Englische Klubs in der Champions League
Premier League dominiert Champions League
28. Jan. 2026, 18:03 Uhr

Fünf Klubs der Premier League stehen unter den besten acht Mannschaften der Champions-League-Vorrunde. Das hat nicht nur mit der Finanzkraft der Engländer zu tun – sondern auch mit einem kollektiven Einbruch vor zwei Jahren.
Zu den hartnäckigen Klischees des europäischen Fussballs zählt die Annahme, dass englische Klubs im Frühjahr besonders verwundbar seien. Als Begründung werden dann die fehlende Winterpause auf der Insel und die traditionell hohe Zahl an Pflichtspielen angeführt.
Demnach gehe den Teams aus der Premier League in der zweiten Saisonhälfte häufiger die Kraft aus als den Konkurrenten vom europäischen Festland. Noch vor vielen Jahren sei die Intensität der Liga für die englischen Klubs im Europacup ein Wettbewerbsnachteil gewesen, sagte der heutige englische Nationaltrainer Thomas Tuchel im Mai 2019, als er bei Paris Saint-Germain angestellt war; die Teams hätten «oft müde» gewirkt. Mittlerweile aber hätten die Vereine «ihre Lehren daraus gezogen», erklärte Tuchel damals: «Die Liga wird stärker und stärker.»
Besonders deutlich zeigt sich das in dieser Saison: Die englischen Klubs dominieren bis jetzt die internationalen Wettbewerbe und erwecken mit ihrer bisweilen erdrückenden Überlegenheit den Eindruck, als nähmen fast ausschliesslich Mannschaften von der Insel teil.
Vor dem letzten Spieltag der Ligaphase in der Champions League stehen fünf der sechs englischen Vertreter – Arsenal, Liverpool, Tottenham, Newcastle und Chelsea – unter den besten acht Teams der Tabelle und wären nach aktuellem Stand direkt für die Achtelfinals qualifiziert. Lediglich Manchester City auf Platz elf müsste im Februar den Umweg über die Play-offs antreten. Zudem haben Aston Villa und Nottingham in der Europa League sowie Crystal Palace in der Conference League die K.-o.-Phase erreicht.
In der Jahreswertung des europäischen Fussballverbands (Uefa) liegt England bereits mit klarem Vorsprung an der Spitze und könnte sich dank dem starken Abschneiden der Klubs erneut einen zusätzlichen, fünften Startplatz für die kommende Champions-League-Saison sichern.
Die englische Dominanz hat ihren Ursprung im Trainerduell zwischen Josep Guardiola und Jürgen Klopp, die vor gut einem Jahrzehnt ins Mutterland des Fussballs wechselten. Mit ihren Vereinen – Guardiola bei Manchester City, Klopp bis zu seinem Rücktritt vor anderthalb Jahren in Liverpool – setzten sie sich von der nationalen Konkurrenz ab. Mitunter deklassierten sie ihre Rivalen, etwa in der historischen Spielzeit 2018/19, als die «Citizens» mit sagenhaften 98 Punkten den Titel gewannen, einen Zähler vor den «Reds».
Um den Rückstand aufzuholen, fingen die anderen englischen Klubs an, massiv aufzurüsten. Mit klugen Konzepten und gezielten Spielertransfers schlossen die Verfolger allmählich auf. Begünstigt wurde diese Entwicklung durch die im Vergleich zu anderen europäischen Spitzenligen herausragende Finanzkraft der Engländer – gespeist sowohl aus den Zuwendungen milliardenschwerer Eigentümer als auch aus den exorbitanten TV-Erlösen der Premier League und ihrer globalen Strahlkraft. Laut dem Finanzbericht «Money League 2026» der Beratungsfirma Deloitte befinden sich derzeit 15 Premier-League-Klubs unter den 30 umsatzstärksten Fussballklubs der Welt.
Das hat jüngst dazu geführt, dass innerhalb der Premier League ein enormer Binnendruck entstanden ist, der sich in kontinuierlichen Innovationen und stetigem Wachstum ausdrückt. Es ist ein ausgeglichener Wettbewerb auf sehr hohem Niveau entstanden – momentan führt Arsenal die Tabelle der Premier League mit dem zweitniedrigsten Punktewert seit dem letzten Meistertitel des Klubs im Jahr 2004 an. Die Attraktivität der Liga hilft, die europäische Konkurrenz durch das Abwerben der besten Spieler weiter zu schwächen und die eigene Qualität zu stärken.
Der Nachteil des hochtourigen Ligabetriebs, in dem selbst Top-Teams gegen schwächere Gegner keine Spieler schonen können, ist zweifellos der Kräfteverschleiss. Im besonders engen Titel-Dreikampf 2024 brachen die Vereine im Europacup, gemäss dem Klischee, tatsächlich gegen Saisonende ein: Alle Klubs von der Insel schieden in der Champions League bereits im Viertelfinal aus.
Aber auch für diese konkrete Situation scheinen die Engländer eine Lösung gefunden zu haben – indem sie ihre in der Spitze ohnehin hohen Ansprüchen genügenden Kader auch in der Breite nochmals signifikant vergrösserten. So beschäftigen neuerdings fast alle international spielenden Premier-League-Klubs auf jeder Position zwei oder drei etablierte Spieler. Dazu kommt, dass die robusten Kader der Spitzenteams so zusammengestellt sind, dass die meisten Akteure bei Bedarf mehrere Positionen abdecken können.
In der vergangenen Saison gewann Chelsea die Conference League nahezu mühelos – und trat bis auf den Final regelmässig mit einer B-Elf an. Dieser Trend hält an: Während die Konkurrenten aus Kontinentaleuropa in der Liga gelegentlich ihre besten Spieler für die Champions League schonen, ist es bei den Premier-League-Klubs bis zu den entscheidenden Runden eher umgekehrt: Sie können internationale Partien bisweilen auch ohne ihre stärksten Spieler souverän absolvieren, die sie für den Ligabetrieb benötigen.
Sollten die englischen Vereine ihre bisherigen Leistungen in der Champions League in dieser Woche bestätigen, könnte sich die Lage für das Frühjahr sogar drehen: Ohne zusätzliche Play-offs hätten die Engländer die Möglichkeit, Kräfte zu sparen.

