Krise von Ajax Amsterdam
Und wieder soll es ein Cruyff richten …
16. Jan. 2026, 02:02 Uhr

Jordi Cruyff tritt die Nachfolge seines berühmten Vaters Johan Cruyff an und wird neuer Sportdirektor des stark kriselnden Ajax Amsterdam. Dabei wollte er ursprünglich wieder Trainer werden – bis seine Tochter Krebs bekam. Gelingt ihm die Renaissance des Klubs?
Es wirkt fast wie vorherbestimmt, dass Jordi Cruyff die Nachfolge seines berühmten Vaters Johan Cruyff antritt und dessen Vermächtnis bei Ajax Amsterdam fortführt. Kein anderer Name hat den niederländischen Rekordmeister so nachhaltig geprägt wie Johan Cruyff. Für den Klub war die Fussballlegende gewissermassen Gründungsvater, Heiliger und Schutzpatron in einem. Fast sein gesamtes Berufsleben widmete er dem Verein – als Spieler, Trainer, später als Vorstandsmitglied und Berater.
Unter Cruyffs Ägide errang der fünfmalige Europapokalsieger seine grössten Erfolge, und immer dann, wenn Ajax sportlich ins Straucheln geriet, führte Johan Cruyff, der im März 2016 im Alter von 68 Jahren starb, den Klub zurück auf Erfolgskurs.
Nun steckt Ajax erneut in einer tiefen Krise – und wieder soll ein Cruyff helfen. Diesmal übernimmt Johan Cruyffs Sohn Jordi, 51, Anfang Februar den Posten des Technischen Direktors. Der Verein gab kurz nach Weihnachten bekannt, sich mit ihm mündlich auf einen Vertrag bis 2028 geeinigt zu haben.
Ursprünglich hatte Jordi Cruyff nach seinem selbstgewählten Abschied vom FC Barcelona im Sommer 2023 geplant, wieder als Trainer tätig zu werden. Deshalb hatte er seinen Posten als Technischer Direktor bei den Katalanen unmittelbar nach dem Gewinn der spanischen Meisterschaft aufgegeben. Zwei Jahre lang arbeitete er dort mit dem Trainer Xavi Hernández und dem Fussballchef Mateu Alemany Font zusammen und leitete einen Umbruch ein, von dem der Verein bis heute profitiert. Doch als Jordi Cruyff sich nach einer neuen Herausforderung umsah, traf ihn eine erschütternde Nachricht: Seine Tochter Danae hatte Krebs – die gleiche Krankheit, an der sein Vater gestorben war.
Über diese Zeit sprach Jordi Cruyff vor einem Monat bemerkenswert aufgeschlossen im Podcast «Stick to Football», moderiert vom früheren englischen Nationalspieler Gary Neville und von weiteren Experten. Mit dem Tod seines Vaters sei er im Reinen gewesen, sagte Jordi Cruyff zurückblickend, doch der Befund bei seiner Tochter habe ihn «wütend auf die Welt» gemacht. Es sei einer der schwierigsten Momente seines Lebens gewesen: «Die Realität trifft einen wie eine Tonne Ziegelsteine. Ich sollte derjenige sein, der geht, nicht sie.»
Plötzlich rückte der Fussball, der sein Leben bis dahin dominiert hatte, in den Hintergrund. Er stellte seine Pläne als Trainer zurück und konzentrierte sich ausschliesslich auf Danaes Genesung. Mehr als ein Jahr lang konnte Jordi Cruyff keinen einzigen Fussballmatch mehr ganz verfolgen. «Ich habe vielleicht fünf Minuten zugeschaut, dann ausgeschaltet, gedanklich war ich nicht dabei», erzählt er.
Während des knapp anderthalbstündigen Gesprächs betritt Danae das Studio und setzt sich neben ihren Vater an den Tisch. «Mir geht es sehr gut, ich bin wieder gesund, das ist das Wichtigste», sagt sie lächelnd. Dann wendet sie sich liebevoll Jordi zu: «Weine nicht.» Gemeinsam berichten sie über den Heilungsverlauf. Ständig hätten sie unterschiedliche Ansichten gehabt, gesteht Danae. Sie habe «mit dem Flow gehen» wollen, ihr Vater habe hingegen auf der strengen Umsetzung der Chemotherapie bestanden und sie so diszipliniert «wie einen Fussballprofi» behandelt, sagt sie.
Aus Sorge um das Wohl seiner Tochter habe er schweren Herzens die Rolle des «bösen Bullen» übernommen, räumt Jordi Cruyff ein. Wie sehr ihn das belastete, zeigte sich daran, dass jede Stunde, die Danae mit ihrer Mutter verbrachte, seine Anspannung löste – ihn zugleich aber selbst krank machte.
