BTL-Interview mit Granit Xhaka
„Ich will Vorbild für die junge Generation sein“
28. Dez. 2025, 16:34 Uhr

Granit Xhaka spricht über seine Rolle beim AFC Sunderland, Taktiktipps von Xabi Alonso und Mikel Arteta – und welche Ziele er mit der Schweiz bei der WM 2026 verfolgt.
Alexander Isak, Florian Wirtz, Nick Woltemade: Auch in dieser Saison haben englische Vereine wieder spektakuläre Transfers mit enorm hohen Ablösesummen getätigt. Als womöglich wertvollster Zugang der Premier League gilt jedoch ein anderer Spieler: der Schweizer Granit Xhaka, 33. Der erfahrene Mittelfeldstratege wechselte im vergangenen Sommer für rund 15 Millionen Euro von Bayer Leverkusen, wo er 2024 ohne Niederlage das Double aus Meisterschaft und Pokal gewann, zum Aufsteiger AFC Sunderland. Der Traditionsverein aus dem Nordosten Englands, im Besitz von Xhakas Landsmann Kyril Louis-Dreyfus, steht momentan überraschend in der oberen Tabellenhälfte der Premier League, nur zwei Punkte hinter einem Champions-League-Platz.
Seit seinem Durchbruch beim FC Basel war der Schweizer Rekordnationalspieler Xhaka (143 Länderspiele) auf allen weiteren Stationen Kapitän – in Mönchengladbach, beim FC Arsenal (bis zum Bruch mit den eigenen Fans), in Leverkusen und nun in Sunderland sowie in der Nationalmannschaft. Kurz vor Weihnachten nahm sich Xhaka Zeit für ein langes Afternoon-Tea-Gespräch. Die Feiertage gehörten diesmal der Familie und den drei Kindern. Wegen einer komplizierten TV-Rechtelage entfiel in der Liga der traditionelle Boxing-Day-Spieltag, die meisten Partien finden stattdessen an diesem Wochenende statt. Sunderland empfängt am Sonntag den Mitaufsteiger Leeds United.
SZ: Herr Xhaka, Sie sagten über Ihren Wechsel nach Sunderland, dass Sie dort „Momente des Leidens“ erleben wollten. Wie sehr leiden Sie bislang?
Granit Xhaka: Wir leiden sehr viel, auch wenn man das von außen nicht so wahrnimmt. Leiden heißt nicht nur, gegen den Abstieg zu spielen. Es bedeutet auch, lange Phasen ohne Ballbesitz auszuhalten, kompakt zu stehen und konsequent zu verteidigen – wie beim 2:2 gegen Arsenal (Tabellenführer; Anm. d. Red.). Das ist neu für mich, weil ich noch nie bei einem Aufsteiger gespielt habe. Bisher hatten meine Klubs meistens deutlich mehr Ballbesitz.
Warum passt Sunderland so gut zu Ihnen?
Ich habe das Gefühl, dass ich und die Menschen hier ähnlich aufgewachsen sind: sehr bodenständig, hart arbeitend und mit dem ausgeprägten Willen, etwas zu erreichen. Meine Eltern kamen einst mit albanischem Hintergrund nach Basel – ohne Sprache, ohne Freunde, ohne Verwandte. Aus unserer Nachbarschaft kamen Architekten und Steuerberater, aber ebenso Alkoholiker und Drogenabhängige. Es hätte also für mich in alle Richtungen gehen können. Ich habe von der Erziehung meiner Eltern profitiert – und von meinem älteren Bruder Taulant (ebenfalls Fußballprofi).
Wie kam der Wechsel zustande?
Manche Entscheidungen brauchen Zeit, aber diese habe ich sofort getroffen. Der Besitzer rief mich irgendwann im Juni an, gegen 23 Uhr. In Albanien sagt man: Ein Anruf zu dieser Uhrzeit bedeutet entweder etwas Schlechtes – oder etwas Großes. Ich dachte zuerst an einen Scherz und habe nicht geglaubt, dass es der Besitzer ist. Man kennt sich zwar in der Schweiz, aber ich wusste nicht, dass einem Schweizer ein englischer Klub gehört. Der Schlüssel war, dass sich bei keinem meiner früheren Transfers der Besitzer persönlich gemeldet hatte. Das hat mich beeindruckt.
Was sagte Kyril Louis-Dreyfus, der mit 28 Jahren jüngste Chairman der Liga?
