Spitzenspiel zwischen City und Arsenal

Der Sieger heißt Jürgen Klopp

31. Mrz 2024, 21:33 Uhr

Er stand im Mittelpunkt des Spiels: Arsenal-Stürmer Gabriel Jesus grätscht bei der besten Chance knapp am Ball vorbei. (Foto: Martin Rickett)
Er stand im Mittelpunkt des Spiels: Arsenal-Stürmer Gabriel Jesus grätscht bei der besten Chance knapp am Ball vorbei. (Foto: Martin Rickett)

Der FC Arsenal holt durch das 0:0 erstmals seit mehr als acht Jahren einen Punkt bei Manchester City und stellt damit sein Stehvermögen unter Beweis. Trainer Mikel Arteta verordnet seinem Team eine strikte Defensivtaktik, die City entvervt – aber profitieren tut der FC Liverpool.

Von Sven Haist, Manchester

Mikel Arteta ließ sich unmittelbar nach Spielende zunächst keine Emotion entlocken, sein Gesichtsausdruck war fast genauso stoisch, wie seine Mannschaft zuvor verteidigt hatte. Doch als die Spieler von Manchester City und deren Trainer Pep Guardiola enttäuscht das Stadion verlassen hatten, zeigte der Trainer des FC Arsenal auf dem Weg zu den eigenen Fans, was er vom Ergebnis des Spitzenspiels in der Premier League wirklich hielt: Er lächelte ziemlich verschmitzt. Denn Arsenal holte erstmals seit Mai 2016 einen Punkt im Stadion von City, zuletzt gingen auswärts alle acht Pflichtspiele gegen Guardiolas Team verloren, Torverhältnis 4:22.

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Durch das 0:0 bleibt Arsenal in der Tabelle um einen Punkt vor dem Serienmeister, der erstmals seit März 2022 zu Hause kein Tor erzielte (und auch nur einen Schuss aufs Tor zustande brachte). Damals gab es das gleiche Resultat im Achtelfinal-Rückspiel der Champions League gegen Sporting Lissabon, das Hinspiel hatte City 5:0 gewonnen. Noch mehr als Arteta dürfte sich aber Jürgen Klopp am Sonntagabend über den trostlosen Spielausgang gefreut haben – weil sein FC Liverpool nun neuer Tabellenführer ist. Der Vorsprung auf Arsenal beträgt zwei, der auf City drei Punkte. Damit könnte Klopp mit Liverpool auf seiner Abschiedsrunde in England mit neun Siegen in den verbleibenden neun Spielen aus eigener Kraft die Meisterschaft gewinnen – und Liverpool mit dem möglichen 20. Titel mit Rekordchampion Manchester United gleichziehen.

Trotz 75 Prozent Ballbesitz gelang City nur ein Schuss aufs Tor

Liverpools 2:1 gegen Brighton einige Stunden zuvor hatten die meisten City-Fans auf den Bildschirmen bei den Imbissständen im Stadioninnenraum verfolgt. Sie hofften auf einen Punktverlust. Doch Klopps Equipe drehte Brightons Führung durch Tore von Luis Díaz und Mohamed Salah und erhöhte damit den Druck auf die beiden Titelkonkurrenten.

Die Gunners hatten die Auswärtsreise nach Manchester auch mit selbstbewussten Aussagen angetreten. Mittelfeldspieler Declan Rice, teuerster Spieler der Klubgeschichte, betonte, die Mannschaft sei ein “neues Arsenal” und bereit, die Meinung der Leute in England zu verändern. Dem Klub haftet auf der Insel das Image an, ihm würde das nötige Stehvermögen in den entscheidenden Spielen fehlen, weil er in der Vorsaison die Meisterschaft und ein Jahr davor die Qualifikation für die Champions League trotz Vorsprungs am Ende knapp verpasst hatte.

