Manchester City verliert gegen Tottenham

Übervoll und ernüchtert

23. Aug. 2025, 21:00 Uhr

Manchester City hatte Tottenham Hotspur kaum etwas entgegen zu setzen - so wie hier Rico Lewis (City) im Duell mit Cristian Romero (Tottenham). (Foto: Mark Cosgrove / News Images / Imago Images)
Manchester City hatte Tottenham Hotspur kaum etwas entgegen zu setzen - so wie hier Rico Lewis (City) im Duell mit Cristian Romero (Tottenham). (Foto: Mark Cosgrove / News Images / Imago Images)

Zweites Saisonspiel, erste Niederlage: Pep Guardiolas Manchester City unterliegt Tottenham Hotspur mit 0:2. Doch anders als in der Vorsaison bereitet dem Trainer diesmal nicht ein Mangel an Spielern Schwierigkeiten, sondern die Herausforderung eines aufgeblähten Kaders.

Von Sven Haist, Manchester

Es ist schon wieder passiert, jubilierten die Fans von Tottenham Hotspur: „It’s happened again.“ Dabei spielte der Fußballanhang aus London weniger auf den erneuten Auswärtssieg seines Klubs bei Manchester City an, sondern prophezeite dem Gegner eine ähnlich unrühmliche Spielzeit wie zuletzt. In der Vorsaison hatte beim Serienmeister nach dem 0:4-Debakel gegen Tottenham Hotspur in eine Krise begonnen, die einen Generationswechsel zur Folge hatte. Im Vergleich zum Aufeinandertreffen im November 2024 standen sechs neue Spieler in der Startelf von Trainer Pep Guardiola – doch das Resultat fiel aus Sicht von Manchester City erneut ernüchternd aus.

Nach dem Auftaktsieg vor einer Woche, als City phasenweise so dominant auftrat wie zu besten Guardiola-Zeiten, erinnerte das 0:2 (0:2) am Samstagnachmittag an die Vorsaison, die erste titellose Spielrunde seit acht Jahren. Zunächst wurde City in der 35. Minute beim Führungstreffer von Brennan Johnson klassisch ausgekontert, eine knapp hinter der Mittellinie aufgebaute Abseitsfalle funktionierte nicht. Kurz darauf leistete sich der vom FC Burnley zurückgeholte Torwart James Trafford, der den angeschlagenen Stammkeeper Ederson ersetzte, einen haarsträubenden Fehlpass im eigenen Strafraum. Der vom FC Bayern ausgeliehene João Palhinha nutzte diesen zu seinem ersten Pflichtspieltreffer für Tottenham (45.+2) – bei 25 Einsätzen für die Bayern war dem dort wenig geschätzten Mittelfeldprofi keine einzige Torbeteiligung gelungen.

Trotz acht Fortgängen stehen noch immer 28 Spieler im Kader

Die beiden Gegentore ähnelten aus Sicht von Manchester City frappierend den Szenen aus dem Vorjahresduell. Damals trat Guardiolas von Verletzungen geplagte Elf mit dem letzten Aufgebot an. Jetzt lag es nicht an fehlendem Personal, im Gegenteil: Manchester City verfügte über einen nahezu übervollen Kader. Der Auftritt sah erstaunlich unabgestimmt aus – fast wie die Laufwege des Trainerteams, das Guardiola im Sommer ebenfalls umgestaltet hatte. In einer Spielsituation drängten sich so viele Assistenten am Seitenrand neben dem Chefcoach, das der Vierte Offizielle gezwungen war, einen von ihnen zurückzuschicken. Der Kader befindet sich trotz der begonnenen Saison mitten im Umbruch. Viele Zugänge haben sich noch nicht vollständig integriert – und zahlreiche entbehrliche Akteure befinden sich weiterhin im Aufgebot. Das sorgt für eine Unruhe, wie sie der Klub seit Guardiolas Debütsaison 2016/17 nicht mehr erlebt hat.