Dass er mich unbedingt verpflichten wolle. Das hat er dann auch umgesetzt. Die Ablöse war ähnlich hoch wie die, die Leverkusen zwei Jahre zuvor an Arsenal gezahlt hatte – obwohl ich damals jünger war. Ich bin ein Spieler, der Anerkennung braucht, und dieses Gefühl hat er mir gegeben.
Was reizt Sie sportlich an Sunderland?
Die Rückkehr in die Premier League und eine neue Herausforderung. Wenn es mir ums Geld gegangen wäre, hätte ich Europa verlassen. Ich hatte Angebote, wo ich ein Vielfaches meines Gehalts hätte beziehen können. Aber ich bin körperlich topfit, habe in den vergangenen zwei Jahren mehr als 120 Pflichtspiele bestritten. Die entscheidende Frage war: Habe ich noch mal die Kraft, eine junge Mannschaft zu führen? In der Premier League ist das wegen der Leistungsdichte der Vereine extrem anspruchsvoll. Letztlich war ich überzeugt: Ja, ich kann das schaffen.
Stört es Sie nicht, dass Sie bei Sunderland mit vielen Talenten zusammenspielen und nicht mehr mit Ausnahmefußballern wie Florian Wirtz, mit dem Sie in Leverkusen auf dem Platz standen?
Florian Wirtz gibt es nur einmal, das muss man anerkennen. Mich erfüllt es derzeit mehr, wenn aus meiner Sunderland-Mannschaft in ein paar Jahren ein großer Spieler hervorgeht und ich dazu einen kleinen Beitrag leisten konnte, als selbst 50 Tore zu schießen oder von Stars umgeben zu sein. In meinem Alter geht es darum, mögliche Allüren abzulegen und sich an die eigene Zeit als junger Spieler zu erinnern – als man selbst Unterstützung gebraucht hat.
Wann hat sich diese Sichtweise entwickelt?
Vor vier, fünf Jahren, als ich bei Arsenal begonnen habe, meine Trainerscheine zu machen. Inzwischen besitze ich die A-Lizenz. Das hilft – neben dem Alter und der Erfahrung –, den Fußball aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Ich möchte nun andere Spieler besser machen: durch Leistung, Motivation, Führung.
Was macht Ihr Team aus?
Energie und Teamspirit. Ohne das hätten wir längst nicht diese Punktzahl. Große Namen sind schön, aber wenn man kein Team ist, hat man im heutigen Fußball keine Chance. Ich sehe bei uns keinen Spieler mit Ego – auch keinen, der sich beschwert, wenn eine Einheit im Gym ansteht. Jeder hat den Antrieb, morgen besser zu sein als heute. Glück muss man sich erarbeiten, indem man alles dafür tut. Dieses Verständnis zeichnet eine gute Mannschaft aus.
Wie zeigt sich das auf dem Platz?
Als wir gegen Bournemouth 0:2 zurücklagen, haben wir noch 3:2 gewonnen. Das hat deutlich gemacht: Wenn wir an uns glauben, können wir alles erreichen. Viele Gegner sagen, wir sind schwer zu bespielen, weil wir mit und ohne Ball stark sind. Wir haben eine stabile Balance, sind zudem gefährlich bei Standards – und wir haben unsere Fans als zwölften Mann. Die Stimmung bei Heimspielen ist unglaublich. Diese Verbindung zwischen Spielern, Verein und Fans ist fundamental für den Erfolg. Ich bin überzeugt, dass wir selbst nach mehreren Niederlagen in Serie eine Einheit bleiben würden.
Welche Ziele haben Sie mit Sunderland?
Zunächst den Klassenerhalt sichern, alles Weitere ist ein Bonus. Bis jetzt haben wir in der Kabine nicht ein einziges Mal über die Tabelle gesprochen. Aus Erfahrung weiß ich, dass die Rückrunde herausfordernd sein kann. Wir haben Potenzial und müssen weiter an uns glauben – dann können wir eine erfolgreiche Saison spielen.
Zu den Erfolgsfaktoren gehören auch Sie selbst. Was sind die Gründe für Ihre Konstanz auf höchstem Niveau? Man hat den Eindruck, Sie werden mit jeder Saison besser.
Seit dem Vorfall mit den Arsenal-Fans im Oktober 2019 haben sich bei mir grundlegende Dinge verändert: Disziplin, Regeneration, Schlaf, Ernährung, Mindset, Freundeskreis. Ich bin ruhiger und ausgeglichener geworden. Außerdem hatte ich das Privileg, mit Mikel Arteta bei Arsenal und Xabi Alonso in Leverkusen zwei Trainer erlebt zu haben, von denen ich enorm viel gelernt habe – technisch, taktisch, aber vor allem menschlich. Letzteres ist das Wichtigste.
