Luis Díaz zum FC Bayern

Der zweifache Nachfolger von Sadio Mané

29. Juli 2025, 21:25 Uhr

Die Karrierewege von Sadio Mané und Luis Díaz ähneln sich: Für beide geht es nach gescheiterten Vertragsverhandlungen vom FC Liverpool zum FC Bayern. (Foto: Matt West / Shutterstock / Imago Images)
Die Karrierewege von Sadio Mané und Luis Díaz ähneln sich: Für beide geht es nach gescheiterten Vertragsverhandlungen vom FC Liverpool zum FC Bayern. (Foto: Matt West / Shutterstock / Imago Images)

Der FC Bayern präsentiert Luis Díaz als Königstransfer für die neue Saison. Der Kolumbianer kommt für bis zu 75 Millionen Euro vom FC Liverpool. Doch der Transfer des 28-jährigen Kolumbianers löst wenig Begeisterung aus – und wirkt kaum nachhaltig.

Von Sven Haist, München

Kaum ein Toptransfer des FC Bayern hat in der Vergangenheit ein derart verhaltenes Echo ausgelöst wie die Verpflichtung von Luis Díaz. Der Kolumbianer traf am Dienstagmorgen unspektakulär mit einem Linienflug in München ein, nachdem er über Nacht das Trainingslager des FC Liverpool in Japan verlassen hatte. Eine Delegation des FC Bayern nahm Díaz am Flughafen in Empfang, begleitete ihn zum Medizincheck und anschließend zur Vertragsunterzeichnung bis Juni 2029 in die Geschäftsstelle an der Säbener Straße. Abgesehen von einigen anwesenden Medienvertretern blieb seine Ankunft weitgehend unbeachtet.

Die Zurückhaltung der Fans dürfte weniger dem sympathisch bescheidenen Auftreten des Zugangs geschuldet sein als den enttäuschten Erwartungen: Zum Trainingsauftakt am Montag hatte der Rekordmeister eigentlich Florian Witz als Königstransfer präsentieren wollen, der sich bekanntlich jedoch für Liver­pool entschied. Auch das umworbene Supertalent Nico Williams bleibt vorerst bei Athletic Bilbao. Beide Absagen setzten die Vereinsführung um den zuletzt zunehmend verzweifelt nach renommierten Spielern suchenden Sportvorstand Max Eberl erheblich unter Zugzwang – und genau diesen lassen sich die Reds sowie Díaz entsprechend vergüten.

Luis Díaz ist der drittteuerste Transfer des FC Bayern

Um den Transfer zu finalisieren, ist der FC Bayern bereit, eine enorme Sockelablöse von 67,5 Millionen Euro an Liverpool zu entrichten. Durch Bonuszahlungen könnte die Gesamtsumme für Díaz auf bis zu 75 Millionen ansteigen. Damit avanciert der 28-Jährige zum drittteuersten Spielereinkauf der Klubgeschichte – hinter Harry Kane und Lucas Hernández. In München soll der Linksaußen den ablösefreien Abgang von Leroy Sané zu Galatasaray Istanbul kompensieren. Auf dieser Position hatte sich der im Winter 2022 vom FC Porto abgeworbene Díaz in Liverpool zum Leistungsträger entwickelt. Damals trat er in die Fußstapfen von Sadio Mané, der ein halbes Jahr später seinerseits zum FC Bayern wechselte, aber den Verein nach einer Saison schon wieder verließ. In gewisser Weise wird Díaz nun zum zweiten Mal Nachfolger von Mané.

Auch die Spielerprofile der beiden weisen Ähnlichkeiten auf: Díaz und Mané bevorzugen es jeweils, mit Tempo von der linken Seite nach innen zu ziehen und mit dem rechten Fuß den Abschluss zu suchen. Alternativ können sie als Mittelstürmer agieren. Während Mané torgefährlicher und direkter auftritt, zählt Díaz zur Kategorie der unermüdlichen Kämpfer. In seinen Dribblings besticht er statt mit eleganter Finesse eher durch hohe Intensität, Zähigkeit und blitzschnelle Richtungswechsel. Sein aufopferungsvoller Einsatz – auch in der Defensive – dürfte zum laufintensiven Pressingfußball des Trainers Vincent Kompany passen.

Die Mentalität von Díaz spiegelt die Härte seiner Kindheit wider

Díaz‘ Mentalität spiegelt die Härte seiner Kindheit in La Guajira wider, einer Grenzregion zu Venezuela, geprägt von Armut und Kriminalität. Auf staubigem Geröll brachte sich Díaz das Fußballspielen selbst bei, wurde spät entdeckt und wechselte erst mit 22 nach Europa. Wenn jemand wisse, was es bedeute, für den eigenen Erfolg zu kämpfen, sei es Luis Díaz, lobte Jürgen Klopp.

Sein Abschied schmerzt die Reds zwar: Díaz kommt auf 64 Torbeteiligungen in 148 Pflichtspielen und nur eine schwere Knieverletzung zwang ihn einmal zu einer sechsmonatigen Pause. Trotzdem ist seine Freigabe ein wirtschaftlich kaum auszuschlagendes Angebot – ähnlich wie einst Manés Wechsel für 30 Millionen nach München im Sommer 2022. Da sein Vertrag 2027 ausgelaufen wäre, war dies für Liverpool die letzte Gelegenheit, eine Ablöse in der vereinbarten Höhe zu erzielen, mit dem man den eigenen Kaderumbau in diesem Sommer querfinanzieren kann. Zumal zuvor mehrere Gespräche über eine Verlängerung gescheitert waren: Eine Gehaltserhöhung auf das Niveau von Topverdienern lehnten die Liverpooler Verantwortlichen ab.

Beim FC Bayern erhält Luis Díaz ein Vielfaches seines Gehalts in Liverpool

Diese Aufwertung nimmt jetzt wie damals bei Mané der FC Bayern vor, der Díaz offenbar bis zu 14 Millionen Euro pro Jahr bietet – ein Vielfaches des kolportierten mittleren einstelligen Millionenbetrags, den er in Liverpool erhielt. Weder die opulenten Ausgaben noch das Alter des Spielers schreckten die Bayern ab. Dabei umfasst der Münchner Kader bereits elf regelmäßig eingesetzte Akteure im Kader, die 28 Jahre oder älter sind – annähernd so viele Routiniers beherbergten im Spitzenfußball zuletzt nur Inter Mailand und Manchester City. Zwar haben Eberl und Co. den aus ihrer Sicht notwendigen, namhaften Offensivspieler bekommen, hinter dessen Strahlkraft sich auch erst mal ein Stück weit strategisch verstecken lässt. Doch die Nachhaltigkeit des Transfers bleibt zweifelhaft. Für Begeisterung muss nun Luis Díaz auf dem Platz sorgen.

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