FC Chelsea holt Xabi Alonso
Xabi Alonso wird wie eine Trophäe präsentiert
17. Mai 2026, 23:57 Uhr

Als Reaktion auf die schlechte Saison und die FA-Cup-Finalniederlage gegen Manchester City präsentiert der FC Chelsea den neuen Trainer Xabi Alonso. Der Baske soll das Selbstverständnis des Klubs wiederherstellen – und erhält dafür besondere Zugeständnisse.
Als der FC Chelsea im jüngsten Premier-League-Heimspiel gegen Nottingham Forest die Mannschaftsaufstellungen veröffentlichte, unterlief dem Klub eine bemerkenswerte Peinlichkeit: Auf dem offiziellen Spielbogen fehlte der Name des eigenen Trainers. Hintergrund dürfte sein, dass der Engländer Calum McFarlane, der die Mannschaft bis Saisonende interimistisch betreut, nicht über die höchste Trainerlizenz verfügt, die für einen Chefposten in der Premier League vorgeschrieben ist. Treffender hätte die Symbolik kaum sein können: Chelseas Spieler wirkten zuletzt auf dem Platz so orientierungslos, als mangle es tatsächlich an sportlicher Führung von der Seitenlinie. Die Leerstelle wird von der neuen Spielzeit an wieder gefüllt sein – mit Xabi Alonso.
Auf dessen Verpflichtung dürften die neuen Klubbesitzer um Todd Boehly und Behdad Eghbali dermaßen stolz sein, dass der Verein seinen Namen künftig wahrscheinlich groß und fett schreiben wird. Am Sonntagvormittag stellte Chelsea den Basken auf der Internetseite des Klubs beinahe wie eine Trophäe vor. Die Verkündung der Personalie zu diesem Zeitpunkt, eine Woche vor Ende der laufenden Saison, erschien dabei wie eine unmittelbare Reaktion auf die Niederlage im FA-Cup-Finale am Samstag gegen Manchester City (0:1). Statt des verpassten Titels konnte der Verein seinen enttäuschten Fans so immerhin einen der begehrtesten Coaches präsentieren. Alonsos Reputation reicht eher an jene berühmten Trainerfiguren des Klubs wie José Mourinho, Carlo Ancelotti oder Thomas Tuchel heran als an die seiner vergleichsweise unbekannten Vorgänger Enzo Maresca und Liam Rosenior.
Im Kommuniqué des Klubs wurde Alonso, 44, mit drei Fotos und noch mehr warmen Worten in London begrüßt. Er gehöre zu den „angesehensten Persönlichkeiten im modernen Fußball“, pries Chelsea seinen neuen Coach. Zu sehen war der frühere Meistertrainer von Bayer Leverkusen unter anderem mit der Bundesliga-Schale sowie dem WM-Pokal, den er einst als Spieler gewann. Nach seinen zwei Jahren in Leverkusen war Alonso im Vorsommer zu Real Madrid gewechselt, wo er allerdings nach nur einer Halbserie entlassen wurde. Bei den Blues übernimmt er die Mannschaft offiziell zum 1. Juli und unterschreibt einen Vierjahresvertrag. Der FC Chelsea sei einer „der größten Klubs im Weltfußball“, die Aufgabe erfülle ihn „mit großem Stolz“, ließ sich Alonso zitieren.
Seine Worte dürften dem angeschlagenen Selbstverständnis Chelseas geschmeichelt haben, das als einziger Klub Europas sämtliche aktuellen nationalen und internationalen Wettbewerbe mindestens einmal gewonnen hat. Nach einer fulminanten Pleitenserie in der Premier League droht Chelsea nach zwei Trainerwechseln in diesem Jahr – nach Maresca an Neujahr musste Rosenior im April gehen – eine Saison ohne Europapokal. Entsprechend haben sich die Proteste der titelverwöhnten Anhängerschaft gegen die Besitzer zunehmend verschärft, die ihren Fokus vor allem auf die Verpflichtung junger Talente und deren Wertentwicklung gelegt haben. Zuletzt kritisierten selbst einige Spieler offen das Vorgehen ihrer Vorgesetzten und kokettierten mit einem Abschied.
Um nicht weiter an Ansehen zu verlieren, kündigte die Klubführung nach dem Rauswurf Roseniors einen „Prozess der Selbstreflexion“ an – und die Zusage Alonsos ist eine bemerkenswerte Erkenntnis daraus. Für diesen Coup servierten Boehly und Eghbali ihrem neuen Trainer gewissermaßen sportlich schmackhafte Pintxos, wie Häppchen im Baskenland genannt werden. Dazu gehört in erster Linie eine Anpassung der bisherigen Transferpolitik sowie mehr Mitspracherecht bei der Zusammenstellung des Kaders. Als erster Coach unter den aktuellen Eigentümern wird Alonso explizit als „Manager“ und nicht als „Head Coach“ ausgewiesen. Selbst Mauricio Pochettino hatte einst den niedrigeren Status akzeptieren müssen und verließ den Klub nach nur einem Jahr.
Während sich der Verein bei der Zielsetzung vage hält und lediglich davon spricht, „Erfolg an die Stamford Bridge zurückzubringen“, machte Alonso in seinen ersten Zitaten gleich mehrfach deutlich, wofür er nach London kommt: für Titel. Potenzial dafür sieht er offenbar sowohl im Team als auch im Klub. Trotz der enttäuschenden Bilanz seit dem Eigentümerwechsel im Mai 2022 verfügt Chelsea über zahlreiche junge Spitzenspieler. Der Gesamtwert der 54 Chelsea-Profis inklusive der verliehenen Akteure wird auf 1,73 Milliarden geschätzt – mehr als bei jedem anderen Verein.
Auch Alonso dürfte nach seinem Aus bei Real Madrid im Januar in sich gegangen sein. Seine Anstellung bei seinem früheren Klub als Spieler wirkte von Beginn an emotional überladen und mit kaum erfüllbaren Erwartungen verbunden. Die Struktur seiner neuen Mannschaft mit aufstrebenden und lernwilligen Spielern bildet praktisch den Gegenentwurf zum von Egos und Eitelkeiten geprägten Kader Reals. Alonsos Ausgangslage beim FC Chelsea ähnelt damit – auf noch höherem sportlichen Niveau – jener Situation, die er einst in Leverkusen vorfand.
Mit Blick auf die künftige Zusammenarbeit versicherte Xabi Alonso, dass er mit seinen neuen Chefs „die gleiche Vision“ verfolge. Bislang konnte sich noch kein Trainer in den komplizierten Machtverhältnissen unter Boehly, Eghbali & Co. länger als anderthalb Jahre im Amt halten. Doch nun stehen die Besitzer mehr denn je in der Pflicht: Ein weiteres leeres Feld neben der Bezeichnung „Manager“ kann sich der FC Chelsea auf absehbare Zeit kaum leisten.
"Xabi Alonso genießt Heldenstatus in Anfield"
Beim FC Liverpool reifte Xabi Alonso einst als Spieler zum Weltstar, nun kehrt er als Trainer von Bayer Leverkusen zurück an die alte Wirkungsstätte. Sein früherer Liverpool-Mitspieler Dietmar Hamann prophezeit ihm einen Empfang, wie ihn bisher nur wenige erhalten haben.
