BVB-Gegner Tottenham Hotspur

Espresso aus dem Becher des Rivalen

22. Jan. 2026, 21:06 Uhr

Vor dem Ligaspiel in Bournemouth trinkt Thomas Frank seinen Espresso versehentlich aus dem Bescher von Tottenhams Erzrivalen Arsenal. (Foto: Hongbo Chen / Imago Images)
Vor dem Ligaspiel in Bournemouth trinkt Thomas Frank seinen Espresso versehentlich aus dem Bescher von Tottenhams Erzrivalen Arsenal. (Foto: Hongbo Chen / Imago Images)

BVB-Gegner Tottenham Hotspur steht in der Premier League nur auf Platz 14. Die Kritik der Fans richtet sich gegen Trainer Thomas Frank – der sich kürzlich einen kuriosen Fauxpas leistete. Über dessen Ablösung wird im Verein bereits diskutiert.

Von Sven Haist, London

Zu den festen Ritualen von Thomas Frank gehört ein Espresso vor dem Spiel. Bereits während seiner sieben Jahren als Trainer in Brentford pflegte er diese Gewohnheit und setzt sie nun seit dieser Saison bei Tottenham Hotspur fort. Auch vor dem jüngsten Auswärtsspiel in der Premier League in Bournemouth hielt Frank bei der Platzbesichtigung einen kleinen Pappbecher in der Hand – allerdings mit dem Wappen von Tottenhams Erzrivalen Arsenal. Die kuriose Szene, dass ein Tottenham-Trainer de facto aus einem Arsenal-Becher trinkt, erzürnte die Anhängerschaft der Spurs. Frank erklärte den Fauxpas später damit, das Logo nicht bemerkt zu haben, und versicherte, dies nicht bewusst getan zu haben. „Das wäre absolut dumm“, sagte er. Mutmaßlich stammten die Becher vom Arsenal-Match in Bournemouth vier Tage zuvor und wurden bei den Reinigungsarbeiten in der Auswärtskabine übersehen. Dennoch steht die Episode sinnbildlich für die zunehmend wackelnde Zusamme­narbeit zwischen Frank und Tottenham.

Nach der ernüchternden Heimniederlage gegen das abstiegsgefährdete West Ham am Samstag eskalierte die Unzufriedenheit in Tottenham. Frank wurde von den eigenen Fans mit Schmähgesängen und Pfiffen bedacht. Angeblich berief der Klub am Tag darauf eine Krisensitzung ein, in der kontrovers über die sofortige Ablösung des Dänen diskutiert wurde. Trotz der angespannten Stimmung und des negativen Trends erhält Frank, der am Montag das Training leitete, wohl eine weitere Bewährungschance – im richtungsweisenden Champions-League-Heimspiel gegen Borussia Dortmund am Dienstag (21 Uhr / Amazon Prime). Beide Mannschaften müssen gewinnen, um sich noch die direkte Qualifikation für das Achtelfinale sichern zu können.

Das Hauptproblem der Spurs ist die desolate Heimbilanz. Im Kalenderjahr 2025 kassierte der Verein saisonübergreifend elf Ligapleiten – so viele wie nie zuvor in der Klubgeschichte. Die Londoner sind aktuell das viertschlechteste Heimteam in Englands Oberhaus mit lediglich zwei Siegen in elf Spielen. In der Tabelle rutschte der traditionsreiche und ambitionierte Klub auf den 14. Platz ab. Franks Vorgänger Ange Postecoglou war am Ende der Vorsaison trotz eines Europa-League-Titels nicht weiterbeschäftigt worden. Das sportliche Abschneiden der beiden Trainer ist in der Liga zum jetzigen Zeitpunkt nahezu identisch – mit einem markanten Unterschied in der Spielweise: Während Postecoglou bedingungslos nach vorn spielen ließ, wirkt es unter Frank häufig, als hielte er seine Elf taktisch zurück.

Mit dem Trainerwechsel wollte Tottenham eigentlich ein ausgewogeneres Vorgehen auf dem Spielfeld etablieren. Frank hatte sich bei seiner beachtlichen Arbeit in Brentford den Ruf eines pragmatischen Coaches erworben, der großen Wert auf defensive Stabilität, Athletik und Standardsituationen legt. Dabei schien das Management der Spurs zu unterschätzen, dass Brentford fußballerisch einen altenglischen Stil mit vielen langen Pässen pflegte. Während diese Strategie dort funktionierte, sind die Ansprüche des Publikums in Tottenham ungleich höher – zumal der Klub den eigenen Kader im Sommer für ungefähr eine Viertelmilliarde Euro verstärkten, darunter der für 65 Millionen Euro von RB Leipzig verpflichtete Rekordtransfer Xavi Simons. Er ist einer von sechs Bundesliga-Legionären im Aufgebot der Spurs.

Anders als unter Postecoglou fällt es Franks Elf sichtbar schwer, ein Spiel zu gestalten. Dies zeigt sich besonders gegen kompakt verteidigende Konkurrenten. Die Einfallslosigkeit, die auch auf die Vorsicht des Trainers im Offensivspiel zurückzuführen sein dürfte, verunsichert die Mannschaft und die Fans im Stadion gleichermaßen. Darin liegt auch die Chance für den BVB – auch wenn Tottenham immerhin in der Champions League alle drei Heimspiele gegen weniger renommierte Gegner (Villarreal, Kopenhagen, Slavia Prag) gewann. Stellvertretend dafür steht Tottenhams Torschützenliste: Hinter dem verletzten Torjäger Richarlison (acht Treffer) sind der gegen den BVB gesperrte Innenverteidiger Micky van de Ven (sechs) und der ebenfalls angeschlagene Mittelfeldabräumer João Palhinha, der vom FC Bayern ausgeliehen ist, die besten Torschützen.

Für Frank gilt es, das vorhandene Offensivpotenzial mit Spielern wie Randal Kolo Muani, Mohammed Kudus, Mathys Tel oder Simons auf den Platz zu bringen. Als Nachfolger des sehr von sich überzeugten Postecoglou tritt Frank deutlich verbindlicher auf sucht eher das Verständnis als die Konfrontation – wie auch in der Kommunikation nach dem Vorfall mit dem Arsenal-Becher zu beobachten war. Letztlich landete der Becher im Müll.

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