Ilkay Gündogan zu Galatasaray Istanbul
„Gala“ in Istanbul statt Gala in Düsseldorf
05. Sep. 2025, 15:16 Uhr

Auch Ilkay Gündogan fällt wie einige andere alten Helden dem Generationswechsel bei Manchester City zum Opfer. Er wechselt kurz vor Transferfrist zu Galatasaray Istanbul. Für den früheren DFB-Kapitän schließt sich so ein Kreis.
Am Dienstag war eine Auszeichnung für Ilkay Gündogan in Düsseldorf geplant gewesen. Der frühere Kapitän der deutschen Nationalmannschaft sollte von Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst die Mevlüde-Genç-Medaille erhalten, die an Persönlichkeiten verliehen wird, die sich für Verständigung und Toleranz einsetzen. Die Terminierung erfolgte unter Berücksichtigung des Fußballkalenders, der nach dem Saisonstart der europäischen Ligen in dieser Woche eine Pause zugunsten der Nationalmannschaften vorsieht. Weil Gündogan seine Laufbahn in der DFB-Elf nach der Heim-EM 2024 beendet hat, war der Zeitpunkt der Ehrung also prinzipiell geschickt gewählt. Trotzdem musste Gündogan kurzfristig absagen – weil der 34-Jährige spontan von Manchester City zum Champions-League-Teilnehmer Galatasaray Istanbul wechselte.
Im Gegensatz zu den meisten Transfers beruhten die Komplikationen bei diesem Deal nicht auf Ablöse, Gehalt und/oder Laufzeit des neuen Vertrags. Stattdessen lag die Herausforderung hier in der zeitlichen Abwicklung. Zwar ist das Wechselfenster in der Türkei bis zum 12. September geöffnet, sodass türkische Klubs bis dahin neue Spieler registrieren können – anders als in den meisten anderen Ländern, wo die Sommertransferphase bereits endete. Allerdings setzt der europäische Verband Uefa allen Europapokalteilnehmern eine Frist zur Nominierung ihrer Kader für die entsprechenden internationalen Wettbewerbe. Und diese lief für die Champions League in der Nacht zum Mittwoch aus.
In dieser Saison kam Ilkay Gündogan in keinem Spiel für Manchester City zum Einsatz
Daher flog Ilkay Gündogan am Dienstag vom Manchester Airport aus nicht zur Gala nach Düsseldorf, sondern zu „Gala“ nach Istanbul, wie der türkische Rekordmeister von seinen Fans genannt wird. Dort absolvierte er den obligatorischen Sportgesundheitstest, bevor er dann – rechtzeitig! – einen Vertrag über zwei Jahre unterzeichnete. Der Wechsel hatte sich im August abgezeichnet, weil Manchester City immer weniger mit Gündogan zu planen schien. Der Deutsche wurde in keinem Ligaspiel eingesetzt und am zweiten Spieltag nicht einmal in den Kader berufen. Auf diese Weise versuchte der Klub wohl, seinem früheren Kapitän homöopathisch nahezulegen, den Verein zu verlassen. Denn ganz direkt teilte das Gündogan niemand mit, auch nicht Trainer Pep Guardiola, der seinen Verzicht auf Gündogan nur verklausuliert erklärte: Es werde immer irgendeinen Spieler treffen, sagte er.
Neben Gündogan gingen die Triple-Helden De Bruyne, Ederson, Walker, Akanji und Grealish
In gewisser Weise ist Gündogan ein Opfer des Generationswechsels bei Manchester City geworden wie einige andere verdiente Spieler. Auch Torhüter Ederson und Verteidiger Manuel Akanji wechselten kurz vor Transferende den Klub, Ederson ging zu Galatasarays Stadtrivalen Fenerbahce, Akanji auf Leihbasis zu Inter Mailand. Zuvor hatten bereits die Routiniers Kevin De Bruyne, Kyle Walker und Jack Grealish City verlassen. Den Abschied des Großteils der alten Garde, die 2023 das Titel-Triple holte, erachtet der Klub nach der Vorsaison, der ersten ohne Trophäe seit acht Jahren, als unausweichlich.
City kaufte im Kalenderjahr 2025 zwölf neue Spieler für 420 Millionen Euro ein. Zum Abschluss kam am Montag für 30 Millionen Euro der Weltklassetorwart Gianluigi Donnarumma, der bei Paris Saint-Germain ausrangiert worden war – obwohl City zuvor die gleiche Summe bereits für den talentierten Torhüter James Trafford ausgegeben hatte, den man selbst ausgebildet hatte, dann abgab, und der nun nach seiner Rückkehr in den ersten Spielen nicht überzeugte.