Jordi Cruyff hatte bereits während seiner Karriere als Spieler zahlreiche Rückschläge überwinden müssen. Bereits im Alter von 20 teilten ihm Ärzte nach einer Knieverletzung mit, seine Laufbahn sei wohl vorbei. Doch der offensive Mittelfeldspieler spielte trotz zwölf Operationen weiter, bis er 35 Jahre alt war – unter anderem kickte er zwei Saisons für den FC Barcelona und dreieinhalb Jahre für Manchester United.
Die ständige Ungewissheit über das mögliche Ende der Laufbahn veranlasste ihn allerdings dazu, parallel zur Karriere auf dem Platz mehrere Studiengänge in Business-Management und Marketing zu absolvieren. Sonst hätte er auf nichts anderes als auf seine Eltern vertrauen können, berichtete er einmal dem «Guardian». Die Lernbereitschaft hatte ihm sein Vater schon früh vermittelt. Trotz seinem Vermögen achtete Johan Cruyff auf die Erziehung: Er meldete Jordi als Teenager einst zwei Monate vom Fussball ab, weil seine Schulnoten nicht genügten.
Offenheit und Vielseitigkeit definieren Jordi Cruyff bis heute. Als Spieler trat er für Vereine in der Ukraine und auf Malta an, später sammelte er Erfahrungen im Vereins-Management in Zypern und Israel, ehe er sich als Trainer fünf Jahre am Stück erneut in Israel, mehrfach in China und als Nationalcoach Ecuadors versuchte. «Ich mag ungewöhnliche Herausforderungen», sagt er über sich selbst.
Eine Ausnahme von seinen Trainertätigkeiten machte Cruyff für Barcelona, als der Klub ihn im August 2021 für die Neuausrichtung des Managements verpflichten wollte. Dessen Ruf würde er immer folgen, weil er für Barça «besondere Empfindungen» hege.
Ähnlich dürfte es ihm jetzt bei Ajax Amsterdam ergehen, dem Klub, für den er in seiner Jugend spielte – bis er 1988 seinem Vater nach Barcelona folgte, der dort Trainer wurde. Die Lage bei Ajax erinnert derzeit an den September 2010, als Johan Cruyff in einer vielbeachteten Kolumne in «De Telegraaf» kritisierte, Ajax sei «nicht mehr länger Ajax»: «Diese Mannschaft ist noch schlechter als vor der Ankunft des Trainers Rinus Michels 1965.»
Michels hatte den Klub seinerzeit gemeinsam mit Cruyff auf dem Platz geformt und einen völlig neuen Angriffsfussball entwickelt: den «Voetbal totaal», der den stolzen Traditionsverein mit drei Europacup-Triumphen in Serie zum europäischen Topklub machte. Cruyffs Rundumschlag war ein Alarmsignal, wenig später wurde Marc Overmars zum sportlichen Leiter ernannt. Unter ihm schloss Ajax wieder zur internationalen Spitze auf und verpasste in der Saison 2018/19 nur knapp den Final der Champions League.
Nach dem Zwangsrückzug von Overmars vor vier Jahren erlebte Ajax einen Absturz sondergleichen. Mitarbeiterinnen des Klubs hatten ihm sexuelle Belästigung vorgeworfen; Overmars erhielt ein einjähriges Berufsverbot. Seither haben sich acht Trainer versucht, inklusive Interimslösungen – John Heitinga sogar zwei Mal. Zurzeit liegt Amsterdam in der niederländischen Eredivisie 16 Punkte hinter dem Tabellenführer Eindhoven; in der Champions League rangiert die Mannschaft des im November engagierten Fred Grim mit nur einem Sieg auf Platz 34 von 36.
Die Hoffnungen ruhen nun auf Jordi Cruyff. Aufgrund der Familiengeschichte kennt er den Verein wie kaum ein anderer. Er soll bei Ajax Amsterdam eine Renaissance einleiten – so, wie es seinem Vater Johan Cruyff mehrfach gelungen war.
Dutchester United
Manchester United hat seit der Verpflichtung von Erik ten Hag fast nur Spieler geholt, die dem Trainer aus seiner Heimat Niederlande bekannt waren. Jetzt steht der Klub kurz vor der Verkündung der nächsten Lieblingsspieler des Coaches, den Abwehrspielern Matthijs de Ligt und Noussair Mazraoui - wovon der FC Bayern profitieren würde.
