Galatasaray schlägt Liverpool

Europäische Renaissance zum 120. Jubiläum

01. Okt. 2025, 14:10 Uhr

Nach dem Sieg gegen Liverpool herrschte bei Galatasaray eine Ausgelassenheit, die selbst für Istanbuler Verhältnisse selten war. (Foto: Seskim Photo / Imago Images)
Nach dem Sieg gegen Liverpool herrschte bei Galatasaray eine Ausgelassenheit, die selbst für Istanbuler Verhältnisse selten war. (Foto: Seskim Photo / Imago Images)

Galatasaray meldet sich eindrucksvoll auf europäischer Bühne mit einem Sieg gegen den FC Liverpool zurück. Die Engländer unterschätzen den türkischen Meister und die frenetische Kulisse in Istanbul. Die Party nach dem Spiel rührt Ilkay Gündogan.

Von Sven Haist, London

Wäre es nicht bekannt, dass Istanbul eine Weltmetropole voller magischer Einmaligkeiten ist, man hätte das Geschehen im Ali-Sami-Yen-Stadion in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch für kaum möglich gehalten: Das 1:0 von Galatasaray gegen den FC Liverpool, der Schlusspfiff Punkt Mitternacht Ortszeit – und all das am 120. Jubiläumstag des türkischen Serienmeisters. Viele Heimfans zückten ihre Mobiltelefone und filmten die Atmosphäre im Stadion – in dem Bewusstsein, dass ein solches Schauspiel selbst für Istanbuler Verhältnisse selten war.

Arm in Arm standen die Spieler von Galatasaray nach einem der größten internationalen Abende der Klubgeschichte vor der Fankurve und wippten zu den Gesängen der fast vollständig auf den Tribünen verbliebenen Anhänger. Die Ausgelassenheit erweckte den Eindruck, als hätte „Gala“ bereits den Henkelpokal gewonnen, der in acht Monaten in Budapest vergeben wird. Anschließend setzte sich der Jubel weniger choreografiert fort: auf dem Rasen, wo die Spieler wild durcheinander hüpften, ebenso wie in der Innenstadt und in den Wohnzimmern der Fans.

Mit dem Sieg über den sechsmaligen Königsklassentriumphator Liverpool beschenkte die Mannschaft von Trainer Okan Buruk den Verein mit einer Renaissance auf europäischer Bühne. „Glauben Sie es oder nicht: Man spürt es hier. Man kann es wirklich fühlen. Dieser Klub ist etwas Besonderes“, sagte İlkay Gündoğan gerührt nach dem Match. Der frühere deutsche Nationalspieler war von Manchester City zu Galatasaray gewechselt, für das er bereits als Kind schwärmte. Er kam – wie einige andere prominente Spieler, darunter der Ex-FC-Bayern-Profi Leroy Sané und der nach seiner Leihe fest geholte Torjäger Victor Osimhen von der SSC Neapel – auch wegen der Verheißung derartiger rauschender Erlebnisse. Dafür investierte der Klub insgesamt die unerhörte Summe von 150 Millionen Euro für neue Spieler.

„Wir träumen von der Champions League“, hatte Buruk kürzlich betont. Der Coach war als Spieler selbst Teil jener Equipe, die vor einem Vierteljahrhundert die bislang einzigen Europapokaltitel des Klubs gewann: den Uefa-Cup (die heutige Europa League) und den Supercup. Seitdem erreichte der Klub höchstens zweimal das Viertelfinale der Champions League. Zuletzt überstand man die Vorrunde des Wettbewerbs vor zwölf Jahren. Ein frühes Aus drohte auch in dieser Saison, nachdem Galatasaray zum Auftakt eine schmachvolle Pleite bei Eintracht Frankfurt (1:5) hinnehmen musste. Doch rückblickend könnte sich eben jene Pleite als entscheidender Siegesfaktor gegen Liverpool erwiesen haben.

