Bayer Leverkusen überrascht in Manchester
Benzin für die eigene Entwicklung
03. Dez. 2025, 18:17 Uhr

Bayer Leverkusen nutzt die Rotation von Manchester City eiskalt aus und gewinnt 2:0. Der Erfolg dürfte dem jungen Team helfen, aus dem gewaltigen Schatten der Vorgänger zu treten.
Womöglich hat auch Borussia Dortmund einen kleinen Anteil am Überraschungserfolg von Bayer Leverkusen in der Champions League am Dienstagabend. Vor drei Wochen war der BVB nach einem wenig mutigen Auftritt deutlich bei Manchester City untergegangen. Der Klassenunterschied dürfte Pep Guardiola dazu veranlasst haben, im nächsten Duell mit einem Bundesliga-Vertreter seine Stammspieler zu schonen. Gegen Leverkusen rotierte der Trainer seine Startelf im Vergleich zum jüngsten Ligaspiel auf gleich zehn Positionen – von Torwart Gianluigi Donnarumma bis Stürmer Erling Haaland; einzig Mittelfeldspieler Nico González behielt seinen Platz in der Anfangsformation. Alles deutete darauf hin, dass Guardiola die Aufgabe unterschätzt hatte – und genau das nutzte Leverkusen eiskalt aus.
Mit 2:0 (1:0) setzte sich die Werkself in Manchester durch – einer der erstaunlichsten Königsklassensiege des Vereins seit langer Zeit. Dank des zweiten Auswärtssiegs in Serie steht die Mannschaft von Kasper Hjulmand nun mit acht Punkten dicht vor dem Einzug in die K.-o.-Phase. Schon ein weiterer Erfolg aus den verbleibenden Partien gegen Newcastle, Piräus und Villarreal dürfte genügen, um die Playoffs im Februar für den erneuten Einzug ins Achtelfinale zu erreichen. Obschon Guardiola später einräumte, vermutlich „zu viele“ Wechsel vorgenommen zu haben, zeigte Leverkusen eine bemerkenswerte Auswärtsleistung. Die Gäste erkämpften sich die drei Punkte nicht nur – sie erspielten sie sich auch. „Was für eine Darbietung!“, sagte Hjulmand anerkennend über seine Mannschaft.
Beide Tore – durch Kapitän Alejandro Grimaldo (23. Minute) und Patrik Schick (54.) – entstanden aus sehenswerten Angriffen, die jeweils am eigenen Strafraum begannen. Mit einer Mischung aus kurzen und langen Pässen sowie gezielten Spielverlagerungen arbeitete sich Leverkusen gekonnt nach vorne. Die Kombinationen wirkten fast wie eine Reminiszenz an Guardiolas Mannschaft, die sonst ihre Treffer auf ähnliche Weise erzielt. Die Szenen spiegelten die Fähigkeiten und den Spirit der jungen Mannschaft wider. Dass Leverkusen insgesamt elf gestandene Spieler verletzungsbedingt fehlten und der Kader daher mit sechs Spieler U-19-Junioren aufgefüllt werden musste, merkte man dem Auftritt nicht an. Innenverteidiger Jarell Quansah betonte zu Recht, dass jeder Spieler seinen Beitrag geleistet habe. Das eigene Spiel sei insgesamt von „Leidenschaft, Kampfgeist und Biss“ geprägt gewesen, sagte er.
Quansah, 22, steht fast sinnbildlich für diese Mannschaft. Nachdem er sich beim FC Liverpool nicht dauerhaft gegen die starke Konkurrenz durchsetzen konnte, will er sich jetzt in Leverkusen auf internationalem Niveau weiterentwickeln. Er zählt zu den wertvollsten Spielern im Kader und verkörpert das Potenzial der Truppe. Trotz des anhaltenden Dauerdrucks von City nach dem Rückstand – unter anderem durch die Einwechslung von Haaland, Foden und Doku früh in der zweiten Halbzeit – bewahrte die Leverkusener Abwehr Ruhe und Konzentration. Immer wieder gelang es ihr, gestaffelt im eigenen Strafraum zu agieren und Torschüsse zu blocken. Zwar musste Torwart Mark Flekken einige Male glänzend parieren, doch die klaren Chancen für den englischen Serienmeister blieben im Vergleich zu üblichen Heimspielen überschaubar.
Die Eindrücke aus Manchester dürften der jungen Mannschaft und ihrem Trainer helfen, weiter zusammenzuwachsen: Sie seien „Benzin für die eigene Entwicklung“, sagt Hjulmand. In gewisser Weise sind Quansah & Co. durch den Sieg ein Stück weit aus dem gewaltigen Schatten der vorherigen Meistermannschaft getreten. Es zeichnet sich ab, dass diese Spieler die erfolgreichen Zeiten des Vereins fortsetzen könnten. Dank vier Pflichtspielsiegen in Folge hat sich die Werkself nach dem schwierigen Saisonstart inklusive Trainerwechselt eine solide Ausgangslage geschaffen. Neben spielerischer Qualität imponieren vor allem Wille und Erfolgsdrang – grundlegende Voraussetzungen für eine positive Entwicklung.
Hjulmand hob ausdrücklich den Charakter seiner Mannschaft hervor und lobte, er sei „sehr stolz“ auf sie. Mit seiner ruhigen Art, selbst nach diesem außergewöhnlichen Spiel, bildete er einen hilfreichen Gegenpol zu den euphorisierten Spielern. Quansah sprach von einem „unglaublichen Gefühl“ und davon, dass die Partie für viele seiner Mitspieler das wohl bisher wichtigste Spiel ihrer Karrieren gewesen sei. Für Bayer geht es nun darum, das eigene Level zu bestätigen – in den anstehenden Duellen gegen Borussia Dortmund in der Liga und im Pokal sowie im Heimspiel gegen Newcastle. Denn unterschätzen wird diese Mannschaft nun niemand mehr.

