Jugendtrend im englischen Fußball

Mit 15 in der Premier League

11. Sep. 2025, 17:01 Uhr

Das nächste große englische Talent: Max Dowman debütierte für den FC Arsenal mit 15 in der Premier League. (Foto: Paul Marriott / Imago Images)
Das nächste große englische Talent: Max Dowman debütierte für den FC Arsenal mit 15 in der Premier League. (Foto: Paul Marriott / Imago Images)

Max Dowman debütiert mit 15 für den FC Arsenal in der Premier League und setzt damit neue Maßstäbe. Die Klubs setzen seit einigen Jahren auf immer jüngere Spieler, auch aus finanziellen Gründen. Doch das Alter ist selten ein verlässlicher Erfolgsindikator.

Von Sven Haist, London

Gleich zu Saisonbeginn sorgte Max Dowman in der Premier League für Aufsehen – wegen seines Alters. Der Fussballer debütierte für den Arsenal FC mit gerade einmal 15 Jahren und 235 Tagen. Damit avancierte der Teenager zum zweitjüngsten Spieler in der Geschichte des englischen Spitzenfussballs. Nur sein Teamkollege Ethan Nwaneri war noch jünger, als er vor drei Jahren mit 15 Jahren und 181 Tagen erstmals in der höchsten englischen Liga spielte – ebenfalls für Arsenal.

Womöglich hätte Dowman diesen Altersrekord in der vergangenen Saison gebrochen, nachdem er sich bereits im Winter-Trainingslager 2025 erstmals für das Fanionteam des Trainers Mikel Arteta empfohlen hatte. Doch eine Altersregelung verhinderte seinen Einsatz in der Rückrunde: Am Stichtag der letzten Spielzeit, dem 31. August 2024, hatte Max Dowman das 15. Lebensjahr noch nicht vollendet – weshalb er für die gesamte Premier-League-Saison 2024/25 nicht spielberechtigt war.

Experte Theo Walcott erinnern die Bewegunge von Max Dowman an Messi

Auch ohne diesen Rekord gilt der junge Engländer als «the next big thing», wie vielversprechende Talente im Mutterland des Fussballs genannt werden. Seine besonderen Fähigkeiten stellte Max Dowman bereits in seinen ersten Einsätzen unter Beweis: Bei seinem Einstand gegen Leeds United holte er in der Nachspielzeit einen Elfmeter heraus, den Viktor Gyökeres zum 5:0-Endstand verwandelte. Und auch im Spitzenspiel gegen den Liverpool FC (0:1) wurde er eingewechselt. Jüngst erregte ein Zusammenschnitt seines Debüts für die englische U-19-Auswahl gegen Spanien (3:3) viel Aufmerksamkeit. Der Flügelspieler war kaum zu bremsen und wurde allein in der ersten Halbzeit zehn Mal gefoult. Den früheren Arsenal-Spieler Theo Walcott, der einst selbst früh den Durchbruch geschafft hatte, erinnerten Dowmans B­ewegungen gar an Lionel Messi. Wie dieser werde auch Dowman mit dem Ball am Fuss schneller, sagte Walcott.

Zuletzt erzielte der 16-jährige Rio Ngumoha das Siegtor für Liverpool

Der Hype um Max Dowman steht exemplarisch für einen Trend in der Premier League: Die Vereine setzen zunehmend auf immer jüngere Spieler. Der Begriff Jugendwahn wirkt kaum übertrieben, um das Phänomen zu erfassen. In diese­m Kalenderjahr debütierten bei den Profis neben Dowman zahlreiche weitere Teenager, die noch nicht volljährig sind. So kamen etwa die 17-jährigen Chido Obi und Harry Howell für Manchester United und Brighton & Hove Albion in der Premier League zum Einsatz, während der Chelsea FC und der Liverpool FC sogar zwei 16-Jährige aufboten: Reggie Walsh spielte in der vergangenen Saison in der Conference League für Chelsea, und Rio Ngumoha erzielte vor wenigen Wochen das Siegtor für Liverpool gegen Newcastle United (3:2) – er ist nun der viertjüngste Torschütze der Premier League.

