Trainer Pep Guardiola
Nächster melodramatischer Abschied
21. Mai 2026, 17:05 Uhr

Barcelona, München, Manchester: Wenn Pep Guardiola einen Klub verlässt, wird es emotional. Das liegt vor allem an seiner tiefen Verbundenheit zu Spielern, Fans und Vereinen.
Die Trainerstationen von Pep Guardiola sind geprägt von Titeln – und ebenso von komplizierten Abschieden. Sowohl bei seinem Heimatklub FC Barcelona als auch danach beim FC Bayern hatte er erkennbare Mühe, seinen eigenen Abschied mitzuteilen. Am Ende seiner insgesamt vier Jahre in Barcelona von 2008 bis 2012 geriet die Trennung zu einer monatelangen Hängepartie, ehe der Katalane kurz vor Saisonende auf einer Pressekonferenz und vor den Augen mehrerer Spieler bedeutungsschwer erklärte, es sei „Zeit zu gehen“. Ähnlich verlief es bei den Bayern, als eine halbe Saison vor Ablauf seines bis 2016 laufenden Dreijahresvertrags bekannt wurde, dass er zu Manchester City geht. Karl-Heinz-Rummenigge, damals Vorstandsvorsitzender, sagte dazu, Guardiola habe sich für diese Entscheidung bei ihm „beinahe entschuldigt“.
Auch in Manchester setzt sich dieses Muster fort – in überaus melodramatischer Form. Zuletzt entstand der Eindruck, als schiebe Guardiola die Verkündung seines sich seit geraumer Zeit andeutenden Rücktritts so lange vor sich her, bis diese sich praktisch von selbst erledigt. In gewisser Weise schien genau das nun am späten Montagabend einzutreten, als sich das Gerücht in der Fußballöffentlichkeit verbreitete: Guardiola, 55, werde nach dieser Saison bei Manchester City aufhören. Demnach würde der Katalane am Sonntag im Premier-League-Heimspiel gegen Aston Villa tatsächlich sein letztes Spiel für die Citizens am Seitenrand bestreiten. Als Nachfolger ist wohl Enzo Maresca vorgesehen, der einst Jugendtrainer bei Manchester City war und an Neujahr beim FC Chelsea entlassen wurde.
Mehr als die Nachricht selbst überrascht der Zeitpunkt: während des Ligaspiels des Titelrivalen FC Arsenal gegen Burnley (1:0) und einen Tag vor Citys wichtigem Auswärtsspiel beim AFC Bournemouth. Offensichtlich gelang es nicht länger, die Entscheidung intern geheim zu halten. Verein und Trainer äußerten sich bislang nicht zu den Spekulationen. Doch Guardiolas Reaktion nach dem FA-Cup-Sieg gegen Chelsea (1:0) am vergangenen Samstag sprach für sich. Anders als nach dem ersten Saisontitel im League Cup vor zwei Monaten, als er seine Spieler erleichtert umarmte und jubelnd mit seiner Tochter über das Spielfeld lief, schritt er diesmal gedankenverloren durch das Wembley-Stadion, die meiste Zeit allein.
Eigentlich hatte Guardiola geplant, seine Tätigkeit bei Manchester City bereits vor einem Jahr zu beenden. Allerdings rutschte der Klub damals in eine Krise, eine Runderneuerung der Mannschaft wurde notwendig. In dieser Situation wollte er den Verein nicht zurücklassen, zumal auch sein langjähriger Weggefährte, Citys Sportdirektor Txiki Begiristain, seinen Abschied eingereicht hatte. Die Erfolge in dieser Saison ermöglichen ihm nun ein versöhnliches Ende eines bemerkenswerten Jahrzehnts in Manchester. Dass er dennoch zumindest öffentlich weiterhin mit seinem Verbleib kokettiert und auf seinen noch ein Jahr laufenden Vertrag verweist, zeigt seine tief gewachsene Verbundenheit zu Spielern, Mitarbeitern, Funktionären und Fans bei Manchester City.
Dabei treiben Guardiola auch Gedanken um, mit seinem Abschied dem Klub nahestehende Menschen vielleicht zu brüskieren, obwohl diese ihm in großer Dankbarkeit begegnen. Sein Weggang in Barcelona indes rief einst Enttäuschung hervor. Hinzu kommt, dass er das Potenzial seiner neuen Mannschaft sieht. Dieses würde ihn sicherlich reizen, noch einmal weiterzumachen, auch wenn die eigene Kraft nach nahezu zwei Dekaden im Profifußball, die lediglich von einer einjährigen Auszeit unterbrochen wurden, zweifellos nachlässt. Ein Perfektionist wie Guardiola ist darauf bedacht, den perfekten Zeitpunkt für den Abschied zu finden – wohl wissend, dass es diesen eigentlich nicht gibt.
Trotz allem dürfte dem bisweilen eitel inszenierten Trainer die Aufmerksamkeit rund um die ständigen Rücktrittsgerüchte schmeicheln. Sie sind Ausdruck seines Vermächtnisses bei Manchester City. Die Nachfragen zu seiner Zukunft werden ihn noch begleiten und wohl erst enden, wenn sich Pep Guardiola endgültig erklärt. Auch das bleibt ihm diesmal nicht erspart.
Der Philosoph wird pragmatisch
Pep Guardiola verordnet beim schlechtesten Saisonstart seiner Trainerlaufbahn gegen den FC Arsena radikalen Defensivfußball. Konträr zu sportlichen Lage präsentiert sich der Trainer von Manchester City in lockerer Stimmung - und witzelt über seine Taktik.
