Aufregung um Alexander Isak
Ein Post wie eine Packung Schwarzpulver
20. Aug. 2025, 18:14 Uhr

Alexander Isak bricht öffentlich mit Newcastle United, wirft dem Klub gebrochene Versprechen vor und fordert seinen Wechsel zum FC Liverpool. Doch Newcastle weist die Vorwürfe zurück und lehnt weiterhin alle Angebote ab – selbst 150 Millionen Euro.
Alexander Isak hätte grundsätzlich Zeit gehabt, an der Preisverleihung der Professional Footballers’ Association teilzunehmen. In England stehen in dieser Woche keine Pflichtspiele für die Spitzenvereine auf dem Programm. Die Gewerkschaft der Profifußballer in England und Wales nutzte das freie Zeitfenster am Dienstagabend, um die besten Spieler der vergangenen Saison im englischen Fußball zu ehren – gewählt von den Spielern selbst. Der Award ging bei den Männern an Mohamed Salah vom FC Liverpool, Isak wurde in die Premier-League-Elf des Jahres berufen. Statt den Preis wie alle anderen Spieler persönlich entgegenzunehmen, blieb der Torjäger von Newcastle United der Veranstaltung fern und sandte kurz nach der Bekanntgabe seiner Auszeichnung einen Gruß in Form einer Instagram-Story. Sein in weißer Schrift auf schwarzem Hintergrund verfasster Beitrag wirkte weniger als Verweis auf die Klubfarben der Magpies (Elstern), sondern eher wie ein Piktogramm für explosive Stoffe – denn der Inhalt glich einer Packung Schwarzpulver.
In seiner Mitteilung schrieb Isak, 25, die Zusammenarbeit zwischen ihm und Newcastle United könne „nicht länger fortgesetzt“ werden und eine Veränderung liege „im besten Interesse aller Beteiligten, nicht nur in meinem“. Damit spielte er auf seine Wechselabsicht in diesem Sommer an. Der schwedische Nationalspieler will den vom saudischen Staatsfonds alimentierten Traditionsverein mit aller Macht verlassen – und zum Ligakonkurrenten Liverpool wechseln. Weil Newcastle bislang jedoch alle Offerten abgelehnt hat – zunächst 130 Millionen Euro, aktuell 150 Millionen Euro –, geht Isak nun öffentlich auf Konfrontation.
Noch am selben Abend kontert Newcastle die Vorwürfe von Alexander Isak
Es wurden „Versprechen gebrochen und Vertrauen zerstört“, erklärte der Angreifer, und es sei irreführend, so zu tun, als kämen diese Themen erst jetzt auf, wo dem Klub seine Haltung „seit Langem“ bekannt sei. Sein Schweigen habe es „manchen“ ermöglicht, eine eigene Version der Ereignisse zu verbreiten – obwohl diese wüssten, dass dies nicht dem entspreche, was „hinter verschlossenen Türen tatsächlich gesagt und vereinbart“ worden sei, beschuldigte Alexander Isak den Klub. Dies sei die Wahrheit, hob er hervor.
Dieser Darstellung widersprach Newcastle United noch am selben Abend und zeigte sich „enttäuscht“ über den Social-Media-Post des Spielers. In der Stellungnahme des Vereins heißt es, es habe „seitens eines Vereinsverantwortlichen nie eine Zusage gegeben“, dass Alexander Isak den Klub in diesem Sommer verlassen dürfe. Als Erklärung für die zurückgewiesenen Angebote gab Newcastle an, die Voraussetzungen für einen Verkauf seien „nicht eingetreten“ – und man gehe nicht davon aus, dass sich daran bis zum Ende der Transferfrist am 1. September etwas ändern werde.
