Profil Yasir Al-Rumayyan

Der Saudi, der zu allen einen Draht findet

31. Aug. 2025, 18:24 Uhr

Seine Anpassungsfähigkeit ermöglicht es Yassir Al-Rumayyan (rechts im Bild), dass er zu allen einen Draht findet. Hier redet er mit Newcastle-United-Spieler Kieran Trippier. (Foto: Richard Lee / Shutterstock / Imago Images)
Seine Anpassungsfähigkeit ermöglicht es Yassir Al-Rumayyan (rechts im Bild), dass er zu allen einen Draht findet. Hier redet er mit Newcastle-United-Spieler Kieran Trippier. (Foto: Richard Lee / Shutterstock / Imago Images)

Yasir Al-Rumayyan ist Chef des saudischen Staatsfonds und Chairman von Newcastle United. Dass Nick Woltemade dorthin wechselt, gleicht einer Machtdemonstration. Der Deal trägt Al-Rumayyans Handschrift.

Von Sven Haist, London

„Verschwende keine Krise“, sagte Yasir Al-Rumayyan – und setzte diesen Leitsatz in die Praxis um. Als Gouverneur des saudischen Staatsfonds, investierte er während der Corona-Pandemie strategisch in Großkonzerne. Deren Anteile waren zu dieser Zeit etwas günstiger zu erwerben. Unter seiner Führung erlebte der Public Investment Fund (PIF), dessen Vermögen auf eine Billion Dollar geschätzt wird, eine Transformation. Vom unauffälligen Kapitalvehikel zum global agierenden Investor. Auch im Sport vergrößerte Al-Rumayyan, 55, den saudischen Einfluss erheblich. So übernahm der PIF im Oktober 2021 unter anderem den Fußballverein Newcastle United, der sich damals am Tabellenende der Premier League befand; Al-Rumayyan wurde daraufhin Chairman des Klubs.

Mittlerweile bekleidet er durch das umfassende Portfolio des PIF in etwa so viele Ämter wie die Wolkenkratzer in Riad Stockwerke zählen. Zu seinen Überzeugungen gehört es, lieber 70 von 100 Zielen zu erreichen, als sich auf zehn zu beschränken und diese perfekt umzusetzen, erläuterte er mal in saudischen Medien. Dabei handelt er stets im Auftrag von Kronprinz Mohammed bin Salman. Dieser will die saudische Wirtschaft unabhängiger von Öl und Gas machen. Al-Rumayyans Rolle ist die eines Chefunterhändlers, der geschickt taktiert und präzise die Fäden zieht.

Als Al-Rumayyan mit Trump Golf spielte, hatte er eine „MAGA“-Kappe auf

Selbst eigene Krisen verschwendet er nicht. In der Vorwoche griff er ein, als Newcastle United bei der Suche nach einem neuen Stürmer nur Absagen erhielt und dazu der eigene Torjäger Aleksander Isak den Klub brüskierte. Indem er seit einem Monat das Training verweigert und einen Wechsel zum FC Liverpool anstrebt. Kurzfristig ordnete der Funktionär die Verpflichtung des 23-jährigen deutschen Offensivspielers Nick Woltemade vom VfB Stuttgart an. Für eine Ablöse von bis zu 90 Millionen Euro. Es war eine Machtdemonstration. Auf ähnliche Weise hat Al-Rumayyan noch viel anspruchsvollere Deals verhandelt, wie die Fusionierung der etablierten amerikanischen mit der neureichen saudischen Golfserie.

Seine Anpassungsfähigkeit ermöglicht es ihm, zu jedem den richtigen Draht zu finden. Je nach Anlass trägt er Tunika und Kufija, Anzug und Krawatte – oder hin und wieder Fanartikel von Newcastle United. Als er mit Donald Trump eine Runde Golf drehte, hatte er eine Kappe mit dem Slogan „Make America Great Again“ auf. Der Golfplatz ist für Yassir Al-Rumayyan weit mehr als ein Sportplatz – er ist sein persönlicher Verhandlungstisch, an dem er seine Gesprächspartner genau studiert. Diese Fähigkeit erlernte er einst von seinem Vorgesetzten, dem faktischen Herrscher bin Salman.

Yassier Al-Rumayyan sollte einen PIF-Chef finden – am Ende fiel die Wahl auf ihn

2015, kurz nachdem Al-Rumayyan zum ersten Mal mit bin Salman in Berührung gekommen war, sollte er einen Statthalter für den PIF finden. Immer wieder schlug er geeignete Kandidaten für den Posten vor. Doch bin Salman lehnte alle ab – bis schließlich klar war, wen dieser eigentlich haben wollte: selbstverständlich Al-Rumayyan. Dieser stammt aus der Provinz Buraida nördlich von Riad, syrische Mutter, saudischer Vater, hatte einst Rechnungswesen in Saudi-Arabien studiert, einen dreimonatigen Management-Kurs an der Harvard Business School absolviert und zweieinhalb Jahrzehnte als Finanzprofi gearbeitet.

Bin Salman holte ihn damals aus der relativen Unbekanntheit – ein typisches Vorgehen in Staaten wie Saudi-Arabien, um Loyalität zu garantieren, wie der Nahost-Experte Christopher Davidson der New York Times schilderte. Yassir Al-Rumayyan wurde auch deshalb ausgewählt, weil er nicht mit der negativen Reputation des Regimes in Verbindung gebracht wird. Sei es mit Menschenrechtsverletzungen, Hunderten Hinrichtungen pro Jahr oder dem Mord an Jamal Khashoggi.

Al-Rumayyans Ziel? Er will Newcastle United zur Nummer eins machen

Das Kalkül geht bisher auf, diesem Saudi wird international weitgehend unvoreingenommen begegnet. Vor zwei Jahren betonte Al-Rumayyan, es sei seine Ambition, Newcastle United zur „Nummer eins der Fußballwelt“ zu machen. Zwar ist der Verein von diesem Ziel noch weit entfernt. Aber es wäre nicht verwunderlich, wenn Yasir Al-Rumayyan auch hier einen Weg fände.

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