FC Liverpool entlässt Arne Slot
Liverpool traut Slot nächsten Umbruch nicht zu
05. Juni 2026, 00:58 Uhr

Der FC Liverpool möchte die jüngsten Turbulenzen hinter sich lassen und bezweifelt, dass Arne Slot die Mannschaft zurück auf Titelkurs führen kann. Nun muss der Klub zeitnah einen Nachfolger präsentieren – und den Kader überdenken.
In den vergangenen zehn Jahren gehörte der FC Liverpool stets zu den konstantesten Vereinen der Premier League. Saison für Saison hat Liverpool mindestens den fünften Tabellenplatz belegt. Dennoch musste der englische Fußball-Rekordmeister nach großen Erfolgen mehrmals einen kurzzeitigen sportlichen Einbruch verkraften. So stand unter Trainer Jürgen Klopp in den Spielzeiten 2020/21 und 2022/23 sogar jeweils zu befürchten, dass die Reds die Champions-League-Teilnahme verpassen. Auch Klopps Nachfolger Arne Slot hat nun dieses Phänomen erlebt. Nach der glanzvollen Meisterschaft in seiner Debütsaison 2024/25 gelang es dem Niederländer in dieser Saison nicht, daran anzuknüpfen. Erst am letzten Spieltag hat sich Liverpool in der Vorwoche als Tabellenfünfter die Qualifikation für die Königsklasse gesichert.
Im Gegensatz zu Klopp traut der FC Liverpool Slot nun allerdings nicht mehr zu, die Mannschaft wieder auf Titelkurs zu bringen. Am Samstag hat der Klub in einer ungewohnt ausführlichen Mitteilung die überraschende Trennung von Arne Slot bekanntgegeben.
Der Vertrag des Trainers lief bis Juni 2027, und Slot hatte sich bis zuletzt öffentlich fest davon überzeugt gezeigt, ihn auch erfüllen zu dürfen. Einen möglichen Hinweis darauf, wie schwer sich der Verein mit der Entscheidung getan haben muss, geben sowohl der Inhalt als auch Zeitpunkt der Erklärung: Veröffentlicht wurde sie viereinhalb Stunden vor dem Champions-League-Finale. Es wirkte, als habe Liverpool die Aufmerksamkeit für die Nachricht bewusst möglichst klein halten wollen.
Zudem mutet das Schreiben eher wie eine Würdigung als eine Kündigung an. Bezeichnend ist der vorletzte Absatz. Darin heißt es zwar, die Entwicklung der Mannschaft könne „am besten durch einen Richtungswechsel vorangetrieben“ werden. Zugleich schränkte der Verein ein, dies solle keinesfalls Slots Arbeit „schmälern“ oder als „Bewertung von seinen Fähigkeiten verstanden“ werden. Die Dankbarkeit gegenüber dem 47-Jährigen speist sich vor allem daraus, dass er den als schwierig geltenden Übergang nach dem Abschied der übermächtigen Figur Klopp zunächst eindrucksvoll bewältigt hatte. Mit klugen Akzenten verfeinerte Slot die bereits wieder aufstrebende Mannschaft. Dazu gehörte die Einbindung des vorher kaum beachteten Talents Ryan Gravenberch als Ballverteiler im defensiven Mittelfeld. Der frühere Bayern-Profi gilt inzwischen als einer der besten Spieler der Welt auf seiner Position.
Offenbar ist sich Liverpool bewusst, dass Slot die sportliche Delle nach der fundamentalen Kadererneuerung im Vorsommer für eine halbe Milliarde Euro – dazu gehörte die kostspielige Verpflichtung des deutschen Nationalspielers Florian Wirtz – keineswegs allein zu verantworten hatte. Zu viele Personalentscheidungen im Management um den vor zwei Jahren als Fußball-CEO zurückgekehrten früheren Sportdirektor Michael Edwards und dessen Nachfolger Richard Hughes sind bislang kaum aufgegangen. Hinzu kam die große Trauer um den im vergangenen Juli bei einem Autounfall ums Leben gekommenen Angreifer Diogo Jota, dessen Tod alle im Verein erschütterte.
Mit dem Trainerwechsel versucht der Klub jetzt, die Turbulenzen dieser Saison demonstrativ hinter sich zu lassen. Die Unzufriedenheit der LFC-Fans hatte sich nach insgesamt 19 Saisonniederlagen zunehmend problematisch gegen Slot gerichtet. Sie warfen ihm hauptsächlich zwei Dinge vor: die Aufweichung der unter Klopp klar definierten, mitreißenden Spielweise sowie den Umstand, dass die etablierten Meisterspieler und Zugänge offenbar keine Einheit bildeten. Letzteres schien spätestens offensichtlich zu werden, als der langjährige Torjäger Mohamed Salah im Dezember 2025 öffentlich auf Konfrontationskurs zum Trainer ging.
Für die Saisonplanung muss Liverpool möglichst rasch einen neuen Coach präsentieren. Als Kandidat gilt der Spanier Andoni Iraola, der nach drei Jahren seinen Vertrag beim AFC Bournemouth auslaufen ließ und mit dem sich offenbar auch Bayer Leverkusen intensiv beschäftigt. Iraola war vor drei Jahren unter der Verantwortung des damals in Bournemouth tätigen Managers Hughes eingestellt worden und führte den Außenseiter in dieser Saison erstmals in die Europa League. Liverpool dürfte sich, wenn auch nur pro forma, zudem bei Klopp erkundigen, ob er seine Expertentätigkeit bei der WM 2026 und seine Rolle als globaler Fußballchef von Red Bull nicht gegen eine zweite Amtszeit in Anfield eintauschen möchte. Amüsanterweise wäre auch Pep Guardiola, gerade beim Rivalen Manchester City zurückgetreten, auf dem Markt. Eine Zusage Guardiolas ist allerdings ungefähr so realistisch wie eine Wiedereinstellung Slots.
Die Trainerentlassung beschert dem FC Liverpool nun noch mehr Arbeit als ohnehin schon. Der Kader muss erneut grundlegend überdacht werden. Neben Salah und Routinier Andrew Robertson verlässt womöglich auch Innenverteidiger Ibrahima Konaté den Klub, mit dem Franzosen wurde noch keine Einigung über eine Verlängerung seines auslaufenden Vertrags erzielt. In gewisser Weise erinnert der undefinierte Zustand des Klubs damit an jenes Szenario, das angesichts der Bedeutung Klopps bereits vor zwei Jahren befürchtet worden war. Für den kommenden Trainer wird es darum gehen, das Potenzial der Mannschaft wieder freizulegen – und eine weitere Krisensaison zu verhindern.
Arne Slot tritt ein Luftloch
Der FC Liverpool kassiert innerhalb einer Woche die dritte Niederlage in Serie. Das 1:2 beim FC Chelsea offenbart strukturelle Defizite auf den Außenpositionen im teuer eingekauften Wunschteam von Arne Slot. Auch Florian Wirtz kommt erneut kaum zur Geltung - was ihm einen spöttischen Spitznamen einbringt.