Durch die vielen Zugänge muss Manchester City den Kader reduzieren
Die überhastet wirkenden Transferaktivtäten des Klubs blähten den Kader auf, noch immer umfasst er 22 gestandene Feldspieler, Nachwuchskräfte nicht eingerechnet. Um die Zahl zu reduzieren, spekulierte man bei der Nichtberücksichtigung von Gündogan und Akanji darauf, dass beide ihre lukrativen Verträge nicht aussitzen würden. Akanji benötigt Spielpraxis im Hinblick auf seine WM-Ambitionen mit der Schweizer Nationalelf – und Ilkay Gündogan gilt als fairer Sportsmann, der sich nicht gegen seine Klubs stellt. Zumal ihm Manchester City im Sommer 2024 durchaus entgegengekommen war. Damals wollte der FC Barcelona Gündogan nach nur einer Saison aus finanziellen Gründen wieder loswerden. Obwohl Guardiola bis dahin noch nie in seiner Trainerlaufbahn einen Spieler zwei Mal verpflichtet hatte, machte er für Gündogan, einen seiner absoluten Lieblingsfußballer, eine Ausnahme und genehmigte die Rückholaktion.
Manchester City offerierte Gündogan einen Einjahresvertrag, der sich im Frühjahr nach einer gewissen Zahl an erreichten Einsätzen automatisch um eine weitere Saison verlängerte. Nach einer unterdurchschnittlichen Hinrunde vor einem Jahr fand Gündogan im Winter seine Form langsam wieder und leistete mit sieben Torbeteiligungen in zwölf Spielen am Saisonende seinen Beitrag dazu, dass City am Ende einer schwierigen Saison zumindest erneut die Qualifikation zur Champions League schaffte. Wegen all dieser Aspekte ging sein Abschied nun vergleichsweise geräuschlos vonstatten. Alle Parteien waren sich schnell über die Modalitäten einig – auch weil City symbolisch auf eine Ablöse verzichtet.
Trotz seines Alters fühlt sich Gündogan nach wie vor in guter Form
Bei der Wahl seines neuen Klubs beachtete Ilkay Gündogan, der sich trotz seines Alters nach wie vor in bester Form und Fitness wähnt, dass Galatasaray seinem sportlichen Anspruch gerecht wird. Er zog den türkischen Topklub weiteren Angeboten aus Italien und Saudi-Arabien vor. Eine Rückkehr in die Bundesliga stand trotz Gerüchten nie wirklich zur Diskussion, weil außer dem FC Bayern kaum ein Klub in der Lage wäre, das immer noch üppige Gehalt Gündogans zu stemmen. Mit dem Wechsel zu „Gala“ schließt sich für den feinfühligen Strategen ein Kreis – weil er schon als Kind diesem Klub verfallen war, mit dem der Großteil seiner Familie sympathisiert.
Im Januar kommt es zum emotionalen Gastspiel: Gala trifft auf Manchester City
Der Reiz an Galatasaray, abgesehen von den frenetischen Fans und der Weltmetropole Istanbul, ist neben dem prominent verstärkten Kader das Mitwirken in der Champions League, in der die Türken erstmals seit elf Jahren die Gruppenphase überstehen wollen. Dafür investierte der Verein in diesem Sommer 150 Millionen Euro, unter anderem für Leroy Sané vom FC Bayern und den nach seiner Leihe fest verpflichteten Torjäger Victor Osimhen (von der SSC Neapel). Damit verfügt der Serienmeister der Süper Lig nun über ein erstaunlich illustres Aufgebot. In der Champions League geht es zum Start der Ligaphase in zwei Wochen zu Eintracht Frankfurt, im letzten Spiel im Januar 2026 wartet auf Gündogan dann das emotionale Gastspiel bei Manchester City.
Trotz der nun größeren Distanz nach Deutschland sollte sich im Zeitplan von Ilkay Gündogan schon bald auch ein Nachholtermin für die Preisverleihung finden lassen. Die nächste Vereins-Spielpause gibt es bereits im Oktober.
Übervoll und ernüchtert
Zweites Saisonspiel, erste Niederlage: Pep Guardiolas Manchester City unterliegt Tottenham Hotspur mit 0:2. Doch anders als in der Vorsaison bereitet dem Trainer diesmal nicht ein Mangel an Spielern Schwierigkeiten, sondern die Herausforderung eines aufgeblähten Kaders.