Slot schont Salah – und das löst eine Kettenreaktion aus

Denn die Engländer schienen die Herausforderung Galatasaray deutlich unterschätzt zu haben. Liverpools Trainer Arne Slot schonte – als Reaktion auf die jüngste Niederlage in der Premier League und im Hinblick auf das schwere Auswärtsspiel am Samstag beim FC Chelsea – überraschend Mohamed Salah. Dessen Fehlen in der Startelf löste eine personelle Kettenreaktion aus, die das Team sichtlich verunsicherte. Für Salah rückte Rechtsverteidiger Jeremie Frimpong auf die Flügelstürmerposition, Dominik Szoboszlai wurde aus dem Mittelfeld zurückgezogen. Ihn wiederum vertrat der bisher kaum eingesetzte Curtis Jones. Bereits in der zweiten Minute verlor Szoboszlai, der später wieder ins Zentrum wechselte, ein Laufduell gegen den durchbrechenden Baris Yilmaz. Diese Szene blieb noch folgenlos, doch bei der nächsten Begegnung mit Yilmaz verursachte Szoboszlai einen Elfmeter – durch einen regelwidrigen Wischer ins Gesicht. Den fälligen Strafstoß verwandelte Osimhen in der 16. Minute eiskalt in die Mitte.

Von da an rannte Liverpool gegen ein zunehmend tief verteidigendes Galatasaray an. Zu einer besseren Gelegenheit als unmittelbar vor dem Gegentor, als zunächst Torwart Ugurcan Cakir gegen Hugo Ekitiké rettete und dann der frühere Kölner Ismail Jakobs den Abpraller von Cody Gakpo auf der Linie klärte, kam der Favorit allerdings nicht. Von Florian Wirtz, der erstmals über die volle Distanz spielte, war beinahe so wenig zu sehen wie von Sané auf der Gegenseite. Der Flügelspieler wurde gar nicht eingesetzt. Trotz schwindender Kräfte hielt Galatasarays Abwehr dem Dauerdruck stand, das frenetisch anfeuernde Publikum trieb die Spieler ins Ziel. In der Schlussphase ließen sich die Spieler bei fast jeder Gelegenheit behandeln, weil sie körperlich am Limit waren. Die internationale Intensität ist Galatasaray aus der Süper Lig, die man mit sieben Siegen aus sieben Spielen (Torverhältnis 19:2) erneut dominiert, nicht gewohnt.

Eng wurde es lediglich kurz vor Ablauf der regulären Spielzeit, als Referee Clement Turpin nach einem Zweikampf unerwartet auf Elfmeter für Liverpool entschied. Nach Sichtung der Videobilder nahm er diesen jedoch wieder zurück. Diese Unterbrechung sorgte für die Nachspielzeit von acht Minuten – und den Schlusspfiff um Mitternacht, den Beginn einer großen Party.

Wäre es nicht längst bekannt, dass Istanbul eine Weltmetropole voller magischer Einmaligkeiten ist, man hätte das Geschehen im Ali-Sami-Yen-Stadion des Galatasaray Spor Kulübü in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch für kaum möglich gehalten: das 1:0 von Galatasaray gegen den FC Liverpool, der Schlusspfiff Punkt Mitternacht Ortszeit – und all das am 120. Jubiläumstag des türkischen Serienmeisters. Viele Heimfans zückten ihre Mobiltelefone und filmten die Atmosphäre im Stadion – in dem Bewusstsein, dass sich ein solches Schauspiel selbst in Istanbul wohl allenfalls nur alle 120 Jahre vollzieht.

Arm in Arm standen die Spieler von Galatasaray nach einem der größten internationalen Abende der Klubgeschichte vor der Fankurve und wippten zu den Gesängen der fast vollständig auf den Tribünen verbleibenden Anhänger. Die Ausgelassenheit erweckte den Eindruck, als hätte „Gala“ erstmals überhaupt den Henkelpokal gewonnen, der in acht Monaten in Budapest vergeben wird. Anschließend setzte sich der Jubel weniger choreografiert fort: auf dem Rasen, wo die Spieler wild durcheinander hüpften, ebenso wie in der Innenstadt und in den Wohnzimmern der Fans.