Seit seiner Verpflichtung gelangen Isak 62 Treffer in 109 Pflichtspielen für Newcastle. Damit zählt er hinter Erling Haaland (Manchester City) und Salah (Liverpool) zu den verlässlichsten Torschützen der Premier League. Als Ablöse verlangt der Klub bis zu 175 Millionen Euro, sein Vertrag läuft ohne Ausstiegsklausel noch bis Juni 2028. Eine solche Summe wäre zwar neuer britischer Transferrekord – worauf man sich womöglich sogar einigen könnte, denn Liverpool hat trotz Investitionen von 340 Millionen Euro auch 220 Millionen Euro eingenommen.
Um Alexander Isak ziehen zu lassen, benötigt Newcastle United Ersatz
Allerdings benötigt Newcastle gleichzeitig einen Ersatz für Alexander Isak, der vor drei Jahren für den klubinternen Rekordbetrag von 70 Millionen Euro von Real Sociedad kam. Und bei dieser Suche hat der Klub inzwischen offenbar so viele Absagen erhalten, dass gegnerische Fans bereits spötteln, daraus ließe sich eine komplette Startelf formen.
Zuletzt bemühte sich Newcastle United vergeblich um den zu Manchester United gewechselten Benjamin Sesko und um Hugo Ekitiké – den pikanterweise der FC Liverpool wegschnappte. Trotz des Endes einer 70-jährigen Titellosigkeit (Newcastle gewann den League Cup) und der erneuten Qualifikation für die Champions League ist die Anziehungskraft des Klubs auf neue Spieler geringer als die der etablierten Spitzenvereine. Dies liegt daran, dass Newcastle finanziell mit den Angeboten der Konkurrenz bei Ablöse und Gehalt nicht mithalten kann. Zwar ist der von Saudi-Arabien übernommene Klub an dessen riesigen Staatsfonds-Geldspeicher angeschlossen, doch die unbegrenzte Kapitalzufuhr durch die Besitzer ist durch die Regularien der Premier League wirksam eingeschränkt.
Derzeit trainiert Alexander Isak individuell auf Newcastle-Geländer, separat vom Team
Aus diesem Grund gehört Newcastle United nicht zum Favoritenkreis in Premier League und Champions League, womit sich begehrte Spieler wie Isak nur schwer abfinden können. Zu Beginn der Vorbereitung reiste Isak vorzeitig vom Testspiel bei Celtic Glasgow ab; die Genehmigung dafür erteilte Trainer Eddie Howe wegen der Spekulationen rund um den Spieler. Das Letzte, was dieser gewollt habe, sei auf der Tribüne zu sitzen, sagte Howe damals. Kurz darauf erklärte der Trainer Isaks Absenz von der Asientour des Teams mit einer leichten Oberschenkelverletzung. Und es wurde berichtet, dass sich Isak allein auf dem Gelände seines vormaligen Klubs Real Sociedad fit halte. Erst Anfang August tauchte er dann bei Newcastle United auf und trainierte separat von seinen Teamkollegen. Beim Ligaauftakt gegen Aston Villa (0:0) stand Isak nicht im Kader.
Immer wieder bemühte sich Trainer Howe um eine Wiedereingliederung des dringend benötigten Stürmers. Darauf drängte auch der Verein in seinem auf Deeskalation ausgerichteten Statement. Isak bleibe „Teil der Familie“ und werde willkommen geheißen, sobald er bereit sei, wieder zu seinen Teamkollegen zu stoßen. Davon hat Alexander Isak bisher abgesehen. Zu seiner Abwesenheit beim Event der Professional Footballers’ Association ließ er ausrichten, dass sich seine Teilnahme „nicht richtig angefühlt“ hätte, bezüglich dessen, was „gerade alles passiert“. Der Award dürfte ihm postalisch zugestellt werden.
Wiedergeburt mit saudischer Hilfe
Newcastle United gewinnt erstmals nach 70 Jahren wieder einen Pokal. Der Erfolg im League Cup gegen Liverpool basiert auf einer Mischung aus guten strategischen Entscheidungen und der finanziellen Unterstützung aus Saudi-Arabien.