Die großzügige Linie des Schiedsrichters kam Arsenal entgegen

Doch der Auftritt in Manchester konnte zunächst nicht mit den Ankündigungen mithalten. Das in personeller Bestbesetzung antretende Arsenal zog sich an den eigenen Strafraum zurück und versuchte, dem gegnerischen Kombinationsfußball so den Schwung zu nehmen. Aus dieser defensiven Spielhaltung gelang es kaum, eigene Torgefahr zu entwickeln, aber auch City kam zu keinen Chancen – trotz bisweilen 75 Prozent Ballbesitz.

Artetas Mannschaft war bemüht, bei jeder Gelegenheit den Spielfluss zu stoppen, notfalls mit Fouls. Schon in der Anfangsphase hätte Arsenals Linksaußen Gabriel Jesus für die Verhinderung eines City-Angriffs die gelbe Karte sehen müssen. Dass Schiedsrichter Anthony Taylor in dieser wie in vielen anderen Aktionen darauf verzichtete, machte das Vorgehen der Gäste wirkungsvoll. Die City-Spieler wirkten schnell frustriert und die Fans unruhig, sodass kaum Heimspielatmosphäre entstand. Und kurz vor dem Ende der ersten Halbzeit musste Guardiola auch noch den verletzten Abwehrspieler Nathan Aké auswechseln. Zuvor waren schon Rechtsverteidiger Kyle Walker und Innenverteidiger John Stones angeschlagen von den Länderspielen zurückgekehrt. Beide kamen nicht zum Einsatz. Das Heimpublikum applaudiert Schiedsrichter Taylor höhnisch.

Das Spiel wirkte wie ein Gegenentwurf zu den Guardiola-Klopp-Duellen

So sah das taktisch geprägte Spiel wie ein Gegenentwurf der Guardiola-Klopp-Partien aus, die fast immer einem offenen Schlagabtausch glichen. Mehr als der Sieg stand für die Gunners offensichtlich im Vordergrund, nur nicht wieder in Manchester zu verlieren und ein Debakel zu erleiden. Daher änderte Arteta nichts am eigenen Vorgehen und zementierte später mit der Einwechslung von Thomas Partey und Takehiro Tomiyasu weiter die Defensive. Und auch Referee Taylor hielt an seiner Spielleitung fest. Er dachte wohl, dem Spiel mit seiner großzügigen Linie einen Gefallen zu tun – dabei tat er damit eher das Gegenteil. Als es nach 51 Minuten aussah, als würde er jetzt tatsächlich Arsenal nach mehreren Vergehen die erste gelbe Karte zeigen, brandete ironischer Jubel im Stadion auf. Allerdings ging dieser in höhnischen Applaus über, da Taylor kurz entschlossen erneut darauf verzichtete.

Kevin De Bruyne streckte Taylor vier Finger entgegen (für die Zahl der Fouls in dieser Szene) und Erling Haaland lachte sarkastisch. Die Frage, wann ein Spieler von Arsenal sanktioniert werden würde, beschäftigte die Leute bisweilen mehr als die nach dem ersten Tor. Aber in der 67. Minute war es dann so weit: Nach einem Freistoßpfiff erzwang Jesus förmlich die Verwarnung, als er den Ball absichtlich nicht herausrückte und dann zusätzlich wegkickte. Welchen Einfluss die Entscheidungen von Taylor auf das Spiel nahmen, ließ sich daran erkennen, dass Arteta Jesus umgehend danach auswechselte, um keinen Platzverweis zu riskieren.

Beinahe wäre Arsenal sogar der Siegtreffer gelungen

Arsenal bemühte sich bis zum Schluss, die Angelegenheit im City-Stadion so steril wie möglich zu halten. Auf diese Art erbrachten die Gunners den Nachweis, auswärts in dieser Saison klar an Schneid gewonnen zu haben. Allerdings fehlte der Mannschaft bei den eigenen Kontern die Kaltschnäuzigkeit, um das Spitzenspiel für sich zu entscheiden. Bei der besten Möglichkeit grätschte Jesus zu Beginn der zweiten Halbzeit an einem Zuspiel von Bukayo Saka knapp vorbei. Der verpasste Sieg hielt Mikel Arteta freilich nicht ab, sich über das Remis zu freuen – aber wirklich gewonnen hatte Jürgen Klopp.

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