Gegen Tottenham strich Guardiola Gündogan, Akanji und Ortega aus dem Kader

Trotz bereits acht Fortgängen – darunter die früheren Leistungsträger Kevin De Bruyne (SSC Neapel), Kyle Walker (FC Burnley) sowie Rekordeinkauf Jack Grealish, der zum FC Everton ausgeliehen ist – umfasst der Kader von Manchester City noch 24 Feldspieler sowie vier Torhüter. Während in der Champions League ein Spieltagsaufgebot aus bis zu 22 Akteuren Geltung hat, ist die Zahl in der Premier League auf 20 Spieler begrenzt. Das führte dazu, dass Guardiola neben den verletzten Mateo Kovacic, Josko Gvardiol und Kalvin Phillips mehrere Routiniers aus dem Kader gegen Tottenham streichen musste.

Betroffen waren die ehemaligen Bundesligaprofis Ilkay Gündogan, Manuel Akanji und Stefan Ortega, der in der Torhüter-Hierarchie auf Rang drei abgerutscht ist. Ebenfalls fehlte der angeschlagene Savinho, dem ein Transfer zu Tottenham bevorzustehen scheint. Zwar gilt der Angreifer als großes Talent, doch die kolportierte Ablöse von 50 Millionen Euro könnte benötigt werden, um die hohen Transferausgaben zu kompensieren. Allein im Jahr 2025 investierte der Klub rund 400 Millionen Euro in elf Zugänge – dem gegenüber stehen bislang lediglich Einnahmen in Höhe von 60 Millionen Euro.

Manchester City bemüht sich um weitere Verkäufe – aber die Spieler fühlen sich wohl

Angesichts dieser Lage bemüht sich der Manchester City um weitere Verkäufe. Guardiola betont immer wieder seine Unzufriedenheit über die Kadergröße. Bereits zum Ende der Vorsaison erhöhte er den Druck, als er öffentlich damit kokettierte, sein Amt in Manchester niederzulegen, sollte es nicht gelingen, mehrere Spieler abzugeben. Es falle ihm schwer, seinen Spielern mitzuteilen, dass sie auf der Tribüne Platz nehmen müssten. Diese Ankündigung verfehlte jedoch die erhoffte Wirkung, weshalb sich Guardiola zunehmend resigniert äußert. Kürzlich bekräftige er, es sei „nicht gesund“, wenn Spieler keine Einsatzzeiten erhielten, da dies die Arbeitsatmosphäre belaste. Seine Haltung sei dem Management bekannt, wiederholte er, sie sei keine Neuigkeit.

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Obschon Guardiola keine konkreten Namen möglicher Verkaufskandidaten nannte, spricht vieles dafür, dass er mit den gegen Tottenham außen vor gelassenen Gündogan, 34, Akanji, 30, und Ortega, 32, nicht mehr plant. Alle drei kamen auch eine Woche zuvor nicht zum Einsatz. Im Falle von Gündogan halten sich Gerüchte über eine Rückkehr in die Bundesliga, während Galatasaray Istanbul offenbar an Akanji interessiert ist.

In einer Woche endet die Transferfrist

Die Abwicklung möglicher Transfers gestaltet sich jedoch zäher als erwartet. Die Spieler fühlen sich in Manchester offenbar wohl – nicht zuletzt wegen ihrer großzügigen Verträge, die aus den Erfolgen der Vergangenheit resultieren. Hinzu kommen exzellente Rahmenbedingungen: hochmodernes Trainingsgelände, international anerkannter Trainer, ein Team mit Potenzial. Auch das Alter einiger Spieler wirkt sich negativ auf das Interesse anderer Klubs aus. Zudem wissen diese um den dringenden Handlungszwang: Eine ansprechende Ablöse dürfte sich so eher nicht erzielen lassen.

Um die Personalien zu lösen, bleibt Manchester City eine Woche Zeit, ehe das Wechselfenster am 1. September schließt. Die Tabellenführung der Premier League hat der Klub erst einmal verloren – an Tottenham Hotspur, ehe später der FC Arsenal vorbeizog.

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