Saisonauftakt Manchester United
Wieder verloren – aber das Gefühl ist anders
18. Aug. 2025, 19:14 Uhr

Manchester United verliert mit 0:1 gegen den FC Arsenal und präsentiert sich weiter ohne Durchschlagskraft in der Offensive. Doch die Leistung gibt den Fans Hoffnung – und ein Zugang aus der Bundesliga.
Die Reaktionen der Spieler von Manchester United kamen einem vertraut vor – fast so, als hätte man sie unzählige Male zuvor gesehen. Nach dem misslungenen Saisonauftakt zu Hause gegen den FC Arsenal stand die Mannschaft von Trainer Rúben Amorim ratlos auf dem Rasen. Alle Spieler nahmen eine gebeugte Haltung ein: Harry Maguire stemmte seine Hände in die Hüften, andere stützten sich auf ihre Knie, Kapitän Bruno Fernandes und Amad Diallo saßen in der Hocke, Leny Yoro lag am Boden. Der Anblick erinnerte an das verlorene Europa-League-Finale vor drei Monaten gegen Tottenham Hotspur, als der Klub die schlechteste Saison seit seiner Gründung abschloss. Auch das Ergebnis war dasselbe – ein 0:1, diesmal gegen den letztjährigen Premier-League-Zweiten Arsenal.
Alle Kommentatoren waren sich einig: United war die bessere Mannschaft
Doch im Vergleich zur vergangenen Spielzeit und all den anderen desillusionierenden Niederlagen, die der Verein seit dem Abschied des Dauersiegers Alex Ferguson einstecken musste, war das Gefühl am Sonntagabend völlig anders: Das Publikum im Old Trafford spürte wieder – respektive zum ersten Mal seit langer Zeit – eine Verbindung zur Mannschaft. Die Fans blieben im Stadion, litten mit ihren Spielern und applaudierten ihnen. Trotz der Pleite war kein einziger Pfiff der Enttäuschung zu vernehmen, weder zur Halbzeit noch nach dem Abpfiff. Auch die englischen Sportmedien, die während des Niedergangs des Klubs keine Schlagzeile ausgelassen hatten, lobten die ansprechende Leistung. Manchester United habe „ziemlich gut ausgesehen“, urteilten die Reporter der Boulevardzeitung The Sun.
Fast alle Kommentatoren schlossen sich der Einschätzung von Amorim an. Der Trainer sagte, man sei „klar besser“ gewesen und hätte „mehr verdient“ gehabt. Seine Mannschaft kontrollierte das Match, dominierte den Ballbesitz, verzeichnete deutlich mehr Chancen, während sie nur wenige zuließ. Arsenals Tor, erzielt von Linksverteidiger Riccardo Calafiori (13. Minute), resultierte aus einem haarsträubenden Schnitzer von Uniteds Ersatztorwart Altay Bayindir, der den absenten Stammkeeper André Onana vertrat. Bayindir ließ sich bei einem Eckball von Arsenals Gabriel Magalhães im Fünfmeterraum abdrängen und konnte den scharf aufs Tor geschlagenen Ball nur noch minimal ablenken – direkt auf den Kopf von Calafiori, der hinter ihm lauerte.
Manchester Uniteds Standardschwäche hält weiter an
Seit der Saison 2023/24 hat Manchester United nun 23 Gegentreffer nach Eckbällen hinnehmen müssen – mehr als jedes andere Team. Im selben Zeitraum erzielte Arsenal wiederum 31 Tore nach Ecken, absoluter Höchstwert. Schon in der Vorsaison hatten die Gunners gegen United gezielt auf diese Schwäche bei ruhenden Bällen gesetzt, die nicht zuletzt eine Folge der andauernden Torwartdiskussion ist. Der Treffer zeigte das abgeklärte, robuste und eingespielte Auftreten Arsenals. Die Gunners, bei denen DFB-Nationalspieler Kai Havertz nach seiner Verletzung in der Rückrunde auf der Bank saß und später eingewechselt wurde, verteidigten ihren frühen Vorsprung ohne Schnörkel. „Die Meister der schmutzigen Siege“, fasste die Sun treffend zusammen.
Das lässt sich auch deshalb so sagen, weil der Rekordmeister unter Amorim manchmal fast das Gegenteil zu sein scheint: Er verliert manierlich. Der Verein verzweifelt häufig an der Tatsache, dass kein verlässlicher Torjäger im Kader ist. In der Vorsaison gelangen lediglich 44 Tore in 38 Ligaspielen – nur der FC Everton und die drei Absteiger hatten eine schlechtere Bilanz. Aus diesem Grund konzentrierten sich die Transferbemühungen von United in diesem Sommer auf eine neue Angriffsreihe: Für 226,5 Millionen Euro verpflichtete der Klub Matheus Cunha von Wolverhampton Wanderers (75 Millionen Euro), Bryan Mbeumo vom FC Brentford (75) sowie kürzlich Benjamin Sesko von RB Leipzig (76,5).
Cunha und Mbeuma beleben das Angriffsspiel von Manchester United
Die ersten beiden Zugänge standen in der Startelf und legten ein vielversprechendes Debüt ab. Amorim plant, Cunha, 26, und Mbeumo, 26, als verkappte Spielmacher und Außenstürmer in seiner 3-4-3-Formation einzusetzen. Je nach Spielsituation können sie sowohl zentral als auch auf den Flügeln agieren. Sie verfügen über das notwendige Spielverständnis und die Ballkontrolle, um im Zentrum zu agieren, sind aber auch schnell genug für das Spiel auf den Außenbahnen. Für die gegnerischen Verteidiger ist es kaum auszurechnen. Arsenals Ben White und Calafiori gerieten immer wieder in Bedrängnis und wurden beide ausgewechselt. Doch trotz mehrerer Chancen verpassten Cunha und Mbeumo das für Manchester United erlösende Tor.
Die Fans emfangen Leipzig-Neuzugang Sesko euphorisch
Daher richteten sich die Hoffnungen der United-Fans auf Mittelstürmer Sesko, den Königstransfer des Klubs. Als der Slowene in der 65. Minute eingewechselt wurde, brandete Begeisterung auf den Tribünen auf – die man normalerweise nur hört, wenn ein Spieler nach drei Toren vom Platz geht. Die Erwartungen an Sesko, 22, waren ihm anzumerken, auch er zeigte sich bemüht, doch in den entscheidenden Momenten fehlten ihm Ruhe und die richtige Positionierung. Immerhin hinterließ der neue Sturm den Eindruck, dass United im nächsten Jahr nicht wieder ähnliche Summen für neue Angreifer wird ausgeben müssen, nachdem der Klub seit 2020 kontinuierlich neue Stürmer präsentiert hatte.
Vorerst bleibt Manchester United aber torlos. Nach Abpfiff schoss der Mittelfeldspieler Manuel Ugarte aus Frust aufs leere Tor des FC Arsenal. Auch dieser Ball verfehlte das Ziel.