Die starke Entwicklung von jungen Spielern begann mit einer Jugendreform 2012

Zwar gab es solche Beispiele bereits in früheren Jahrzehnten, doch nie in dieser Häufigkeit. Die Entwicklung nahm ihren Anfang im Jahr 2012, als der damalige Liga-Chef Richard Scudamore die Vereine zum sogenannten Premier League Elite Player Performance Plan bewog – einem Förderkonzept, das gezielte Investitionen in den Jugendfussball vorsah. Der Fokus auf der Ausbildung von Spielern und Trainern sowie der Ausbau der Infrastruktur waren eine direkte Reaktion auf das damalige schwache Abschneiden der englischen Nationalmannschaft und sollte helfen, eine neue Generation einheimischer Talente heranzubilden. Die Resultate dieser Reformen lassen sich mittlerweile klar erkennen: Das Durchschnittsalter in der Premier League ist sowohl individuell als auch mannschaftlich gesunken.

Erstmals seit zwei Jahrzehnten kamen in der vergangenen Saison alle Teenager, bis zum 20. Geburtstag zusammengerechnet, auf mehr als vierhundert Einsätze in der Premier League. Und auch das Durchschnittsalter der jüngsten Startformationen ist seit der Saison 2016/17 um bemerkenswerte zwei Jahre gesunken – von rund 25 auf 23. Das gestiegene Vertrauen in die Jugend basiert auf der immer besseren Qualität der Talente. In den Akademien werden junge Spieler gezielt auf den Profifussball vorbereitet – wie Max Dowman, der schon im Alter von fünf Jahren zu Arsenal kam. Zugleich sind junge Spieler aufgrund fehlender Erfahrung häufig kostengünstiger als Routiniers. Daher bemühen sich Vereine frühzeitig um die besten Talente und versuchen, diese so früh wie möglich bei den Profis einzusetzen und zu etablieren.

Um Dowmans Belastung zu steuern, gewährte ihm Trainer Arteta eine Woche Urlaub

Allerdings ist das exakte Alter, in dem ein Spieler seinen ersten Profi-Match absolviert, bis jetzt selten ein verlässlicher Indikator für eine erfolgreiche Karriere. In der Liste der zwanzig jüngsten Premier-League-Debütanten taucht lediglich Wayne Rooney auf Rang zwanzig auf – später wurde er zu einem prägenden Spieler seiner Generation. Die Crux: Ein früher Durchbruch geht fast immer mit steigendem öffentlichem Interesse und wachsender Erwartungshaltung einher. Beides kann die Persönlichkeitsentwicklung junger Spieler empfindlich beeinträchtigen. Die physische Beanspruchung ist ebenfalls nicht zu unterschätzen, zumal mögliche Verletzungen die Laufbahn nachhaltig beeinflussen können. Um Dowmans Belastung zu steuern, gewährte ihm der Arsenal-Trainer Arteta während der Saisonvorbereitung jüngst eine einwöchige Pause. Der Teenager hatte wegen schulischer Verpflichtungen bis dahin keine Möglichkeit zur Erholung gehabt.

Zum Schutz der jungen Spieler gibt es bis heute nur wenige Bestimmungen. Die Sicherheitsprotokolle der Premier League schreiben vor, dass sich Spieler bis zum Alter von 18 Jahren in separaten Räumen umziehen müssen. In die Mannschaftskabine dürfen sie nur zu Besprechungen. Abgesehen davon sind die Klubs im Umgang mit ihren Talenten weitgehend auf sich allein gestellt. Der Arsenal FC hat MAx Dowman mittlerweile für das Kader in der Champions League nominiert. Sollte er bis zu seinem 16. Geburtstag am letzten Tag dieses Jahres zum Einsatz kommen, würde er zum jüngsten Spieler in der Geschichte des Wettbewerbs.

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