FA-Cup-Finale

Finale verloren, Xabi Alonso gewonnen

18. Mai 2026, 01:43 Uhr

Chelseas João Pedro kommt im Zweikampf mit Gegenspieler Abdukodir Khusanov zu Fall und protestiert vergeblich auf Elfmeter. (Foto: David Rawcliffe / Ian Stephen Propaganda / Imago Images)
Chelseas João Pedro kommt im Zweikampf mit Gegenspieler Abdukodir Khusanov zu Fall und protestiert vergeblich auf Elfmeter. (Foto: David Rawcliffe / Ian Stephen Propaganda / Imago Images)

Der FC Chelsea verliert knapp das Finale um den FA Cup gegen Manchester City. Die Leistung des Teams zeigt dennoch, warum sich Xabi Alonso als neuer Trainer für den Klub entschieden hat.

Von Sven Haist, London

Die Suche nach einem neuen Trainer zählt beim FC Chelsea inzwischen fast schon zum Alltag. Seit der Übernahme des Klubs 2022 durch ein amerikanisches Investorenkonsortium um die einflussreichen Mitbesitzer Todd Boehly und Behdad Eghbali standen bereits sieben verschiedene Trainer an der Seitenlinie, interimistisch derzeit Calum McFarlane. Bei ihrer Auswahl setzten die neuen Eigentümer vor allem auf Coaches, die – mit Ausnahme von Mauricio Pochettino und Thomas Tuchel, der noch aus der Ära des früheren Besitzers Roman Abramowitsch stammte – nicht zur etablierten Elite gehörten. Nun aber vollzieht sich ein spektakulärer Kurswechsel: Der FC Chelsea verkündet die Verpflichtung von Xabi Alonso, 44, für die kommende Saison.

Der Baske wird Nachfolger des im April entlassenen Cheftrainers Liam Rosenior. Wie die The Athletic schon am Samstag berichtete, hatte Alonso seine Zusage für einen Vierjahresvertrag gegeben, nachdem er zu Beginn dieser Woche für Gespräche nach London gereist war. Eine offizielle Bestätigung des Klubs kam am Sonntag.

Die Personalie des früheren Meistertrainers von Bayer Leverkusen, der im Januar nach nur einer Halbserie bei Real Madrid entlassen wurde, ist die positivste Nachricht einer ansonsten enttäuschenden Saison für die Blues. Auch innerhalb des Teams wird Alonso auf Zustimmung stoßen. Es ist zu hören, dass viele Spieler sein Engagement begrüßen – und am Samstag betrieben sie durchaus Werbung in eigener Sache. Zwar verlor Chelsea das FA-Cup-Finale gegen Manchester City mit 0:1. Doch der Auftritt war engagiert und diszipliniert, besonders im Vergleich zu den zuletzt sieben sieglosen Premier-League-Partien, die sämtliche Hoffnungen auf die Champions League praktisch zerstörten. Den Siegtreffer für den Vorjahresfinalisten, der damals Überraschungssieger Crystal Palace unterlegen gewesen war, erzielte Winterzugang Antoine Semenyo per Hacke in der 71. Minute.

Für City war es der achte Cup-Sieg der Vereinsgeschichte, für Guardiola der 20. Titel in zehn Jahren in Manchester. „Ich mache verdammt viel Spaß“, scherzte Guardiola vor dem Finale. Sein Vertrag läuft noch ein Jahr. Ob er ihn definitiv erfüllt, ließ er angesichts der anhaltenden Rücktrittsgerüchte offen.

Fest steht dagegen, dass der bei Chelsea interimistisch eingesetzte Coach McFarland zum Saisonende aufhört. In den Verhandlungen mit dem äußerst begehrten Alonso drängte Chelsea auf eine schnelle Einigung. Der Klub wollte möglichen Konkurrenten zuvorkommen. Dafür scheint das Management sogar bereit zu sein, mit Grundsätzen zu brechen. Künftig sollen nicht mehr nur junge Spieler geholt, sondern auch die Fluktuation im Kader eingedämmt werden. Konkret dürfte das bedeuten, dass Alonso mehr Einfluss auf die Zusammenstellung des Teams erhält als seine Vorgänger.

Für Alonso liegt der Reiz der Aufgabe vermutlich im enormen Potenzial der Mannschaft. Der Gesamtwert der 54 Chelsea-Profis inklusive der verliehenen Spieler wird auf 1,73 Milliarden geschätzt – mehr als bei jedem anderen Verein. Nach Stationen in Deutschland und Spanien ist ein Engagement in England ein logischer nächster Schritt. Lange wirkte der FC Liverpool, für den Alonso einst selbst spielte, als vorstellbares Ziel. Allerdings dürften die Reds trotz einer schwierigen Saison, die sie gerade durchleben, an Trainer Arne Slot festhalten. Er sehe „keinen Grund“, warum er nicht bleiben sollte, sagte Slot.

Der Einstieg Alonsos gleicht für die Verantwortlichen des FC Chelsea einem echten Coup. Sie waren in den vergangenen Wochen stark unter Druck geraten – es gab deutliche Kritik aus der Mannschaft und von den Fans. Immer wieder kam es zu Protestkationen der eigenen Anhängerschaft gegenüber Boehly, Eghbali & Co. – auch vor dem Finale am Samstag im Wembley. Mit Xabi Alonso wird der FC Chelsea nun mehr denn je hoffen, die ständigen Trainerwechsel der jüngsten Vergangenheit hinter sich zu lassen. Unter den neuen Besitzern hielt sich kein Coach bislang länger als anderthalb Jahre.

Keep on reading

Am Ball bleiben