Ende 2019 schien ein Klubwechsel unausweichlich zu sein: Arsenal-Fans hatten Sie bei Ihrer Auswechslung ausgepfiffen, Sie haben sich daraufhin zu provozierenden Gesten hinreißen lassen.
Unsere Koffer waren tatsächlich schon gepackt. Mein Vater, der mir gegenüber immer sehr kritisch ist, hat während meiner gesamten Karriere gesagt: „Wenn du einmal wegläufst, wirst du immer weglaufen.“ Doch in dieser Situation riet er mir ausnahmsweise: „Du musst hier weg. Wenn die Fans gegen dich sind, ist das im Fußball das Schlimmste. Dann hast du keine Chance mehr.“
Wieso sind Sie dann trotzdem bei Arsenal geblieben?
Wegen des Trainers. Ich kannte Mikel Arteta damals nur dem Namen nach, hatte ihn nie persönlich getroffen. Als er an Weihnachten 2019 übernahm, suchte er sofort das Gespräch mit mir und wollte meine Version der Ereignisse hören. Dennoch sagte ich ihm anschließend: „Mikel, bei allem Respekt, ich wünsche dir alles Gute, aber ich kann dieses Trikot nicht mehr anziehen.“ Am nächsten Tag kam er erneut zu mir und sagte wortwörtlich: „Granit, ich brauche dich. Gib mir sechs Monate Zeit, dich davon zu überzeugen, dass du der Richtige bist. Ich kann dich zwar nicht mehr zum Kapitän machen, aber ich werde die Mannschaft um dich herum aufbauen. Sollte mir das nicht gelingen, bin ich der Erste, der dir helfen wird, den Klub zu verlassen.“ Dieses Gespräch werde ich nie vergessen. Ich bekomme heute noch Gänsehaut, wenn ich daran denke. Seine Worte waren so durchdringend. Ich stand auf, umarmte ihn und sagte: „Okay, ich bleibe!“ Es war die einzige Entscheidung in meiner Laufbahn, die ich ohne meine Familie getroffen habe. Rückblickend war es eine wahnsinnig lehrreiche Zeit, die ich nicht missen möchte.
Anschließend gewannen Sie mit Arsenal den FA Cup 2020 und wurden Zweiter in der Premier League 2023.
Ich werde Arteta immer dankbar sein. Er hat mich auf das Niveau zurückgebracht, auf dem ich heute bin. Er ist korrekt und ehrlich. Ihm ist egal, welcher Name vor ihm steht: Wer nicht macht, was er verlangt, spielt nicht. Als unser damaliger Spielführer Pierre-Emerick Aubameyang vor einem Derby gegen Tottenham zu spät zur Teambesprechung kam, strich ihn Arteta aus dem Kader – trotz des Aufruhrs am Spieltag.
Weshalb sind Sie nicht noch länger in London geblieben?
Bayer Leverkusen bot mir einen langfristigen Vertrag, ich wollte zurück nach Deutschland und hatte das Gefühl, dass der Zeitpunkt für einen Abschied perfekt war. Außerdem wollte ich bei Arsenal Platz für die jungen Spieler machen. Mit Declan Rice hatte der Klub auch einen sehr guten Nachfolger gefunden.
Welchen Einfluss hatte Leverkusen auf Ihre Karriere?
Der Verein hat mir alle Türen geöffnet und meinen Namen und meine Persönlichkeit noch mal viel größer gemacht. Was wir in diesen zwei Jahren gemeinsam geleistet haben, ist wirklich unglaublich. Hätten wir auch noch die Europa League gewonnen, wäre es die perfekte, perfekte, perfekte Saison gewesen. Die erste Meisterschaft der Vereinsgeschichte zu holen, war unbeschreiblich – der bisherige Höhepunkt meiner Karriere.
Gibt es einen Lehrsatz, den Sie von Xabi Alonso und Mikel Arteta mitgenommen haben?
