Finale der Klub-WM
Ein Finale wie ein Broadway-Spaziergang
14. Juli 2025, 16:25 Uhr

Der FC Chelsea gewinnt durch ein 3:0-Favoritensturz gegen Paris Saint-Germain die reformierte Klub-WM. Beide Mannschaften liefern sich einen unverwechselbaren Schlagabtausch, spielerisch und später handgreiflich. Dabei kommt es zum Eklat um Trainer Luis Enrique.
Die Amerikaner sind derart der Show verfallen, dass ein reines Sportereignis – zumal der ohnehin skeptisch beäugte Fußball – kaum ausreicht, um sie zu begeistern. Selbst das Endspiel der ersten Auflage der überdrehten Klubweltmeisterschaft zwischen dem FC Chelsea und Paris St-Germain wurde vom Weltfußballverband Fifa zu einem viereinhalbstündigen Spektakel durchchoreografiert. Dabei kam das Publikum tatsächlich auf seine Kosten – jedoch nicht wegen Gastauftritten von Robbie Williams und Coldplay, und auch nicht wegen der Präsidentenfürsten Gianni Infantino und Donald Trump, die sich bei der Siegerehrung erwartungsgemäß selbst inszenierten und ausgepfiffen wurden. Sie überreichten den Goldklunkerpokal, in den Infantino vorsichtshalber gleich zwei Mal seinen Namen eingravieren ließ, gemeinsam an die Spieler des FC Chelsea – woraufhin Trump sich zu deren Irritation ins Siegerfoto drängte, bis ihn der düpierte Infantino aus dem Bild schob. Sondern aus einem anderen Grund: Beide Mannschaften lieferten sich einen unverwechselbaren Schlagabtausch, spielerisch und später auch handgreiflich.
Chelsea schließt durch den Titel wieder zur Weltspitze auf
Chelseas 3:0-Favoritensturz gegen den Turnierüberflieger PSG macht den Verein gemäß Wettbewerbsdefinition zum Weltmeister aller Klubmannschaften. Zwar dürfte insbesondere die dem Turnier skeptisch gegenüberstehende europäische Fußballöffentlichkeit diesen hochtrabenden Titel als Augenwischerei empfinden. Schließlich beendeten die Londoner die Vorsaison auf Platz fünf der Premier League und gewannen lediglich die Conference League, den am wenigsten beachteten europäischen Pokal. Doch die Leistung im Finale am Sonntag bewies, dass Chelsea nach dem Besitzerwechsel 2022 – vom Oligarchen Roman Abramowitsch zum Konsortium um Todd Boehly – den Anschluss an die Weltspitze gefunden hat. Boehlys Konzept wurde einst ebenso abschätzig betrachtet wie Infantinos Cup. Entsprechend wirkt Chelseas Coup zusammen mit der Zustimmung für das Event aus dem Rest der Welt wie ein bitterer Tag für Fußballtraditionalisten. Deren vermeintliches Überlegenheitsgefühl scheint entlarvt. Daran wäre prinzipiell wenig auszusetzen, würde Infantinos Fifa diesen Erfolg nicht demonstrativ zur Stärkung der eigenen Machtinteressen nutzen.
Sinnbildlich für die PSG-Leistung: Dembélé spielt beim Anstoß den Ball ins Aus
Das nahezu ideal mit unterschiedlichsten Spielertypen besetzte Chelsea entwickelte ein wirksames Gegenmittel zum gelobten, horizontal wie vertikal angelegten Tiki-Taka der Pariser. Die Taktik von Trainer Enzo Maresca setzte auf ein aggressives, nach vorn gerichtetes, eng am Gegner orientiertes Pressing. Verteidiger Reece James rückte ins Mittelfeld, während Mittelfeldspieler Enzo Fernández in den Angriff vorstieß. So fand PSG nie in seinen gewohnten Rhythmus. Sinnbildlich dafür war der Beginn der zweiten Halbzeit, als Ousmane Dembélé den Ball beim eigenen Anstoß direkt ins Seitenaus spielte. Chelsea kombinierte sich mehrfach sehenswert über die rechte Seite durch, dort, wo Maresca den Doppeltorschützen Cole Palmer (22. Minute/30.) aufgeboten hatte – der zudem den dritten Treffer von João Pedro vorlegte. Palmer, 23, spielte so überragend auf, das sein Kontrahent Dembélé im Hinblick auf die Weltfußballerwahl froh sein dürfte, dass der Engländer in der Rückrunde ein Formloch durchlief.
Das Finale spiegelt den Turnierverlauf wider
Chelseas Überlegenheit und der verpasste Titel führten bei PSG zu einer Enttäuschung, die in Unsportlichkeit umschlug. Zunächst wurde João Neves mit der roten Karte (85.) des Feldes verwiesen, nachdem er dem hierzulande wegen seines Handspiels im EM-Viertelfinale gegen Deutschland bekannten Spanier Marc Cucurella ins Lockenhaar griff. Und nach dem Abpfiff griff PSG-Coach Luis Enrique, nicht eben zurückhaltend in seiner Selbsteinschätzung, im Tumult João Pedro mit der flachen Hand ins Gesicht. Der Brasilianer ging zu Boden – was unweigerlich an Ringsprecher Michael Buffer erinnerte, den die Fifa eigens als Einpeitscher für die Fans vor dem Spiel engagiert hatte.
Das Finale spiegelte gewissermaßen den Verlauf des gesamten vierwöchigen Turniers wider: abwechslungsreiche Partien, überraschende Ergebnisse, kontroverse Konstellationen – und eine permanente Reizüberflutung. Letzteres glich einer Art Amerikanisierung des Fußballs. Stadionbesuche gerieten phasenweise zu einem Spaziergang über den schillernden Times Square, derart überbordend wirkten die Unterhaltungselemente. Selbst während der Halbzeitpause des Finales gab es keine Verschnaufpause: Es wurde getanzt, gesungen – und schließlich ein Feuerwerk gezündet. Dergleichen dürfte auch bei der regulären Weltmeisterschaft 2026 in Nordamerika fortgesetzt werden. Bis dahin aber steht wieder der europäische Fußball im Fokus – wo das Spiel selbst die Show ist.

