Jobe Bellingham beim BVB

Jobe wie Jude

31. Juli 2025, 17:28 Uhr

Nicht nur die Spielweise, sondern auch die Karriereverläufe der beiden Bellingham-Brüder ähneln sich: Wie einst Jude trägt nun auch Jobe das Trikot des BVB. (Foto: Jess Stiles / Imago Images)
Nicht nur die Spielweise, sondern auch die Karriereverläufe der beiden Bellingham-Brüder ähneln sich: Wie einst Jude trägt nun auch Jobe das Trikot des BVB. (Foto: Jess Stiles / Imago Images)

Fußball-Brüder auf Topniveau sind rar. Nun steht mit Jobe und Jude Bellingham erneut ein englisches Brüderpaar im Rampenlicht. Während Jude bei Real Madrid glänzt, wagt Jobe bei Borussia Dortmund den nächsten Karriereschritt – und tritt damit in vertraute Fußstapfen.

Von Sven Haist, London

Fussball-Brüderpaare auf Spitzenniveau sind eine Seltenheit. Legendär sind die Weltmeister Bobby und Jack Charlton, die mit England an der Heim-WM 1966 triumphierten – sie standen damals gemeinsam in der Startformation. Auch die Neville-Brüder Gary und Phil haben es in England zu beachtlicher Bekanntheit geschafft; sie kickten jahrelang gemeinsam und erfolgreich für Manchester United. Derzeit steht wieder ein talentiertes englisches Brüderpaar in den Schlagzeilen. Jobe Bellingham, 19, unterschrieb bei Borussia Dortmund – wie einst sein zwei Jahre älterer Bruder Jude, der mittlerweile für Real Madrid spielt. Jobe stand in den letzten zwei Jahren in Diensten des AFC Sunderland mit dem Schweizer Besitzer Kyril Louis-Dreyfus; in der vergangenen Saison bewerkstelligte der Klub im Play-off den Premier-League-Aufstieg. Nun will Jobe in der Bundesliga internationale Erfahrung sammeln.

Der BVB sieht in Jobe Bellingham ein vergleichbares Talent wie bei Jude

Seine Akquise ist den Dortmundern rund 30 Millionen Euro wert – womit Jobe Bellingham mehr Geld kostete als einst Jude, als dieser 2020 von Birmingham City zum BVB wechselte. Judes Ablöse von 25 Millionen erhöhte sich erst später wegen einer Weiterverkaufsbeteiligung auf 30 Millionen. Der Transfer von Jobe Bellingham gilt in seinem Gesamtvolumen als zweitteuerster Einkauf in Dortmunds Klubgeschichte. Lediglich für den Franzosen Ousmane Dembélé überwies der BVB seinerzeit zusammengerechnet noch mehr an Stade Rennes. Die Summe von 35 Millionen hatte sich allerdings auch in diesem Fall erst im Nachhinein durch zusätzliche Abschlagszahlungen nach dem Transfer zum FC Barcelona ergeben – der Transferbetrag an sich lag damals bei einer knapp zweistelligen Millionensumme.

Den stattlichen Preis für Jobe Bellingham rechtfertigt das BVB-Management damit, dass es in dem Spieler ein vergleichbares Talent wie damals bei seinem Bruder zu erkennen glaubt und ihm zutraut, eine ebenso vielversprechende Entwicklung zu durchlaufen. Der Klub erhofft sich, dass er Jobe irgendwann mit ordentlichem Gewinn weiterverkaufen kann – so, wie das bei Jude der Fall war, für den die Dortmunder im Jahr 2023 113 Millionen Euro von Real Madrid erhielten.