Ja – und dafür kann ich beiden nicht genug danken. Beim ersten Treffen mit den Verantwortlichen von Bayer Leverkusen habe ich Xabi gefragt, wie er als Spieler gedanklich immer einen Schritt voraus war. Als ich zuvor mit Gladbach auf Xabis FC Bayern traf, konnte ich ihn im Mittelfeld nie stellen. Seine Antwort: „Ich zähle die Gegenspieler.“ Damit meinte er: Wenn auf der linken Seite sechs Gegenspieler standen, wusste er genau, dass auf der anderen Seite nur vier sind. Dieser Satz hat mich nachhaltig fasziniert.
Warum?
Weil es eine enorm schnelle Auffassungsgabe erfordert. Seitdem habe ich begonnen, im Training und Spiel mithilfe von ihm und Videostudium daran zu arbeiten. Er hat recht – es hilft unglaublich. Am Anfang fühlt es sich an wie das Erlernen einer neuen Sprache: Man muss erst reinkommen. Aber sobald man den Dreh raus hat, läuft es fast automatisch.
Und Arteta?
Er wollte immer, dass der defensive Mittelfeldspieler auf der vertikalen Linie des ballführenden gegnerischen Innenverteidigers steht, um zu verhindern, dass der Ball direkt in den Fuß des Stürmers gespielt wird. Meist steht man als Sechser leicht zu weit innen. Durch die korrekte Positionierung auf derselben Linie verengt man den Raum für den Gegner – zumal der gegnerische Flügelspieler oft ebenfalls in die Mitte zieht. So deckt man einen Großteil des Spielfelds geschickt ab. Der Innenverteidiger, der zusätzlich noch Druck durch den Angreifer spürt, kann den Ball in der Regel nur zum Außenverteidiger spielen oder hoch nach vorne schlagen. Letzteres verschafft dem Team wertvolle Sekunden, während der Ball in der Luft ist.
Sowohl Arteta als auch Alonso waren, wie Sie, Mittelfeldstrategen. Worauf kommt es auf dieser Position an?
Man ist das Herz der Mannschaft und trägt vielleicht die größte Verantwortung auf dem Platz. Einfach stehen bleiben und auf die Mitspieler vertrauen, funktioniert hier nicht. Es geht darum, Anspielstation zu sein, das Tempo und die Richtung des Spiels zu bestimmen, Freiräume zu erkennen und immer für die Mannschaft da zu sein. Ein Spieler auf dieser Position muss antizipieren, wo der Ball als Nächstes hingeht. Das lässt sich nur bedingt trainieren – es erfordert Spielverständnis und auch den Mut, in riskanten Situationen den Ball zu fordern.
Alle Champions-League-Gewinner der vergangenen Jahre hatten immer besonders gute Taktgeber in ihren Reihen: Vitinha (Paris Saint-Germain), Toni Kroos (Real Madrid), Rodri (Manchester City), Jorginho (FC Chelsea), Thiago Alcántara (FC Bayern). Sind defensive Mittelfeldspieler unterschätzt?
Definitiv! Leider scheinen wir nicht so sehr wie Stürmer, die Tore schießen. Häufig wird vergessen, welche Vorarbeit geleistet wird. Deshalb finde ich, dass man uns ein bisschen mehr Kredit geben könnte.
Meist haben Sie auf der Sechs gespielt, bei Arsenal aber auch als Achter. Was ist der Unterschied?
Als Verbindungsspieler habe ich mehr Freiräume nach vorne, kann bei den Angriffen in den Strafraum mitgehen und versuchen, Tore und Assists zu erzielen. Als Sechser hingegen bin ich der Organisator. Ich denke weniger offensiv, sondern vielmehr daran, was passieren könnte, wenn wir den Ball verlieren. Priorität hat, dass die Position im Zentrum besetzt ist. Das passt besser zu mir, auch wenn mir meine vorgerückte Rolle bei Arsenal Spaß gemacht hat.
All das gesammelte Wissen vermitteln Sie nun in Sunderland. Arteta meinte, Sie haben eine „Superkraft“, die einen ganzen Verein verändern könnte. Wie ist Ihr Führungsstil?
Am Anfang bin ich eher ruhig und beobachte viel. Erst wenn ich weiß, wie ich emotional mit jedem Spieler umgehen muss, werde ich offener. Ich habe ein gutes Gefühl für Menschen und versuche, ich selbst zu sein und meine Werte zu vermitteln: Respekt, Anstand, Disziplin. Ich zeige nie auf andere, bevor ich mich nicht selbst hinterfragt habe. Kürzlich hatte ich eine schlechte Trainingseinheit und kam schlecht gelaunt nach Hause. Meine Frau fragte, wie ich selbst mit 33 noch so reagieren könne. Wenn ich diesen Antrieb verliere – mich selbst zu fordern und auf höchstem Niveau zu spielen –, höre ich auf, egal, wie lange mein Vertrag läuft. Ich will Vorbild für die junge Generation sein.
