Europa-League-Verlierer SC Freiburg

Zehn Umarmungen vom Stolz entfernt

21. Mai 2026, 16:51 Uhr

Doppelt enttäuscht: Matthias Ginter verliert das Euro-Finale mit dem SC Freiburg und wird nicht für den deutschen WM-Kader nominiert. (Foto: Ulmer / Teamfoto / Imago Images)
Doppelt enttäuscht: Matthias Ginter verliert das Euro-Finale mit dem SC Freiburg und wird nicht für den deutschen WM-Kader nominiert. (Foto: Ulmer / Teamfoto / Imago Images)

Der SC Freiburg unterliegt im Euro-Finale Aston Villa 0:3. Die Enttäuschung befeuert die Ambition, schon im kommenden Jahr erneut ein internationales Endspiel zu erreichen. Verteidiger Matthias Ginter erfährt eine doppelte Enttäuschung.

Von Sven Haist, Istanbul

Nach dem verlorenen Europa-League-Finale wurde Christian Günter auf dem Pressepodium zum bestehenden Qualitätsunterschied zwischen seinem SC Freiburg und Aston Villa befragt – auf Englisch. Der Kapitän des SC Freiburg, der spät im Spiel eingewechselt worden war, wirkte zunächst überrascht, bat den Reporter um Wiederholung der Frage und formulierte seine Antwort anschließend auf Deutsch. Die Szene passte gewissermaßen zum Auftritt der Freiburger, die im Stadion von Besiktas Istanbul mit seiner markanten Hanglage über dem Bosporus das erste internationale Endspiel der Klubhistorie bestritten. Die Mannschaft von Trainer Julian Schuster bemühte sich, den Favoriten aus der Premier League herauszufordern, zeigte eine solide Leistung – doch neben den unstrittig geringeren individuellen Fähigkeiten fehlte es in erster Linie an Erfahrung.

              Die Unterlegenheit des SC Freiburg spiegelte sich im deutlichen Ergebnis – 0:3. Die Kräfteverhältnisse der beiden Teams wurden bereits in der ersten Halbzeit sichtbar, etwa beim einzigen Eckball des Sport-Clubs in der gesamten Partie – eigentlich eine Stärke. Mehrere gegnerische Spieler rückten unmittelbar vor der Ausführung weit nach vorn. Die Freiburger wurden auf dem falschen Fuß erwischt: Statt konsequent auf den eigenen Torerfolg zu gehen, zogen sich einige SC-Spieler vorsorglich zurück. Kurz darauf ging Aston Villa durch zwei fulminante Tore von Youri Tielemans (41. Minute) und Emiliano Buendia (45.+3) selbst in Führung, jeweils nach einer Ecke. Für die Entscheidung sorgte nach der Pause Morgan Rogers (58.).

              Für Villa, das sich bereits über die Liga für die Champions League in der nächsten Saison qualifiziert hat, ist es der erste internationale Titel seit dem Triumph im Europapokal der Landesmeister 1982; damals wurde im Finale auch ein deutscher Verein besiegt, der FC Bayern. Auf der Ehrentribüne wischte sich Villas prominentester Fan, Prinz William, vor Rührung Tränen aus den Augen. Mehr Routine hat Trainer Unai Emery, er gewann die Europa League am Mittwochabend bereits zum fünften Mal: mit dem FC Sevilla 2014, 2015, 2016, dem FC Villarreal 2021 und nun mit Villa. Kurios und in diesem Zusammenhang fast schicksalhaft wirkt, dass alle drei Klubs die Silbe „Villa“ im Namen tragen.

Gegen Emerys Selbstverständlichkeit konnte der SC Freiburg nichts ausrichten. Entsprechend groß war die Enttäuschung bei allen Beteiligten über das einseitige Spiel, das den Schmerz über die Niederlage beinahe überlagerte. Trainer Schuster sprach von „Trauer“, während Sportdirektor Klemens Hartenbach immerhin die Hoffnung formulierte, dieses Gefühl könnte sich vielleicht „nach zehn Umarmungen“ in Stolz verwandeln. „Wir haben verdient verloren“, konstatierte Matt­hias Ginter. Dem Favoriten aus der Premier League räumte er „fast schon Bayern-Niveau“ ein. Daran ließ sich erkennen, mit welchem Respekt man angetreten war. Der Verteidiger musste tags darauf den nächsten Rückschlag verkraften: Bundestrainer Julian Nagelsmann berief ihn nicht ins deutsche WM-Aufgebot.

Auf dem Niveau von Aston Villa konnte aus Freiburger Sicht lediglich phasenweise der Schweizer Nationalspieler Yohan Manzambi mithalten. Das Mittelfeldtalent agierte als offensiver Spielmacher und wurde später zurückgezogen, um aus der Tiefe das Spiel zu lenken. Immer wieder forderte er den Ball, aber er kam zu selten in aussichtsreiche Positionen. Seine auffälligste Aktion war ein Sololauf von der Mittellinie bis in den gegnerischen Strafraum, doch seine scharfe Hereingabe blieb ohne Abnehmer. Hinterher haderte er mit seiner Leistung; die Medaille hatte er bereits im Koffer verstaut. Zu einem möglichen Wechsel im Sommer äußerte der noch bis 2030 an die Freiburger gebundene 20-Jährige, er müsse nach der WM sehen, wie es weitergehe.

Das Finale weckte beim SC Freiburg zugleich die noch junge Ambition, erneut ein solches Endspiel zu erreichen. Für Freiburger Verhältnisse sprach Hartenbach fast schon offensiv davon, dass es „wirklich ein Ziel und eine naheliegende Motivation“ sein könne, in dasselbe Istanbuler Stadion zurückzukehren. Dort findet im Mai 2027 das Finale der Conference League statt. Für diesen Wettbewerb hat sich der Sport-Club durch Platz sieben in der Bundesliga qualifiziert. Das Duell mit Aston Villa könnte als Orientierung dienen. Hartenbach nannte es eine „Messlatte“ und empfahl den Spielern, die Partie noch einmal anzuschauen. Auch Schuster betonte, der Klub werde daraus lernen. So tat es bereits Christian Günter. Er unterbrach seine deutsche Antwort – und wiederholte sie auf Englisch.

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