Wetterbedingungen bei der Klub-WM

Brennende Zehennägel

12. Juli 2025, 18:42 Uhr

Um den Fußballern bei den klimatischen Herausforderungen während der Klub-WM entgegen zu kommen, gibt es regelmäßige Trinkpausen. (Foto: Scott W. Coleman / Imago Images)
Um den Fußballern bei den klimatischen Herausforderungen während der Klub-WM entgegen zu kommen, gibt es regelmäßige Trinkpausen. (Foto: Scott W. Coleman / Imago Images)

Hitze und Luftfeuchtigkeit machen den Fußballern an der Klub-WM zu schaffen. Zudem sorgen Gewitterstürme für lange Spielunterbrechungen. Die Erfahrungen dürften sich auf die WM 2026 auswirken.

Von Sven Haist, New York

Die Zeitverschiebung gehört zu den natürlichen Feinden globaler Sportveranstaltungen. Gegen sie kann selbst der allmächtige Weltfussballverband Fifa nichts ausrichten. Bei jeder WM stellt sich die Kardinalfrage: Nach welchem Kontinent sollen sich die Anstosszeiten ausrichten? Bei der zurzeit in den USA laufenden Klub-WM hat sich die Fifa vor allem am lukrativen europäischen Fernsehmarkt orientiert.

Dementsprechend finden nur 15 von 63 Turnierspielen zur Abendzeit vor Ort statt, während die Mehrzahl der Spiele mitten am Tag oder am Nachmittag angepfiffen wird. Sogar die beiden Halbfinals in New York beginnen werktags um 15 Uhr Ortszeit. Der Entscheid sorgt in Europa für Millionenquoten, weil viele Partien in der Primetime laufen. Doch in den USA führt diese Terminwahl zu allerlei unvorhergesehenen Herausforderungen. Und die müssen nicht die Verantwortlichen der Fifa, sondern die Spieler der teilnehmenden Mannschaften «ausschwitzen».

Partien verzögern sich um bis zu zwei Stunden

Wegen unvorhergesehener Wetterkapriolen mussten bereits Partien der Klub-WM an vier Tagen in Folge verschoben oder unterbrochen werden. Die Gesamtverzögerung betrug fünfeinhalb Stunden. Der grösste Verzug entfiel mit mehr als zwei Stunden und zehn Minuten auf das Spiel zwischen Benfica Lissabon und Auckland, das der Referee zur Halbzeit stoppte. Dies sei das längste Spiel seiner Karriere gewesen, kritisierte Benficas Trainer Bruno Lage. Salzburg – Pachuca (90 Minuten) und Palmeiras – al-Ahly (50 Minuten) mussten jeweils im Spiel unterbrochen werden. Und Mamelodi – Ulsan begann mit 65 Minuten Verspätung.

Für alle Spielpausen waren gefährliche Gewitterstürme verantwortlich, die sich aus der glühenden Hitze und der extremen Luftfeuchtigkeit speisten. Das Wetter an der Ostküste der USA entspricht in den Sommermonaten oft einem subtropischen Klima. Um die Sicherheit aller Beteiligten zu gewährleisten, besagt das Protokoll, dass ein Spiel sofort unterbunden wird, wenn sich ein Gewitter innerhalb von 10 Meilen (16,09 Kilometer) in Stadionnähe befindet.

Gewitterstürme sorgen für lange Unterbrechungen

Die Zuschauer werden dann über Lautsprecherdurchsagen und Videowandanzeigen aufgefordert, ihre Plätze zu verlassen und sich im Innenbereich zu schützen («When thunder roars, go indoors!»). Bisher schien das – abgesehen von der strapazierten Geduld der Fans – keine weiteren Komplikationen verursacht zu haben, weil die Arenen bei ebenjenen Spielen nur schwach ausgelastet waren. Nach dem letzten Blitz oder Donner tritt eine halbstündige Wartefrist in Kraft, bis der Match wiederaufgenommen werden kann.

Gegebenenfalls ist vor dem Restart eine erneute Aufwärmphase für beide Teams erforderlich. Die Pausen erschweren die Konzentration der Spieler und erhöhen das Risiko von Verletzungen. Besonders problematisch sind Unterbrechungen am letzten Vorrundenspieltag, da dann die Partien parallel ablaufen, um Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden. Derweil werden die unwetterbedingten Abkühlungen von den Spielern durchaus willkommen geheissen – weil fast alle Partien bei mehr als 30 Grad stattfinden. Berüchtigt sind vor allem Matches in Stadien ohne Dach – wie im Pasadena von Los Angeles, das den WM-Final 1994 beherbergte. Dort gibt es gerade untertags kaum ein Entkommen von der fast senkrechten Sonneneinstrahlung.

Zum Schutz der Spieler gibt es Trinkpausen

Atlético Madrids Marcos Llorente klagte nach dem Match gegen Paris Saint-Germain (0:4), es sei «unmöglich, in dieser Hitze zu spielen». Seine Zehen seien entzündet, und sogar seine Nägel hätten gebrannt, so dass er im Spiel weder habe antreten noch abbremsen können. In dieser Woche soll sogar eine möglicherweise lebensbedrohende Hitzewelle über die meisten Spielorte der USA hereinbrechen – mit Höchsttemperaturen von bis zu 40 Grad.

Zum Schutz der Spieler gibt es in beiden Halbzeiten minutenlange Trinkpausen, in denen auch Handtücher mit Eiswürfeln zur Kühlung gereicht werden. Die BVB-Einwechselspieler blieben unlängst zu Spielbeginn in den klimatisierten Katakomben und verfolgten dort auf TV-Monitoren das Geschehen. Erst später nahmen sie mit Sonnenschirmen auf der Ersatzbank Platz und machten sich für einen möglichen Einsatz bereit. Eine solche Massnahme ist im Profifussball eine absolute Seltenheit.

Trotz der Widrigkeiten ist das Spielniveau ansprechend

Trotz den Widrigkeiten ist das Spielniveau des Turniers ordentlich, ein Indiz für den guten physischen Zustand der Mannschaften. Die Fitness der Spieler ist längst zur Wissenschaft geworden, während im Bereich der Regeneration vermeintlich noch am meisten Potenzial zur Leistungssteigerung liegt. Um sich für die Fussball-WM 2026 zu wappnen, die erneut in die gleiche Zeitspanne in den USA, Kanada und Mexiko fällt, hat Englands Nationaltrainer Thomas Tuchel etwa neulich seine Spieler zu Trainingseinheiten in Zelten versammelt, um darin Hitze und Schwüle zu simulieren. Die dabei erhobenen Daten sollen künftig helfen, die Erholungszeiten der Spieler zu verbessern.

Englands Captain Harry Kane, der mit dem FC Bayern derzeit Eindrücke vor Ort sammelt, sieht die sonderbaren Bedingungen eher als Herausforderung denn als besorgniserregend. Es sei ein einmaliges Gefühl, wenn man «tropfnass und von Krämpfen geplagt» den Platz verlasse, sagte er nach dem Abendspiel gegen Boca Juniors in Miami (2:1).

Die Klub-WM gleicht einem Testlauf

Für alle Mitwirkenden, die nächstes Jahr wieder dabei sind, gleicht die Klub-WM einem Testlauf. Auch für den Veranstalter. Bis anhin hat die Fifa noch keine genauen Anstosszeiten für die WM 2026 bekanntgegeben. Es sieht so aus, als wolle der Weltverband die Eindrücke des Vereinsturniers abwarten – um dann zu entscheiden, ob man nicht mehr Rücksicht auf die Gegebenheiten vor Ort nimmt.

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