem Sieg im englischen Supercup und hatte in der Vorsaison bereits mit dem FA-Cup-Gewinn für den ersten Titel in der 120-jährigen Historie gesorgt – dieser war zunächst gleichbedeutend mit der Qualifikation für die Europa League. Doch um wirklich erstmals international spielen zu dürfen, wäre ein weiterer Erfolg erforderlich gewesen: im Rechtsstreit mit dem europäischen Fußballverband Uefa.

Die Uefa hatte den Klub vor einem Monat wegen eines Verstoßes gegen die Multi-Club-Ownership-Regeln aus der Europa League geworfen. Diese Vorschriften dienen dem Schutz der sportlichen Integrität und sollen verhindern, dass eine Einzelperson oder juristische Einheit mehrere Klubs im gleichen Wettbewerb kontrolliert. Gegen dieses Urteil klagte Palace vor dem Internationalen Sportgerichtshof Cas – wurde aber am Montag endgültig sportrechtlich abgewiesen.

Der Cas stellt fest, dass John Textor Einfluss über zwei Vereine hatte

In einer Pressemitteilung bestätigte das Schiedsgericht den Ausschluss von Crystal Palace. Der Cas stellte fest, dass der US-Amerikaner John Textor zum Stichtag 1. März sowohl bei Crystal Palace als auch beim ebenso für die Europa League qualifizierten französischen Klub Olympique Lyon „entscheidenden Einfluss“ hatte. In einem solchen Fall erhält der Verein mit der besseren Ligaplatzierung das Startrecht – also Lyon. Zum relevanten Zeitpunkt besaß Textor über seine Eagle Football Holdings 43 Prozent der Anteile an Palace und nahezu vollständig Olympique Lyon. Angeblich sanktioniert die Uefa eine Beteiligung von mehr als 30 Prozent an einem weiteren Klub. Palace beteuerte, dass Textor trotz seiner Beteiligungen keinen tatsächlichen Einfluss auf die Klubpolitik hatte.

Diese Argumentation schien der einzige Ausweg zu sein, nachdem Textor es versäumt hatte, seine Anteile rechtzeitig in Treuhandstrukturen zu überführen. Offenbar hatte er nicht damit gerechnet, dass Palace den FA Cup gewinnen würde. „Oh verdammt, wir haben ein Problem“, habe er bei der Siegerehrung gedacht, räumte Textor später freimütig im Radiosender Talksport ein. Der Cas erklärte dazu vielsagend, dass die Statuten „keine Flexibilität“ für Klubs bieten, die „zum Bewertungszeitpunkt“ nicht regelkonform sind. Trotz des Versäumnisses hält Klubchef Steve Parish die Maßnahme für eine der „größten Ungerechtigkeiten“ im europäischen Fußball.

Zwar hat John Textor seine Anteile inzwischen verkauft, aber erst nach der Deadline

Seine Empörung ist nachvollziehbar, weil Palace inzwischen de facto kein Teil mehr eines vereinsübergreifenden Netzwerks ist. Kurz vor der Urteilsverkündung im Juli hatte Textor seine Anteile für rund 200 Millionen Euro an seinen Landsmann Woody Johnson verkauft, dem auch die New York Jets (American Football) gehören. Damit ging es im Rechtsstreit um ein Problem, das faktisch nicht mehr existiert. Die Uefa wollte vermutlich ein abschreckendes Signal senden, weil man seit Jahren Schwierigkeiten bei der Regulierung der Multi-Club-Ownership-Strukturen hat.

Statt Crystal Palace rückt nun Ligarivale Nottingham Forest nach. Der frei gewordene Startplatz für die Conference-League-Playoffs wird wiederum an Palace vergeben. Dem Klub entgehen dadurch zwar mindestens 20 Millionen Euro. Doch die Conference League könnte dem Team von Trainer Oliver Glasner auch eine reale Chance bieten – auf den ersten europäischen Titelgewinn.

Keep on reading

Am Ball bleiben