Jobe Bellingham soll beim BVB als Achter agieren

Auch Jobe, der in Dortmund einen Vertrag bis 2030 unterschrieben hat, ist ein sogenannter Achter: Er spielt im Mittelfeld und hat seine Stärken als dynamischer Verbindungsspieler zwischen Abwehr und Angriff. Am Telefon berichtet der deutsche Fussballtrainer David Wagner, der in Englands zweiter Liga mehrmals auf den AFC Sunderland mit Jobe Bellingham traf, dass «extrem auffällig» sei, wie sich dessen Konstitution, Bewegungsablauf und Spielweise und jene des Bruders ähnelten. Seine Ballan- und -mitnahme wirken leichtfüssig und geschmeidig wie bei Jude. Zudem ist es eine Spezialität von Jobe, den Ball genauso kraftvoll durch das Mittelfeld nach vorn zu treiben. Würden die beiden nicht in verschiedenen Vereinen spielten, sie wären kaum auseinanderzuhalten, sagt Wagner.

Einen der wenigen Unterschiede zwischen Jobe und Jude macht der in der Saison 2021/22 bei den Berner Young Boys engagierte Coach in der Torgefahr aus. Diesbezüglich fehle Jobe Bellingham im letzten Drittel noch der «entscheidende Drive», analysiert er. Die Statistiken belegen das: In 90 Pflichtspielen für Sunderland kommt Bellingham auf elf Tore und vier Vorlagen; eine deutlich geringere Ausbeute, als sie sein Bruder im gleichen Alter vorzuweisen hatte. Die letzte Torbeteiligung für Sunderland datiert aus dem Dezember 2024. In der Erwartungshaltung gegenüber Jobe Bellingham, den BVB ähnlich voranzubringen, wie es Jude gelang, liegt das Risiko für ihn und den Verein.

Auch Jobe Bellingham begann seine Karriere bei Birmingham City

Mit Jobes Verpflichtung versucht der BVB, den angekündigten Kaderumbruch umzusetzen, nachdem das Team die erneute Teilnahme an der Champions League nur mit viel Mühe sicherstellte und dabei «mehrfach für bittere Enttäuschung» sorgte, wie der BVB-Sportdirektor Sebastian Kehl jüngst kritisierte. Die Dortmunder verfügen bereits über mehrere zentrale Mittelfeldspieler – und trotzdem engagierten sie Bellingham. Das deutet an, dass der Klub sich von einigen dieser Akteure trennen möchte. Aufgrund der hohen Ablöse dürfte Jobe Bellingham im Mittelfeld erst einmal gesetzt sein; er könnte eine der zwei Achter-Positionen im Mittelfeld übernehmen. An der Seite des ebenso wuchtigen Felix Nmecha würde der BVB dann über viel Power im Zentrum verfügen.

Wie Jude begann Jobe Bellingham seine Karriere bei seinem Jugendklubs Birmingham City, für den er im Januar 2022 mit 16 Jahren debütierte. Dass er nun, nach der Zwischenstation Sunderland, den gleichen Wechsel in die Bundesliga vollzieht, spricht für das Selbstbewusstsein des jungen Spielers. Er scheut die grossen Fussstapfen des älteren Bruders offenbar nicht. Womöglich steckt hinter dem Schritt ins Ausland auch der Plan, sich dem ständigen Fokus des wenig zimperlichen englischen Boulevards zu entziehen.

Die Disziplin der beiden Brüder erinnert an ihren Vater

Disziplin, Klarheit und Entschlossenheit der Bellinghams erinnern bisweilen an den Beruf des Vaters, der Polizist ist und zudem eine ordentliche Karriere als Goalgetter im Amateurfussball hinlegte. Bis anhin sind beide Elternteile federführend für die Belange ihrer Kinder zuständig. Deren Ambitionen haben sie von Anfang an unterstützt. Die Mutter Denise zog mit Jude einst nach Dortmund um, während der Vater Mark beim jüngeren Jobe zu Hause in Birmingham blieb. Die Anstrengungen haben sich längst gelohnt. Demnächst könnte ein echter Höhepunkt auf die Fussballfamilie Bellingham warten – falls Jobe und Jude mit ihren Verein gegeneinander spielen sollten.

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