FC Arsenal gegen FC Bayern
Reif für den Titel
25. Nov. 2025, 17:41 Uhr

Der FC Arsenal dominiert die Premier League ebenso souverän wie Bayern München die Bundesliga. Nun kommt es zum Treffen in der Champions League – zwischen der stärksten Abwehr und dem stärksten Angriff in Europa.
Das Warten auf die Blütezeit des Arsenal Football Club wurde für die eigenen Anhänger zu einer Geduldsprobe, vergleichbar mit dem langsamen Reifen eines Olivenbaums auf dem Vereinsgelände. Dieser Baum dient Mikel Arteta gelegentlich als Symbol in Mannschaftssitzungen: Um die Wurzeln zu pflegen, müsse man sich täglich darum kümmern. Nur so könne man sicherstellen, dass sie nicht beschädigt werden und in vitalem Zustand bleiben, erklärte der Trainer. Die Symbolik des Olivenbaums passt zur kontinuierlichen Entwicklung unter Arteta – einer Entwicklung, die nun reif zu sein scheint für die Ernte.
Der FC Arsenal pflügt durch die bisherige Saison. Die Dominanz der Gunners in der Premier League lässt sich mit der von Bayern München in der Bundesliga vergleichen, dem kommenden Gegner in der Champions League am Mittwoch (21 Uhr). Beide Vereine führen ihre nationalen Ligen mit einem Vorsprung von sechs Punkten an und haben auch in der Königsklasse eine makellose Bilanz: vier Siege aus vier Spielen. Der markanteste Unterschied zwischen den formstärksten Teams Europas liegt jedoch in ihrer Ausrichtung: Während der FC Bayern mit 64 Toren in 18 Pflichtspielen die beste Offensive stellt, ist es der FC Arsenal, der mit lediglich sechs Gegentreffern in ebenso vielen Partien die beste Defensive aufweist – beides unübertroffene Werte im Spitzenfußball dieser Saison.
Seit seiner Übernahme im Dezember 2019 strebt Arteta, mittlerweile in seiner sechsten vollen Spielzeit bei Arsenal, erneut den Gewinn der Premier League an. Kein Erfolg wird derzeit mit mehr Nachdruck angestrebt – gerade, weil der historische Triumph der „Invincibles“ unter Arsène Wenger im Jahr 2004 fast schon als Fluch empfunden wird. Zwar kam Arsenal seither mehrmals in die Nähe der Meisterschaft, doch das Ziel verfehlte man stets zuverlässig. Besonders knapp war es in den letzten drei Saisons, als der Klub jeweils Zweiter wurde. Für das erklärte Ziel kaufte Arsenal, das dem US-amerikanischen Immobilien- und mittlerweile auch Sportmogul Stan Kroenke gehört, so kräftig ein wie nie zuvor. 300 Millionen Euro investierte der Verein in neue Spieler.
Damit stiegen die Transferausgaben unter Arteta auf mehr als eine Milliarde Euro; der Saldo liegt im tiefroten Bereich bei knapp 900 Millionen. Diese Finanzkraft speist sich vor allem aus der konstanten Teilnahme an der Champions League. Arsenal erwirtschaftet mehr Geld aus Ticketing als jeder andere Klub in England und zählt auch kommerziell zur Spitze. Ein wesentlicher Faktor ist, dass Kroenke die Restschulden für das 2006 eröffnete Stadion vor einigen Jahren umschichtete. Anstatt weiterhin zweistellige Millionenzinsen an externe Geldgeber zu zahlen, schuldet Arsenal nun Kroenke in Summe 375 Millionen Euro – zu deutlich günstigeren Konditionen.
Den gewonnenen Spielraum nutzte der Verein, um Arteta einen luxuriösen Kader zu stellen, der in der Breite wohl seinesgleichen sucht. Zwar verfügen Konkurrenten wie Liverpool womöglich über mehr ausgewiesene Weltklassespieler, aber keine Elf ist auf allen Positionen so tief besetzt wie Arsenal. Trotz zahlreicher Ausfälle von Stammspielern hat die Leistungsstärke nicht nachgelassen. Neben dem DFB-Nationalspieler Kai Havertz fehlen dem Verein derzeit auch Kapitän Martin Ödegaard, der für 65 Millionen von Sporting Lissabon gekommene Torjäger Viktor Gyökeres, Abwehrchef Gabriel Magalhães und der Stürmer Gabriel Jesus.
Der Fokus auf mannschaftliche Geschlossenheit zeigt sich besonders in zwei Bereichen: der Abwehrarbeit und den Standards. Beim 4:1 gegen Tottenham am Sonntag ließ Arsenal lediglich eine Torwahrscheinlichkeit von minimalen 0,07 zu – der Gegentreffer fiel durch einen Geniestreich aus mehr als 40 Metern. Und vorne entscheiden die über Jahre verfeinerten Ecken und Freistöße häufig enge Begegnungen: Die Hälfte der 24 Ligatore Arsenals entstanden aus Standards. Hinter diesen Erfolgen stehen die Strategien des in Berlin geborenen und in Frankreich aufgewachsenen Nicolas Jover, den Arteta als Standardspezialisten in sein Trainerteam holte.
Dennoch hat sich die Abhängigkeit von ruhenden Bällen zuletzt verringert. Das ist speziell Spielmacher Eberechi Eze zu verdanken, der mit seinen Ideen und seiner Torgefährlichkeit jederzeit in der Lage ist, Spiele zu entscheiden. Arteta beschreibt den Sommerzugang von Crystal Palace als jemanden, der eine besondere Aura, fast schon eine Magie, ausstrahlt – eine Qualität, die seiner Mannschaft zuvor gefehlt habe. All dies gilt es nun in Titel zu verwandeln, vorzugsweise in der Premier League oder Champions League. Letztere hat Arsenal bislang noch nie gewonnen.
