Spitzenspiel in der Premier League
Wortgefechte und Schubser statt Tore
11. Jan. 2026, 02:32 Uhr

Der FC Arsenal nähert sich Punkt für Punkt dem Meistertitel, auch wenn es für den Tabellenführer der Premier League im Spitzenspiel gegen den FC Liverpool nur zu einem 0:0 reicht. Für Aufregung sorgen drei Verletzungsunterbrechungen.
Mikel Arteta freute sich am Seitenrand, als hätte sein FC Arsenal in der siebten Nachspielminute das Siegtor erzielt. Der Trainer gestikulierte begeistert, klatschte mehrfach in die Hände und wandte sich seinem für Standards zuständigen Assistenten Nicolas Jover zu. Anlass war der letzte Eckball im Spitzenspiel gegen den FC Liverpool, der angesichts der eigenen Stärke bei Ecken und Freistößen sowie der eklatanten Schwäche des Gegners bei ruhenden Bällen fast einem sicheren Tor gleichkam. Doch diesmal schlug der Tabellenführer der Premier League nicht zu. Der Ball segelte zwar vielversprechend auf den Kopf von Gabriel Magalhães, aber der Innenverteidiger köpfelte aus spitzem Winkel ans Außennetz. Arteta hatte sich zu früh gefreut.
So endete das Duell zwischen Meisterschaftsfavorit Arsenal und Titelverteidiger Liverpool tatsächlich 0:0. Der chancenarme Verlauf spiegelte die Hinrundenpartie wider, als sich beide Mannschaften neutralisierten, ehe Dominik Szoboszlai mit einem späten Freistoßtor die Partie für Liverpool entschied. Einen solchen „magischen Moment“ habe es am Donnerstagabend für sein Team nicht gegeben, bilanzierte Arteta. Seine Elf dominierte die erste Halbzeit, begünstigt vom peitschenden Rückenwindregen, musste aber nach dem Seitenwechsel der hohen Belastung Tribut zollen, als Liverpool das Spielgeschehen bestimmte.
Während die Gunners einige Male Liverpools Schlussmann Alisson Becker prüften, kam Liverpool im gesamten Spiel zu keinem einzigen Schuss aufs Tor – zuletzt war eine derart trostlose Statistik vor genau 600 Ligaspielen im März 2010 gegen Wigan Athletic zu beobachten. Grund dafür war, dass Liverpool wegen der Verletzungen von Alexander Isak und Hugo Ekitiké sowie der Abwesenheit von Mohamed Salah beim Afrika-Cup ohne echten Angreifer in der Startelf agierte. Als einzige Spitze spielte der deutsche Offensivallrounder Florian Wirtz, der seine Rolle eher als Spielmacher denn als Torjäger interpretierte. Fast wäre Wirtz dennoch an der entscheidenden Aktion beteiligt gewesen, als ihm Arsenals Leandro Trossard den Arm als Block in den Bauch rammte. Das Spiel wurde unterbrochen, der Videoschiedsrichter prüfte die Bilder, verzichtete allerdings auf eine Intervention, die eventuell einen Elfmeter zur Folge gehabt hätte.
„Es fällt uns schwer, kompakte Abwehrreihen zu durchbrechen“, räumte Liverpools Trainer Arne Slot ein. Nachdem er zu Saisonbeginn mit riskanten offensiven Aufstellungen überrascht und damit viele Gegentore seines Teams ermöglicht hatte, bemüht er sich nun um Stabilität. Dies bringt ihm jedoch den Vorwurf ein, es sei kaum ein klarer Spielstil unter seiner Leitung zu erkennen. Erschwerend kommt hinzu, dass der Niederländer den Ersatzspielern wenig vertraut und jungen Spielern selten Einsatzchancen gewährt – beides wäre notwendig, um deren Marktwert zu steigern.
Gegen Arsenal tauschte Slot nur einmal – verletzungsbedingt in der Nachspielzeit, als Joe Gomez für Conor Bradley eingewechselt wurde. Das dritte Remis in Serie, zwei davon torlos, war besonders wichtig, um keine neue Trainerdiskussion auszulösen. Liverpool bleibt damit auf dem zur Champions League berechtigenden Platz vier. Der Rückstand auf das enteilte Arsenal beträgt aber schon jetzt 14 Punkte, der Titelverteidiger wird de facto am Saisonende entthront sein. Momentan deutet vor den FA-Cup-Spielen am Wochenende vieles darauf hin, dass Arsenal erstmals seit 2004 Meister wird. Der Klub führt die Tabelle nach den Weihnachts- und Neujahrsspieltagen durch die Patzer der Konkurrenz mit jeweils sechs Punkten Vorsprung auf Manchester City und Aston Villa an.
Die Rivalität zwischen Arsenal und Liverpool, die sich in den vergangenen Jahren intensiviert hat, entlud sich derweil in drei hitzigen Zwischenfällen – jeweils ausgelöst durch verletzungsbedingte Spielunterbrechungen. Zunächst ließ Arsenal in der ersten Halbzeit das Spiel unbeirrt weiterlaufen, obwohl Liverpools Jeremie Frimpong behandelt werden musste. Später reagierte Liverpool auf ähnliche Weise, als der eingewechselte Gabriel Martinelli liegen blieb. Die Szenen führten zu heftigen Wortgefechten und Schubsern – und eskalierten in der Nachspielzeit. An der Seitenlinie klärte Bradley den Ball ins Aus, verdrehte sich das Knie und krümmte sich schmerzverzerrt knapp innerhalb des Felds. Da dies eine schnelle Wiederaufnahme des Spiels verhinderte, verlor Martinelli die Fassung: Er pritschte den Ball auf Bradley und versuchte anschließend, ihn grob mit den Händen vom Platz zu drängen.
Nach der Begegnung entschuldigte sich Martinelli persönlich bei Bradley und erklärte, dass er „im Eifer des Gefechts“ nicht erkannt habe, wie schwer die Verletzung seines Gegenspielers war. Bradley musste schließlich mit der Trage vom Platz gebracht werden.
Erstes Tor nach 140 Tagen
Florian Wirtz trifft erstmals für den FC Liverpool seit seinem Wechsel von Bayer Leverkusen und sorgt so für einen versöhnlichen Jahresabschluss gegen Wolverhampton. Die Erleichterung ist groß - doch alle Probleme sind damit nicht gelöst.
