Newcastle United verpflichtet Nick Woltemade
Newcastle United legt den Royal Flush
29. Aug. 2025, 23:03 Uhr

Newcastle United schien der Verlierer des Transfersommers zu sein. Doch dann landete der Klub mit der Verpflichtung von Nick Woltemade einen Coup. Plötzlich steht Newcastles Torjäger Alexander Isak vor einem Problem.
Am Montag verfolgte Yasir al-Rumayyan, der einflussreiche Strippenzieher aus Saudiarabien, das Premier-League-Duell zwischen Newcastle United und dem Liverpool FC (2:3) live im St. James’ Park. Seit vier Jahren steht er als Chairman an der Spitze von Newcastle United, nachdem sich Saudiarabien über den von ihm geführten Staatsfonds die Mehrheitsanteile am Klub gesichert hatte. Auf die Frage nach den Gründen für Rumayyans unerwartete Stippvisite erklärte der Trainer Eddie Howe später, dass er nicht wisse, warum der Funktionär in Newcastle sei. Diese Aussage war ihm abzunehmen, denn Rumayyan gibt sich stets zurückhaltend. So tappte die Fussballöffentlichkeit lange im Dunkeln über dessen jüngste Absichten – bis am Donnerstagabend eine bemerkenswerte Transfermeldung die Runde machte: Nick Woltemade, der 23-jährige Angreifer vom VfB Stuttgart, stehe unmittelbar vor einem Wechsel zu Newcastle United. Das Stürmertalent ist bereits in Newcastle eingetroffen. Die Absicht lautet, dass er dort einen langfristigen Vertrag unterschreiben soll.
Newcastle United bezahlt den Preis, den der FC Bayern nicht überweisen wollte
Der sich abzeichnende Deal trägt unverkennbar Rumayyans Handschrift: diskret, scharfsinnig, eiskalt – wie ein Pokerspieler, der aus dem Nichts einen Royal Flush auf den Tisch legt und alle anderen Spieler zu Verlierern macht. In diesem Fall erfüllte Rumayyans Newcastle kurzerhand die opulenten Forderungen des VfB Stuttgart für den in der vergangenen Rückrunde durchgestarteten Woltemade: 85 Millionen Euro Ablöse plus 5 Millionen Euro Bonuszahlungen. Zwar hatte Stuttgart von Anfang an auf einen solchen Betrag für die Freigabe des Spielers bestanden und hat daran nun erfolgreich festgehalten.
Doch wie viel der zunächst einzige ernsthafte Interessent, der FC Bayern, von diesen Vorstellungen hielt, machte Uli Hoeness klar. Als der Sky-Experte Lothar Matthäus Stuttgarts Forderungen als gerechtfertigt bezeichnete, attestierte das Bayern-Aufsichtsratsmitglied Hoeness diesem kurzerhand, «nicht alle Tassen im Schrank» zu haben. Auch der Sportvorstand Max Eberl hielt es für unmöglich, dass irgendein Verein einen «Mondpreis» bezahlen würde. Jetzt macht der voraussichtliche Wechsel nach England Woltemade zum drittteuersten deutschen Fussballer, hinter Florian Wirtz und Kai Havertz.
Der FC Bayern hat seine Vormachtstellung auf dem deutschen Markt verloren
Mit Newcastle United hat der nächste englische Verein den FC Bayern auf dem Transfermarkt düpiert, nachdem der Rekordmeister in diesem Sommer bereits im Werben um Wirtz gegen den Liverpool FC das Nachsehen gehabt hatte. Dabei waren sich die Bayern sicher, dass Wirtz und Woltemade nur nach München wechseln würden. Die beiden Fälle unterstreichen eindrucksvoll, dass der Klub seine jahrzehntelange Vormachtstellung im Kampf um die besten Fussballer in der Bundesliga verloren hat. Bei den dreissig teuersten Spielertransfers innerhalb Deutschlands und aus Deutschland heraus war der FC Bayern in keinem einzigen Fall der Käufer. Um diesem schmerzhaften Trend entgegenzuwirken, fehlt den Münchnern eine klare Strategie – auch weil sie international gegen Klubs antreten müssen, die Grosskonzerne, Investorenkonsortien, Milliardenfonds oder im Fall von Newcastle ganzen Staaten führen bzw. finanzieren.
Woltemades Verpflichtung wäre ein kluger Schachzug von Rumayyan, mit dem er seinen Klub aus einem Dilemma befreit. Seit Beginn der Vorbereitung versucht nämlich der Liverpool FC mit Offerten von bis zu 150 Millionen Euro, Newcastles Torjäger Alexander Isak aus seinem noch drei Jahre gültigen Vertrag zu lösen. Der Spieler drängt auf einen Wechsel, weil sein Verein – anders als Liverpool – noch nicht zum Favoritenkreis in der Premier League und der Champions League gehört. Allerdings hat Newcastle bislang alle Angebote abgeschmettert, weshalb Isak, 25 Jahre alt, auf Konfrontation ging. Auf Instagram schrieb der Schwede, die Zusammenarbeit zwischen ihm und Newcastle United könne «nicht länger fortgesetzt» werden – und eine Veränderung liege «im besten Interesse aller Beteiligten».
Isak zum FC Liverpool? Nun hält Yasir al-Rumayyan alle Trümpfe in der Hand
Isak verteidigte seine Entscheidung damit, dass «Versprechen gebrochen und Vertrauen zerstört» worden seien. Er warf seinem Klub vor, dass dessen Vorgehen nicht mit dem übereinstimme, was «hinter verschlossenen Türen tatsächlich gesagt und vereinbart» worden sei. Dieser Darstellung widersprach Newcastle United in einem Statement sofort: Es habe «seitens eines Klubverantwortlichen nie eine Zusage gegeben», dass Isak den Verein noch in diesem Sommer verlassen dürfe. Als Begründung erklärte Newcastle, die Bedingungen für einen Verkauf seien «nicht erfüllt» worden – und man erwarte auch nicht, dass sich daran bis zum Ende der Transferfrist am 1. September etwas ändern werde.
Als Ablöse verlangt der Klub bis zu 175 Millionen Euro. Eine solche Summe wäre neuer britischer Transferrekord, worauf man sich mit Liverpool womöglich verständigen könnte. Doch bis zur Zusage von Woltemade handelte sich Newcastle United auf der Suche nach möglichem Ersatz nur Absagen ein. Nun könnte man den Angreifer zum Rivalen ziehen lassen – allerdings hat Isak sein Verhältnis zum Klub schwer beschädigt. Seit Wochen erscheint er nicht zum Mannschaftstraining, und er brüskierte den Verein kürzlich ein weiteres Mal, indem er bei einem Besuch einer hochrangigen Delegation des Vereins in seinem Haus nicht umzustimmen war. Daraufhin übernahm Yasir al-Rumayyan das Zepter, leitete den Kauf von Nick Woltemade ein – und hat nun alle Trümpfe in der Hand.