Mit dem Sieg über den sechsmaligen Königsklassentriumphator Liverpool beschenkte die Mannschaft von Trainer Okan Buruk ihren Verein zum Jubiläum mit der Renaissance auf europäischer Bühne. „Glauben Sie es oder nicht: ;(M)an spürt es hier. Man kann es wirklich fühlen. Dieser Klub ist etwas Besonderes“, sagte Ilkay Gündogan gerührt nach dem Match. Der frühere deutsche Nationalspieler war von Manchester City zu Galatasaray gewechselt, für das er bereits als Kind schwärmte. Er kam – wie einige andere prominente Spieler, darunter der Ex-FC-Bayern-Profi Leroy Sané und der nach seiner Leihe fest geholte Torjäger Victor Osimhen von der SSC Neapel – wegen der Verheißung derartiger rauschender Erlebnisse. Dafür investierte der Klub insgesamt die für türkische Verhältnisse beinahe unerhörte(n) Summe von 150 Millionen Euro für neue Spieler.

„Wir träumen von der Champions League“, hatte Buruk kürzlich betont. Der Coach war als Spieler selbst Teil jener Equipe, die vor einem Vierteljahrhundert die bislang einzigen Europapokaltitel des Klubs gewann: den Uefa-Cup (heutige Europa League) und den Supercup. Seitdem erreichte der alte Leidenschaftsverein höchstens zweimal das Viertelfinale der Champions League. Zuletzt überstand man die Vorrunde des Wettbewerbs vor zwölf Jahren. Ein frühes Aus drohte auch in dieser Saison, nachdem Galatasaray zum Auftakt eine schmachvolle Pleite bei Eintracht Frankfurt (1:5) hinnehmen musste. Doch rückblickend könnte sich eben jene Pleite als entscheidender Siegesfaktor gegen Liverpool erwiesen haben.

Denn die Engländer schienen die Herausforderung Galatasaray deutlich unterschätzt zu haben. Liverpools Trainer Arne Slot schonte – als Reaktion auf die jüngste Niederlage in der Premier League und im Hinblick auf das schwere Auswärtsspiel am Samstag beim FC Chelsea – überraschend Mohamed Salah. Dessen Fehlen in der Startelf löste eine personelle Kettenreaktion aus, die das Team sichtlich verunsicherte. Für Salah rückte Rechtsverteidiger Jeremie Frimpong auf die Flügelstürmerposition, Dominik Szoboszlai wurde aus dem Mittelfeld zurückgezogen. Ihn wiederum vertrat der bisher kaum eingesetzte Curtis Jones. Bereits in der zweiten Minute verlor Szoboszlai, der später wieder ins Zentrum wechselte, ein Laufduell gegen den durchbrechenden Baris Yilmaz. Diese Szene blieb noch folgenlos, doch bei der nächsten Begegnung mit Yilmaz verursachte Szoboszlai einen Elfmeter – durch einen regelwidrigen Wischer ins Gesicht. Den fälligen Strafstoß verwandelte Osimhen in der 16. Minute eiskalt in die Mitte.

Von da an rannte Liverpool gegen ein zunehmend tief verteidigende Galatasaray an. Zu einer besseren Gelegenheit als unmittelbar vor dem Gegentor, (Komma statt Bindestrich) als zunächst Torwart Ugurcan Cakir gegen Hugo Ekitiké rettete und dann Ismail Jakobs den Abpraller von Cody Gakpo auf der Linie klärte kam der Favorit allerdings nicht. Von Florian Wirtz, der erstmals über die volle Distanz spielte, war ebenso wenig zu sehen wie von Sané auf der Gegenseite, der auch ergebnisbedingt gar nicht eingesetzt (eingewechselt) wurde. Trotz schwindender Kräfte hielt Galatasarays Abwehr dem Dauerdruck stand. Das frenetische Publikum trieb die Spieler ins Ziel. In der Schlussphase ließen sie sich bei fast jeder Gelegenheit behandeln – (Bindestrich statt Komma) nicht um Zeit zu schinden, sondern weil sie körperlich am Limit waren. Die internationale Intensität ist Galatasaray aus der Süper Lig, die man mit sieben Siege aus sieben Spielen (Torverhältnis 19:2) erneut klar (bitte rausnehmen) dominiert, nicht gewohnt.

Eng wurde es lediglich kurz vor Ablauf der regulären Spielzeit, als Referee Clement Turpin nach einem Zweikampf unerwartet auf Elfmeter für Liverpool entschied. Nach Sichtung der Videobilder nahm er diesen jedoch wieder zurück. Diese Unterbrechung sorgte für die Nachspielzeit von acht Minuten. Genau so lange dauerte es noch, bis das Spiel in das Jubiläum von Galatasaray hineinging.

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