Was haben Sie selbst als junger Spieler in Basel mitgenommen?
Bei meinem ersten Trainingslager mit den Profis, mit 17, war ich nach einer Einheit völlig ausgelaugt und wollte mich auf die Massagebank legen. Doch dann kamen Persönlichkeiten wie Alexander Frei, Marco Streller & Co. und schickten mich sofort wieder runter. Das war eine wichtige Lehre! Diese Old-School-Mentalität gefällt mir bis heute deutlich besser als die sogenannte New-School-Denkweise.
Wie kommen Trainer mit Ihrer Meinungsstärke zurecht?
Sie haben mir stets die Freiheit gegeben, meine Sichtweise zu äußern. Ich habe keinem Coach je gesagt, wie er zu spielen hat. Ich mache nur Vorschläge, wie etwas vielleicht besser funktionieren könnte – die endgültige Entscheidung liegt immer beim Trainer. So ist es auch mit Régis Le Bris …
… Ihrem aktuellen Trainer in Sunderland, der Sie als „zweiten Coach“ bezeichnet.
Ja, ich habe zu ihm ein sehr offenes Verhältnis. Er kommuniziert viel und hört auf uns Spieler, was einen guten Trainer auszeichnet. Das erste Gespräch mit ihm dauerte eine Stunde, wir waren sofort auf einer Wellenlänge und teilen ein ähnliches Verständnis des Fußballs. Jeder kann sich weiterentwickeln – mit 18, 33, oder 45.
Was auffällt: Sie haben zuletzt vor viereinhalb Jahren im Klubfußball eine rote Karte bekommen – bei einem 0:5 von Arsenal gegen Manchester City –, obwohl Sie früher fast regelmäßig vom Platz flogen. Wie kam es zu dieser Wandlung?
Mir ist bewusst geworden, dass ich damit nur meiner Mannschaft schade. Es bedeutet einen riesigen Unterschied, ob man 0:2 verliert oder inklusive Platzverweis 0:5 – letztere Situation wird medial extrem aufgebauscht. Darüber hinaus kann ich inzwischen besser einschätzen, wie ich mich in bestimmten Situationen verhalten muss. Durch den VAR muss man besonders auf die Härte in den Zweikämpfen achten. Und ich habe mir mittlerweile auch ein anderes Standing bei den Schiedsrichtern erarbeitet.
Im Anschluss an diese Saison findet die WM 2026 statt. Die Schweiz hat sich erneut qualifiziert. Woher kommt die Konstanz, seit der verpassten EM 2012 bei allen großen Turnieren dabei gewesen zu sein?
Wir haben eine goldene Generation und sind eine Einheit ohne große Namen. Wir hatten in den vergangenen Jahren viele gute Trainer – Ottmar Hitzfeld, Vladimir Petković und nun Murat Yakin. Die Schweiz hatte immer technisch und physisch starke Spieler. Unter Vladimir, der zuvor zwei Jahre bei Lazio Rom gearbeitet hat, haben wir allerdings auch taktisch einen enormen Schritt nach vorne gemacht. Davon profitieren wir noch heute.
Wie sehen Sie die Perspektive des Schweizer Teams?
Wir sind noch nicht am Limit! Mit ein bisschen Glück hätten wir bei der EM 2024 mehr als das Viertelfinale erreichen können. Ich halte unsere Chancen bei der kommenden WM für noch größer, weil unsere jungen Talente zuletzt wichtige Turniererfahrung gesammelt haben. Wir haben das Potenzial, mindestens ins Achtelfinale zu kommen – und den Anspruch, noch mehr zu erreichen.
Mit Blick auf Ihre angestrebte Trainer-Karriere: Wie lange wollen Sie noch aktiv spielen?
Solange ich gesund, fit und hungrig bin. Viele Trainer haben mir geraten: Spiel so lange wie möglich. Alles andere kann man noch später machen.
Schweizer Superkraft
Granit Xhaka trotzt mit Aufsteiger AFC Sunderland seinem Ex-Klub Arsenal wichtige Punkte ab. Der Schweizer Kapitän begeistert die Premier League. Seine Entwicklung haben maßgeblich Mikel Arteta und Xabi Alonso geprägt.
